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Mehr erneuerbare Energien auf Denkmalschutz-Dächern 

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Von: Maja Yüce

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Solar-Module auf den Dächern: Jetzt auch auf denkmalgeschützten Gebäuden möglich
Solar-Module auf den Dächern: Jetzt auch auf denkmalgeschützten Gebäuden möglich © Marina Lohrbach/dpa

Sie sollen künftig auf denkmalgeschützten Gebäuden zur Regel werden: Photovoltaikanlagen. Zumindest, wenn es nach der neuen Richtlinie für Denkmalbehörden in Hessen geht.

Schwalm-Eder – Sie gibt vor, dass Solaranlagen auf denkmalgeschützten Gebäuden in der Regel zu genehmigen sind. Ein Prozess, der bisher eher lange dauerte, kompliziert war und daher auch oft Hauseigentümer davon abhielt. Eine Erleichterung nicht nur für Privatleute, sondern auch für Kommunen. Und das in Zeiten, in denen die eigene Photovoltaik- oder Solaranlage auf dem Dach dabei helfen kann, steigenden Energiekosten entgegenzuwirken.

Doch ganz so einfach ist es dann doch nicht: „Die neue Richtlinie bedeutet nicht, dass auf allen Dächern PV-Anlagen oder Solarthermie-Anlagen errichtet werden können“, heißt es auf HNA-Anfrage aus der Kreisverwaltung.

Im Falle einer erheblichen Beeinträchtigung des Kulturdenkmals oder der Gesamtanlage sei diese im Einzelfall so zu reduzieren, dass es zur Genehmigung kommen könne. „Eine Belegung mit PV-Anlagen bleibt eine Einzelfallentscheidung. Wir werden uns bemühen die Dinge möglich zu machen, die vertretbar sind“, heißt es von der Unteren Denkmalschutzbehörde. Und weiter: So könne es zum Beispiel bei Kulturdenkmälern aus künstlerischen oder städtebaulichen Gründen ebenso eine genauere Überprüfung geben wie bei erheblichen Eingriffen in die Bausubstanz oder auch, wenn ortsbildprägende Gesamtanlagen betroffen seien.

Nachhaltige Energieerzeugung fördern

Das Hessische Ministerium für Wissenschaft und Kunst möchte mit seiner neuen Richtlinie die Potenziale denkmalgeschützter Gebäude für Erneuerbare Energien nutzen. Ziel der neuen Richtlinie ist es, eine nachhaltige und rentable Energieerzeugung zu unterstützen. Bereits seit 2016 gilt, dass Denkmalbehörden bei allen Entscheidungen die Belange des Klima- und Ressourcenschutzes besonders zu berücksichtigen haben.

Dazu gehörten herausragende Plätze und Straßenzüge. Überprüft werde dann, ob es Alternativstandorte zum Beispiel auf Nebengebäuden oder ob es nicht sichtbare und verborgene Teile des Daches für die Solaranlage gebe. Auch könne es darum gehen, die Anlagen so anzubringen, dass sie auf dem Dach gestalterisch weniger auffallen.

Eine Stadt, in der es viele denkmalgeschützte Gebäude gibt, ist Fritzlar. Man kläre gerade ab, welche Liegenschaften für eine Solarenergienutzung in Frage kommen, sagt Bürgermeister Hartmut Spogat. „Viele dürften entsprechendes Potenzial aufweisen, während anderen die statischen Voraussetzungen fehlen könnten“, so Spogat. Besonderes Augenmerk liege auf Objekten, in denen tagsüber regelmäßig Wärme und Energie verbraucht werde – Verwaltungsgebäude oder Kindertagesstätten. Es sei gut, dass sich Denkmalschutz und erneuerbare Energien nun nicht mehr widersprechen, so Spogat.

Neue Regeln für Sonnenenergie auf denkmalgeschützten Gebäuden

Auf denkmalgeschützten Gebäuden sollen zukünftig leichter Solaranlagen installiert werden können. Möglich macht das eine neue Richtlinie des Landes Hessen. Fragen und Antworten:

Was bedeutet die neue Richtlinie für die Gebäude im Landkreis?

