Mythos ist schnell in der Welt

Biologe informiert Fritzlarer Schüler über Impfstoffe

Verschiedene Impfstoffe und ihre Funktion: Das Vortragsformat von Wolfgang Nellen zu den diversen Vakzinen ist ein Beispiel für moderne Vermittlung von Wissen. Neue Unterrichtsformen wie Webinare bieten in der aktuellen Pandemie auch Vorteile für Schüler, da sie Informationen und Interaktionen kombinieren können. 
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Verschiedene Impfstoffe und ihre Funktion: Das Vortragsformat von Wolfgang Nellen zu den diversen Vakzinen ist ein Beispiel für moderne Vermittlung von Wissen. Neue Unterrichtsformen wie Webinare bieten in der aktuellen Pandemie auch Vorteile für Schüler, da sie Informationen und Interaktionen kombinieren können. 

Welche Impfstoffe hat die Wissenschaft hervorgebracht, wie werden sie in der Medizin eingesetzt, und welche Innovationen verspricht die Forschung? Dies sind nur einige der Fragen, über die Professor Wolfgang Nellen auf anschauliche Weise in einem Webinar am Montagmorgen referiert hat. Im Anschluss beantwortete der emeritierte Professor des Instituts für Biologie – Genetik der Universität Kassel zahlreiche Fragen von 28 Schüler der König-Heinrich-Schule in Fritzlar.

Fritzlar/Kassel - „Warum sind manche Impfstoffe angeblich so viel sicherer und effektiver als andere?“ lautete die Frage einer Schülerinn, die Professor Nellen nach dem Vortrag in der Videokonferenz sofort beantworten konnte: „Aufgrund der deutlich unterschiedlichen Verfahren und der damit einhergehenden Variationen der Impfstoffmengen, können Wirkung und Risiken von Impfstoffen sehr unterschiedlich ausfallen.“ Die gängigen Stoffe seien in der Regel allerdings sicher und ihre Effektivität durch zahllose Studien wissenschaftlich belegt. Die Fragen der Jugendlichen des Leistungskurses Biologie aus der Jahrgangsstufe Q2 zeigten deutlich, dass sie sich vor allem für die gängigen Corona-Impfstoffe und ihre unterschiedliche Beschaffenheit und Wirkungsweise interessieren.

Prof. Wolfgang Nellen

„Da Impfstoffe aktuell besonders in den Fokus gerückt sind, ist es für die Schüler spannend, den Unterschied zwischen den verschiedenen Vakzinen nachzuvollziehen“, erklärte Sarah Block, Lehrerin des Biologie-Leistungskurses an der KHS. Professor Nellen stellte die unterschiedlichen Impfstoffe, ihre jeweilige Wirkungsweise, Effektivität und Risiken vor. Dabei bezog er sich auf die Gruppen der Vektor-, DNA-, mRNA- und Sa-mRNA-Vakzine, zu denen die Corona-Impstoffe Sputnik und die von Astrazeneca, Biontech und Moderna gehören. „Um das Thema Impfstoffe ranken sich viele Mythen, Halbwahrheiten und Falschaussagen“, sagte der Professor.

So sei beispielsweise der Grund für die fehlende Zulassung des Corona-Impfstoffes von Astrazeneca für über 65-Jährige nicht der Tatsache geschuldet, dass er nachgewiesenermaßen Risiken für diese Menschengruppe berge, sondern schlicht der Mangel an verlässlichen Daten. „Einen Mythos in die Welt zu setzen dauert keine Minute, diesen zu entkräften und widerlegen jedoch einen halben Tag.“ Der Prozess der Richtigstellung könne zuweilen nervenaufreibend sein, so Nellen, der die Schüler auch durch seine lockere Art begeisterte. (Raphael Digiacomo)

Impfstoffe und Virusmutationen

Vektor-Impfstoffe: Professor Nellen erklärte den Schülern, dass Vektor-Impfstoffe besonders schnell in die menschlichen Zellen gelangen. Grundsätzlich ein Vorteil, kann dies in seltenen Fällen aber auch Immunreaktionen gegen den Vektor hervorrufen. Die Corona-Impfstoffe Sputnik und der des Herstellers Astrazeneca gehören zu der Gruppe der Vektor-basierten Impfstoffe.

mRNA-Impfstoffe wie der Corona-Impfstoff der Hersteller Biontech und Moderna zeichnen sich durch ihre sehr gute Effektivität aus. Da die mRNA in sich instabil ist, sehe auch dieses Verfahren eine Verwendung von Lipid Nanopartikeln vor. Außerdem sei eine Anpassung an Virus-Mutationen möglich. Die mit dem Verfahrenen verbundenen Gesundheitsrisiken seien laut allgemeiner Auffassung gering, so Nellen.

Virusmutationen: Sie entstehen laut Professor Nellen durch eine Art zufällige „Schreibfehler“ beim Kopieren der Geninformationen der Viren. Mutationen können sich nur dann durchsetzen, wenn ihre Verbreitung durch eine hohe Infektiosität schneller ist, als die des Ursprungsvirus. „Generell liegt es nicht im Interesse eines Virus, den eigenen Träger zu töten – erst recht nicht schnell – sondern sich so weit wie möglich zu verbreiten.“ (rdg)

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