Beide Geräte stark beschädigt - Schwierige Ursachenforschung

Nach Hubschrauber-Absturz in Mali: Zweiter Flugschreiber wurde gefunden

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Der Tiger in Mali: Mittlerweile wurden beide Flugschreiber aus dem abgestürzten Kampfhubschrauber gefunden. 

Gao/Fritzlar. Die Forschung nach der Ursache des Absturzes des Tiger-Hubschraubers in Mali wird schwierig. Beide Flugschreiber wurden nun gefunden, sind aber stark beschädigt.

Aktualisiert: 14.46 Uhr - Dies sagte am Sonntag Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) bei ihrem Besuch des Bundeswehrcamps im malischen Gao. In Deutschland solle versucht werden, die Daten aus den Flugschreibern auszulesen. Die Ministerin sagte den Ermittlern vor Ort ihre volle Unterstützung ohne Zeitdruck zu. Das Untersuchungsteam habe ihre "volle Rückendeckung", um sich die notwendige Zeit für eine sorgfältige Prüfung zu nehmen, sagte von der Leyen in Camp Castor. "Die Experten untersuchen akribisch Millimeter um Millimeter die Absturzstelle." 

Von der Leyen betrachtet den tödlichen Hubschrauber-Absturz von zwei Soldaten in Mali als die schlimmste Erfahrung in ihrer Zeit als Ministerin. "Das war der schwerste Moment für mich, nicht nur als Verteidigungsministerin, sondern in meiner gesamten Zeit als Ministerin über die letzten 14 Jahre", sagte die CDU-Politikerin am Montag. "Man spürt in einem solchen Moment die ganze Wucht der Verantwortung, aber auch die tiefe Trauer, die die Bundeswehr jetzt trägt." Als Verteidigungsministerin fühle sie sich verantwortlich. Dennoch sei die Friedensmission in Mali "eine der wichtigsten, wenn nicht die wichtigste" Mission der Vereinten Nationen. "Es geht um die Stabilität der gesamten Sahelzone."

Von der Leyen: Soldaten waren Fachmänner

Bei den Piloten habe es sich um "hoch kompetente" Fachmänner gehandelt, betonte von der Leyen. Bei ihren Gesprächen mit Soldaten in Mali habe sie "Verärgerung darüber gespürt, dass von außen Zweifel hereingetragen worden sind an der Erfahrung und dem Training der Piloten". Auch Thomas Blum, der Kommandeur der bei dem Hubschrauberabsturz in Mali umgekommenen Soldaten aus Nordhessen, hat Spekulationen über die schlechte Ausbildung scharf zurückgewiesen.

Die Piloten-Gemeinschaft der Bundeswehr hatte nach dem Absturz Kritik an dem Einsatz geübt: Die deutschen Kampfhubschrauber seien nicht ausreichend für den Einsatz in dem Gebiet getestet und den Piloten fehle die vorgeschriebene Routine. 

Der Kampfhubschrauber vom Typ Tiger war am Mittwoch etwa 70 Kilometer nordöstlich von Gao abgestürzt. Dabei sind zwei Soldaten der Bundeswehr ums Leben gekommen. Die beiden stammen aus Nordhessen und waren in der Georg-Friedrich-Kaserne in Fritzlar stationiert. Wie die Bundeswehr am Samstag auf ihrer Internetseite mitteilte, handelt es sich bei den Offizieren um einen 33-jährigen Major und einen 47-jährigen Stabshauptmann. Die Leichen der beiden Soldaten wurden am Samstag nach Deutschland überführt. 

Nach HNA-Informationen handelt es sich bei einem der beiden Soldaten um Jan F. aus Neuental (33). Der andere Soldat - der 47-jährige Stabshauptmann Thomas M. - soll aus Gudensberg stammen. Die Betroffenheit in Fritzlar war nach dem Unglück groß. 

In Köln gab es unter Ausschluss der Öffentlichkeit eine Trauerzeremonie. Auch in Fritzlar ist zum Abschied der beiden getöteten Bundeswehrsoldaten eine Trauerfeier geplant - wann, steht noch nicht fest.

Die Bundeswehr unterstützt in Gao die UN-Mission Minusma, die als einer der gefährlichsten UN-Einsätze weltweit gilt. Ziel ist die Stabilisierung des krisengeschüttelten Landes. Außerdem unterstützt die Bundeswehr eine EU-Ausbildungsmission in Mali. 

Nach Tiger-Absturz: Trauer um verstorbene Kameraden aus Nordhessen in Mali

Verteidigungsministerin reist weiter nach Niger

Nach dem Besuch der deutschen Soldaten in Mali setzt Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) am heutigen Montag ihre Reise durch Westafrika fort. Es stehen politische Gespräche in Niger auf dem Programm. 

Der Niger ist zudem ein wichtiges Transitland für Migranten Richtung Europa. Die Bundesregierung will an die nigrischen Sicherheitskräfte Fahrzeuge und Handys übergeben, um die Regierung im Kampf gegen Islamisten, Schleuser und Schmuggler zu unterstützen. 

Die G5 wurde 2014 ins Leben gerufen. Dabei sind die westafrikanischen Staaten Mauretanien, Mali, Burkina Faso, Niger und der zentralafrikanische Tschad. In der bitterarmen Region sind islamistische Terrormilizen aktiv. Die Bundesregierung will die Region stabilisieren, damit die Sahelzone den Terroristen nicht mehr als sicherer Rückzugsort zur Verfügung steht. Zudem greifen die Islamisten immer wieder die UN-Friedenstruppe in Mali an, die den westafrikanischen Staat stabilisieren soll. (dpa/sib)

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