Gefahr für Bevölkerung

Nach Laserblendung an Piloten in Fritzlar: Experten warnen vor fatalen Folgen

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Auswirkungen hat es nicht nur für die Piloten das Kampfhubschrauberregiments 36 in Fritzlar, sondern auch für Menschen in der Region.

Die Wut und das Unverständnis über den oder die Unbekannten, die vor wenigen Wochen einige Tiger-Piloten während des Fliegens mit einem Laser blendeten, ist noch immer groß.

Und trotzdem: Es ist nicht das erste Mal, dass so etwas passiert. Flugsicherheitsstabsoffizier Rüdiger Wiederhold vom Kampfhubschrauberregiment 36 erklärt, welche fatalen Auswirkungen diese Tat haben kann.

Zwei Piloten seien bei dem jüngsten Vorfall geblendet worden. „Einer von ihnen muss noch immer Angst haben, dass seine Augen für immer beeinträchtigt sind“, sagt Wiederhold. Er weiß, wovon er spricht. Denn der Frielendorfer ist selbst Pilot und wurde ebenfalls vor Jahren geblendet. „Zum Glück habe ich keine bleibenden Schäden davongetragen.“ An das Gefühl könne er sich aber heute noch genau erinnern. „Man erschreckt sich erst einmal total.“

Versuche, nicht in den Laserstrahl zu schauen, scheitern meistens, sagt er. Denn man wolle die Gefahr schließlich dauerhaft im Blick behalten. Umso weniger liege die Konzentration auf dem Fliegen selbst. Und das sei dramatisch – nicht nur für die Piloten, sondern auch für die Bevölkerung. „Natürlich ist es ein Horrorszenario, aber im schlimmsten Fall könnte der Tiger abstürzen, wenn die Piloten nicht mehr in der Lage sind zu fliegen“, warnt Wiederhold. Zwar gebe es eine Lederkonstruktion am Helm, die vor eventuellen Laserstrahlen schützen soll. Aber die zu verwenden, dauere ein paar Sekunden. Abhängig von der Lichtintensität könne dann schon alles zu spät sein.

„Piloten zu blenden – und zwar egal, ob bei der Bundeswehr oder anderorts – ist kein Kavaliersdelikt“, sagtWiederhold. Die Polizei bestätigt: Für den gefährlichen Eingriff in den Luftverkehr droht, abhängig von den Folgen, eine Freiheitsstrafe zwischen sechs Monaten und zehn Jahren.

„Ich möchte den Menschen hier in der Region noch einmal klar machen: Wir fliegen nicht aus Spaß an der Freude“, so der Pilot. Einsatzbereitschaft sei das Stichwort, und dafür sei Übung dringend notwendig. Ein solch leichtsinniges Verhalten sei allerdings auch abseits dessen indiskutabel. „Wer das zu verantworten hat, soll endlich sein Gehirn einschalten.“

Auch Thomas Bork, Augenoptikermeister aus Fritzlar, kennt die dramatischen Auswirkungen von Laserstrahlen auf die Netzhaut. „Die Strahlen sind hochenergetisch“, erklärt er. Damit sei der Blick in einen Laserstrahl sogar noch gefährlicher als ein Blick in die Sonne. „Bei einer Stärke von über einem Mikrowatt kann die Netzhaut geschädigt werden.“

Nicht zugelassene Laser hätten zwischen zwei bis drei Mikrowatt. „Die Schicht im Auge unter den Fotorezeptoren ist sehr temperaturempfindlich“, sagt Bork. Schon etwa eine Viertelsekunde – also ein Lidschlag – reiche aus, um Schäden davonzutragen. Diese könnten bleiben, das Auge könne sich regenerieren – eine Gewissheit gebe es nicht. Es sei pures Glück, ohne Schaden davonzukommen.

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