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Bereit für Nato-Speerspitze: Fritzlarer Heeresflieger sind Teil der schnellen Eingreiftruppe und wurden nun gewürdigt

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Von: Daniel Seeger

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Das Fritzlarer Kampfhubschrauberregiment 36 hat das Fahnenband „Einsatz“ verliehen bekommen. Unser Bild zeigt Soldaten beim Appell.
Das Fritzlarer Kampfhubschrauberregiment 36 hat das Fahnenband „Einsatz“ verliehen bekommen. Unser Bild zeigt Soldaten beim Appell. © Daniel Seeger

Die Fritzlarer Heeresflieger sind seit diesem Jahr Teil der Nato-Speerspitze. Das wurde bei einem Appell gewürdigt. Auch vergangene Einsätze standen im Fokus.

Fritzlar – Wenn die Alarmierung kommt, muss es für die Heeresflieger aus Fritzlar nun besonders schnell gehen. Seit Anfang des Jahres sind sie Teil der Nato-Speerspitze, einem besonders schnellen Eingreifverband des Bündnisses, der in kürzester Zeit für weltweite Einsätze bereit sein muss.

Gestern fand ein Appell in der Georg-Friedrich-Kaserne statt, der zum einen das Verständnis für die besondere Herausforderung schärfen sollte, die die Beteiligung an der Nato-Speerspitze für die Soldaten mit sich bringt. Zum anderen diente der Appell auch dazu, das Regiment für seine bisherigen Einsätze mit dem Fahnenband „Einsatz“ auszuzeichnen, das die Leistungen in Afghanistan und Mali würdigt.

Generalmajor Dirk Faust (links), Kommandeur der Division Schnelle Kräfte, überreichte das Band an Oberst Sönke Schmuck, der das Fritzlarer Regiment befehligt.
Auf dem neuen Fahnenband werden die Einsätze des Regiments aufgezählt. Generalmajor Dirk Faust (links), Kommandeur der Division Schnelle Kräfte, überreichte das Band an Oberst Sönke Schmuck, der das Fritzlarer Regiment befehligt. © Daniel Seeger

Teil der Nato-Speerspitze (Very High Readiness Joint Task Force, VJTF) zu sein, bedeutet für die Soldaten aus Fritzlar, dass sie im gesamten Jahr 2023 innerhalb von nur fünf Tagen bereit sein müssen, in den Einsatz verlegt zu werden. Bereits im vergangenen Jahr waren die Fritzlarer Teil der Schnellen Eingreiftruppe der Nato (Nato Response Force, NRF). Als Teil der NRF mussten die Heeresflieger binnen 30 Tagen einsatzbereit sein.

Das ist ein Appell

Laut Bundeswehr gehören Appelle zum Alltagsdienst der Soldaten – zum Beispiel der Morgenappell. Sie werden aber auch – wie gestern in der Georg-Friedrich-Kaserne in Fritzlar – zu besonderen Anlässen abgehalten. Grundsätzlich gilt: Bei einem Appell treten die Soldaten einer Kompanie, eines Bataillons oder eines Regimentes an, um von ihren Vorgesetzten Informationen oder Befehle zu erhalten. Alle grundlegenden Elemente des militärischen Lebens sind auch Teil des Appells: militärisches Grüßen, Marschieren, Antreten und Melden. 

Fritzlarer leiten Verband der Hubschrauber für die Nato-Speerspitze

Beim Thema Hubschrauber in der Nato-Speerspitze laufen die Fäden nun in Fritzlar zusammen. Unter Federführung des Kampfhubschrauberregiments 36 wurde erstmalig ein gemeinsamer Verband aus vier Kampfhubschraubern sowie weiteren Transporthubschraubern aufgestellt, der die Panzergrenadierbrigade 37 aus Sachsen bei ihren Aufgaben unterstützten soll. Der Fritzlarer Kommandeur Oberst Sönke Schmuck hob in seiner Rede beim Appell hervor, dass das Regiment drei Jahre intensiver Vorbereitung unter widrigsten Bedingungen hinter sich habe. „Wir können und wollen unseren Auftrag in der Nato erfüllen und ich sehe uns einsatzbereit“, so Schmuck weiter.

Eine besondere Belastung ist die Zugehörigkeit zur Nato-Speerspitze, wie Brigadegeneral Ulrich Ott, Chef des Kommando Hubschrauber, in seiner Rede an die Soldaten betonte. „Nie war die Wahrscheinlichkeit höher, dass Sie abgerufen werden, um die Fähigkeiten der Nato zu demonstrieren“, sagte er mit Blick auf die derzeitige sicherheitspolitische Lage. Ott würdigte die „extrem harte Zeit der Belastung“, die die Zugehörigkeit zur Nato-Speerspitze für die Soldaten mit sich bringe.

Generalmajor Dirk Faust mit militärischem Gruß.
Generalmajor Dirk Faust mit militärischem Gruß. © Daniel Seeger

Generalmajor Dirk Faust, der Kommandeur der Division Schnelle Kräfte, würdigte die Leistungen der Fritzlarer Heeresflieger in vergangenen Einsätzen und überreichte in einer Zeremonie das Fahnenband „Einsatz“ an das Regiment aus der Dom- und Kaiserstadt. Die Tradition der Fahnenbänder reiche bis zum preußischen Militär zurück, erläuterte der General in seiner Rede.

Fritzlarer Heeresflieger geehrt: Fahnenband wirkt „traditions- und identitätsstiftend“

Die Erinnerung an Einsätze werde zum einen durch die Soldaten selbst am Leben gehalten, zum Beispiel durch Bilder oder Erinnerungsstücke auf den Stuben und Gängen. Zum anderen erinnere man in Publikationen an die Einsätze. „Das ist zu wenig“, so Faust. Daher habe die Bundeswehr beschlossen, das Fahnenband „Einsatz“ zu verleihen. „Es wirkt über Generationen hinweg traditions- und identitätsstiftend“, sagte Faust, bevor er das Band gemeinsam mit Oberst Sönke Schmuck an der Fahne befestigt.

Die Einsätze der Fritzlarer Heeresflieger

Der erste eigene Einsatz der Fritzlarer Heeresflieger war die Stabilisierungsmission SFOR in Bosnien. In der Zeit von 2001 bis 2002 waren sie dort noch nicht mit dem Tiger, sondern mit dem Hubschrauber Bo 105 im Einsatz. Danach folgte der ISAF-Einsatz in Afghanistan von 2012-2014, für den die Tiger-Hubschrauber aufgerüstet wurden. Für die UN-Mission MINUSMA waren die Fritzlarer von 2017 bis 2018 in Mali. Bei dieser Mission stürzte ein Tiger ab, zwei Soldaten starben.

Zu Gast ist auch der Bundestagsabgeordnete Armin Schwarz (CDU), der Mitglied des Verteidigungsausschusses ist. Die Fritzlarer Soldaten seien Teil der glaubhaften Abschreckung gegen den Aggressor Putin, betont er.

Angetreten: Die Soldaten vom Kampfhubschrauberregiment 36 beim Appell.
Angetreten: Die Soldaten vom Kampfhubschrauberregiment 36 beim Appell. © Daniel Seeger

Damit die Heeresflieger der Bundeswehr überhaupt Teil der Nato-Speerspitze werden konnten, benötigten sie eine Zertifizierung der Nato. Die Fritzlarer haben diese bei der Übung „Green Griffin“ (Grüner Greif) in der Lüneburger Heide im September und Oktober 2021 erhalten. (Daniel Seeger)

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