GWH will sich bemühen

Nach Brand an Albertstraße in Fritzlar: Lage ist für Mieter belastend

Wohnhaus an der Albertstraße in Fritzlar.
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Es dauert und dauert: Die im März ausgebrannten Wohnungen an der Albertstraße in Fritzlar sind noch immer nicht wieder bezugsfertig.

Fast vier Monate ist es nun schon her, dass 36 Menschen ihr Zuhause durch den Brand eines Mehrfamilienhauses an der Albertstraße in Fritzlar verloren haben. Bewohnbar sind die Wohnungen noch nicht.

Fritzlar - Eines steht fest: Das zehrt an den Nerven. Die Gemeinnützige Wohnungsbaugesellschaft Hessen (GWH) berichtete zuletzt auf HNA-Anfrage, dass die Arbeiten leider mehr Zeit in Anspruch nähmen als erhofft – bewohnbar seien die Wohnungen daher voraussichtlich erst im Oktober. „Die Elektrik ist schwer beschädigt“, erklärte seinerzeit eine Pressesprecherin.

Dass die GWH selbst nur bedingt in der Lage sei, die Arbeiten zu beschleunigen, wird auch den meisten Mietern klar sein. Dennoch wurden jetzt Vorwürfe laut. Sie betreffen die Kommunikationsstruktur der Gesellschaft. Die Mieterin einer Wohnung des Hauses an der Albertstraße klagte: „Ich warte mittlerweile auf Rückruf Nummer vier.“ Sie möchte ihren Namen nicht nennen, habe sich aber dennoch aus Verzweiflung an die Zeitung gewendet.

Informationen erhalte man nur aus der öffentlichen Berichterstattung. „Wir Mieter bitten darum, dass nicht alles über unsere Köpfe hinweg geschieht.“ Die Kontaktaufnahme mit der GWH gestalte sich äußerst schwierig. Um Habseligkeiten aus der Wohnung zu holen, bräuchte man einen Termin vor Ort, dann erscheine aber häufig niemand von den Verantwortlichen.

„Wir fühlen uns im Stich gelassen“, sagt die Mieterin, die nach dem Brand zunächst in einem Hotel gewohnt habe, nun aber in eine günstige Monteurswohnung gezogen sei. Die psychische Belastung durch den Verlust des eigenen Zuhauses komme noch oben drauf. Existenzängste, Heimweh, die ständige Frage „Wann geht es weiter?“ – all das sei kaum auszuhalten. „Vor einer Weile stand in der Zeitung, die GWH wäre überwältigt von all den Spenden, die angefragt wurden. Davon wissen wir gar nichts“, klagt die Mieterin weiter.

Die GWH selbst reagiert auf Anfrage verständnisvoll auf die Sorgen der Mieter, positioniert sich aber gleichzeitig deutlich: „Wir sind uns im Klaren darüber, dass die Situation für die betroffenen Mieter belastend ist“, heißt es. Über Monate in Ausweich- oder Ferienwohnungen, bei Freunden oder Verwandten unterzukommen, bedeute eine große Umstellung für jeden. „Wir verstehen deshalb, wenn Mieter gestresst sind oder langsam die Geduld verlieren, wenn der Eindruck entsteht, es passiere nichts oder zu wenig.“

Gleichzeitig nehme ein Brandschaden dieser Größenordnung Zeit und Kapazitäten in Anspruch, sodass nicht kurzfristig dafür gesorgt werden könne, dass die Wohnungen wieder bewohnbar seien.

Den Vorwurf, nicht erreichbar zu sein, weist die GWH indes von sich. Man könne je nach Anliegen direkt die zuständige Kundenbetreuerin, den Hausmeister, den Techniker, die Kollegen in der Versicherungsabteilung oder die Versicherung des Dachdeckerbetriebs kontaktieren, heißt es. „Rückrufe werden unsererseits immer getätigt“, betont eine Sprecherin der GWH. Die Kollegen bekämen in solchen Fällen Meldungen über Rückrufbitten, allerdings komme es vor, dass diese ins Leere laufen.

„Wir verstehen, dass Mieter verärgert sind“, so die GWH. Tatsächlich müssten im Hintergrund aber viele Dinge geklärt werden, bei einem solchen Großprojekt gebe es immer Phasen, in denen es augenscheinlich nicht vorangehe.

Brand an Albertstraße: Möbelspenden noch nicht nötig

Kurz nach dem Brand im Frühjahr hatten sich einige Menschen bei der GWH gemeldet, weil sie Möbel spenden wollten. „Wir hätten zu diesem Zeitpunkt leider keine Möglichkeit gehabt, diese irgendwo unterzubringen“, heißt es seitens der Gesellschaft. Diejenigen in Ausweichwohnungen hätten ihre Möbel aus der Brandwohnung mitumgezogen und somit keinen Bedarf. Diejenigen in möblierten Ferienwohnungen und bei Freunden hätten sie akut wahrscheinlich auch nicht gebraucht. „Wir haben deshalb auf einen späteren Zeitpunkt verwiesen“. Seither seien die Angebote im Sande verlaufen. Das Thema werde relevant, wenn die Bewohner zurückkehren könnten, so die GWH.

Ersatzwohnungen für Familien in Fritzlar

Drei Familien konnte die GWH im März kurzfristig in leerstehenden Wohnungen in Fritzlar unterbringen – in sogenannten Ausweichwohnungen. Sie zahlen für diese Überbrückungszeit keine Miete. „Leider konnten wir nicht allen Betroffenen eine solche Wohnung anbieten, schlicht deshalb, weil wir zu diesem Zeitpunkt nicht mehr freie Wohnungen in Fritzlar hatten“, sagt die GWH.

Darüber hinaus habe man die Mieter informiert, dass sie wegen der langen Unbewohnbarkeit ein Sonderkündigungsrecht hätten. Die GWH habe angeboten, bei der Suche nach einer neuen Wohnung behilflich zu sein. Es habe zuletzt Besichtigungen gegeben. (Daria Neu)

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