Umbrüche stehen bevor

Menschen statt Zahlen: Gudensberger Pfarrer Simon Graef ist der neue Dechant

Ist jetzt Dechant im Dekanat Fritzlar: Simon Graef bleibt Pfarrer in Gudensberg, hat nun aber ein weiteres verantwortungsvolles Amt inne.
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Ist jetzt Dechant im Dekanat Fritzlar: Simon Graef bleibt Pfarrer in Gudensberg, hat nun aber ein weiteres verantwortungsvolles Amt inne.

Simon Graef ist seit acht Jahren Pfarrer in Gudensberg und weiß genau, warum er seinen Beruf gern hat. „Es ist das Menschliche“, sagt der 57-Jährige, der seit kurzer Zeit auch eine neue Funktion im Dekanat Fritzlar bekleidet.

Graef wurde zum Dechanten ernannt und folgt damit offiziell auf Jörg-Stefan Schütz, der das Dekanat bereits im vergangenen Jahr verlassen hatte. Kommissarischer Dechant war bislang Pfarrer Gerhard Braun aus Gensungen.

Graef ist nun der Vermittler zwischen den Pfarreien und dem Bischof des Bistums Fulda. Dass ihm das Vertrauen geschenkt wurde, ehre ihn sehr. „Ich bleibe weiterhin Pfarrer in Gudensberg“, erklärt der 57-Jährige. Zu seinen neuen Aufgaben zähle vor allen Dingen, ein offenes Ohren für die Pfarreien zu haben, diese zu besuchen und den Austausch zu erleichtern. Das Miteinander sei in der Kirche ohnehin das Allerwichtigste. „Kirche besteht nicht nur aus den Steinen in den Gebäuden, sondern in erster Linie aus den Menschen, die ihr angehören“, sagt Graef. Und das werde so bleiben – auch wenn klar sei, dass der katholischen Kirche im Schwalm-Eder-Kreis große Umbrüche bevorstünden. In Kassel wurden die Pfarreien bereits umfänglich zusammengelegt (HNA berichtete).

„Viele Katholiken hier vor Ort haben natürlich Sorge“, weiß der neue Dechant. Fest stehe zwar: Im Landkreis werde es irgendwann einmal nur noch eine katholische Pfarrei geben. Wann dieser Zeitpunkt erreicht sei, sei jedoch überhaupt noch nicht vorherzusehen. Graef will Mut machen: „Ich sehe auch etwas Positives an dieser Entwicklung.“ Wichtige katholische Standorte, die es im ganzen Landkreis gebe, würden niemals ihre Bedeutung verlieren – Zusammenlegung hin oder her. Er nennt zum Beispiel den Fritzlarer Dom.

Mit Veränderungen und Umbrüchen hat Graef in seinem bisherigen Leben schon viele Erfahrungen gemacht. Er wurde in Zeitz in Sachsen-Anhalt geboren, wuchs in Thüringen auf, machte Abitur und studierte Wirtschaftswissenschaften in Chemnitz. Nach der Wende war er einige Jahre Mitarbeiter einer Wirtschaftsprüfungsgesellschaft, arbeitete als Steuerberater – große Firmen, große Summen, großen Druck war Graef gewohnt.

„Mir hat es irgendwann nichts mehr gegeben, dafür zu sorgen, reiche Firmen noch reicher zu machen, immer das Letzte überall herauszukitzeln.“ Das Menschliche sei bei seiner Arbeit auf der Strecke geblieben. Also entschloss sich Graef im Alter von 33 Jahren, in ein Prager Kloster zu gehen. Viele Monate habe er sich Bedenkzeit gelassen. „Die Antwort auf die Frage nach dem Sinn habe ich bei Gott gefunden“, sagt er und erinnert sich an einen Flyer, den er eines Morgens in der Hand hielt: „Wenn nicht jetzt, wann dann?“, stand darauf.

1999 trat er in den Benediktinerorden ein und wurde Mönch einer der größten Benediktinerabteien Deutschlands, im Kloster St. Ottilien bei München. Dort studierte er Theologie. 2007 wurde er zum Priester geweiht, war ab 2010 erst im Bistum Fulda in Hanau tätig, dann Kaplan in Niederaula/Kirchheim. Der Verbund Gudensberg/Edermünde war seine erste Pfarrstelle.

„Selbstverständlich hadere und zweifele ich immer wieder“, sagt Graef. Ein Leben, das eben nicht nur aufs Materielle ausgerichtet ist, habe ihn aber schon immer fasziniert. Außerdem betont Graef: „Für viele fällt die Entscheidung, Pfarrer zu werden, in einem längeren Prozess.“ Es sei in den wenigesten Fällen wie bei Paulus, der vom Pferd fällt und bekehrt wird, wie es das sogenannte Damaskuserlebnis schildert, sagt der 57-Jährige mit einem Augenzwinkern.

Ähnliche verhalte es sich auch mit den Veränderungen in der katholischen Kirche. Sie seien Teil eines Prozesses, bei dem man sich – auch im Fritzlarer Dekanat – immer wieder die Frage stellen müsse: „Inwiefern ist das katholische Leben, das gewachsen ist, heute noch lebensfähig?“ Das passiere nicht von heute auf morgen. (Daria Neu)

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