Für Eigentümer von Kulturdenkmälern besteht die Möglichkeit, Photovoltaik oder Solarthermie auf den Gebäuden zu nutzen. Jede An- oder Aufbringung solcher Anlagen bedarf einer denkmalschutzrechtlichen Genehmigung, teilt der Landkreis auf HNA-Anfrage mit. Und weiter: „Zugleich sind die Belange des Klima- und Ressourcenschutzes bei der Entscheidung besonders zu berücksichtigen. Die neue Regelung bedeutet aber nicht, dass erneuerbaren Energien pauschal ein Vorrang einzuräumen ist, sondern lediglich, dass diese mit entsprechendem Gewicht in die Abwägung eingehen müssen.“ Denkmalschutz genieße im Bundesland Hessen Verfassungsrang, daher müsse in jedem Einzelfall eine umfassende Abwägung mit den Belangen des Denkmalschutzes erfolgen.

Was gilt es nun für Kommunen zu tun?

Kommunen, die entsprechende Anlagen auf ihren denkmalgeschützten Gebäuden anbringen lassen wollen, sollten zunächst den Bedarf und effiziente Standorte ermitteln. Eine Genehmigung für Solaranlagen ist regelmäßig zu erteilen. Allenfalls bei erheblicher Beeinträchtigung eines Kulturdenkmals kommt eine abweichende Entscheidung in Betracht.

An welchen Orten im Kreis wären aus Denkmalschutzgründen keine Solaranlage möglich?

Grundsätzlich an keinem, so die Untere Denkmalschutzbehörde des Kreises. Es bleibe allerdings immer eine Einzelfallentscheidung. Eine Genehmigung für Solaranlagen sei regelmäßig zu erteilen. Allenfalls bei erheblicher Beeinträchtigung eines Kulturdenkmals komme eine Ablehnung in Betracht. Aber auch dann sind die Behörden aufgefordert, Alternativen zu finden, die das Aussehen des Gebäudes nicht verfälschen. Ziel der neuen Regelung sei es, die erneuerbaren Energien zu unterstützen.

Für Private sind die Hürden oft hoch. Was kann man dagegen tun?

Durch die Gemeinden könnte dahingehend auf private Bauherren eingewirkt werden, sich vor Kauf oder Sanierung eines Fachwerkgebäudes zu informieren und beraten zu lassen. Hier bieten die Untere Denkmalschutzbehörde als auch das Landesamt für Denkmalpflege umfassende Beratungen an.

Werden zum Beispiel in der historischen Altstadt von Fritzlar nun bald jede Menge Solaranlagen auf den Dächern stehen?

„Die Stadt Fritzlar verfügt über eine Vielzahl denkmalgeschützter Liegenschaften. Besonders in der Kernstadt handelt es sich hierbei teilweise um Kulturdenkmale mit überregionaler Bedeutung – wie das historische Rathaus, das Hochzeitshaus und die Kurie im „Fischgäßchen“, erklärt Bürgermeister Hartmut Spogat. „Auch nach der geänderten Richtlinie bedürfen diese Kulturdenkmale einer besonderen denkmalschutzrechtlichen Betrachtung. So dürfte im Falle des historischen Rathauses die Installation von Photovoltaikelementen am weithin sichtbaren Hauptdach vermutlich weiterhin ausscheiden.“ Die Anbringung sei dort aber auch nicht im Sinne der Stadt. Da die gut erhaltene historische Bausubstanz jährlich viele Tausend Tagestouristen in die Stadt locke. Hier könne es ein guter Kompromiss sein, auf Nebendächer im Hof des Rathauses erneuerbare Energien zu nutzen.

Wie stehen kleinere Kommunen zu der neuen Richtlinie?

Auf die Gemeinde Neuental habe sie keine große Auswirkung, erklärt Bürgermeister Dr. Philipp Rottwilm. Grund dafür: Die Gemeinde ist im Besitz von fünf denkmalgeschützten Gebäuden (Backhäuser und Rathaus). Alle seien 2018 auf Dachflächen-PV-Anlagen geprüft worden. „Auf den denkmalgeschützten Gebäuden sind keine Anlagen möglich, beziehungsweise wirtschaftlich“, erklärt Rottwilm.

Die Gemeinde habe bereits alle Dachflächen, auf denen PV-Anlagen möglich seien, mit PV-Flächen belegt. So zum Beispiel Hintergebäude des Rathauses, Bauhof und mehr. „Darüber hinaus haben wir gerade neue PV-Anlagen auf unseren Kläranlagen zum Eigenverbrauch in Betrieb genommen“, so Rottwilm.

(Maja Yüce)

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