Mini-Besucher aus der Hecke

Naturschützer findet seltene Haselmaus in Fritzlar

Markus Sarrazin hält eine kleine Haselmaus in seinen Händen.
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Großes Glück mit kleinem Tier: Markus Sarrazin aus Fritzlar hat in seiner Hecke eine Haselmaus entdeckt.

Markus Sarrazin aus Fritzlar ist rundum glücklich: Beim Heckenschneiden in seinem Garten ist ihm eine Haselmaus entgegengerollt.

Fritzlar - Der Forstbeamte und Naturschützer hat in den vergangenen Jahren Nistplätze für die bedrohte Tierart in der Gegend rund um den Eckerich in Fritzlar angebracht. Dass es sich ein Exemplar in der Hecke in seinem Garten heimisch gemacht hat, überrascht ihn dennoch. Damit hatte er nicht gerechnet.

Dies weise darauf hin, dass sich im an sein Grundstück angrenzenden Park Reuter eine größere Population befindet. „Denn wo eine Haselmaus ist, da gibt es mehrere“, sagt er. Er habe daher auch die Obere Naturschutzbehörde des Landkreises über das Vorhandensein einer Population Haselmäuse in dem Park in Kenntnis gesetzt.

Haselmäuse leben in Hecken und davon gebe es in dem Park jede Menge, sagt der Forstbeamte, der als Teamleiter im Naturpark Kellerwald-Edersee arbeitet und in Fritzlar unterhalb des Eckerich wohnt.

Der Berg am Fritzlarer Stadtrand ist Fauna-Flora-Habitat-Schutzgebiet (FFH), weshalb Sarrazin dort auch Nistkästen für die Haselmaus anbrachte. „Wer helfen möchte, das Überleben dieser Art zu sichern, kann solche Kästen als mögliche Lebensräume bauen und aufhängen“, sagt er. In den speziellen Kästen mit eigens konzipierten Eingängen seien sie relativ sicher vor möglichen Feinden. Im vergangenen Jahr hat er auf der zu Geismar hin gelegenen Seite des Naturschutzgebietes drei junge Haselmäuse entdeckt.

Der 53-Jährige hat eine Schwäche für die bedrohten Tiere. In den 90er-Jahren habe er als Praktikant im Forst in Bad Wildungen auch durch Zufall eine Haselmaus bei der Arbeit entdeckt. „Ich finde sie einfach putzig“, sagt er. Mit Fachliteratur bildete er sich weiter, fertigte spezielle Nistkästen an und brachte sie an.

Als er das Tier in seinem Garten fand, war es in einem für die Art typischen Kugelnest aus der Hecke gerollt. „Haselmäuse halten einen Winterschlaf“, erzählt Sarrazin. Wenn es kalt im Herbst kalt wird, rollen sie sich zusammen und fahren den Puls herunter und schlafen. So hat er das Tier dann auch in einem eigens mit Laub gefüllten Nistkasten untergebracht zur Überwinterung. Es soll aber wieder ausgesetzt werden. Da es Anfang November wieder wärmer wurde, war das kleine Tierchen aufgewacht und zeigte sich possierlich fürs Foto.

Die Haselmaus gehört nicht zu der Gruppe der Mäuse, sondern der Bilche, sagt Markus Sarrazin. Sie haben laut FFH-Artenschutzrichtlinie den höchsten Schutzstatus. Ihr Vorkommen sei sehr selten. Die Tiere haben einen buschigen Schwanz, der etwa die Hälfte ihrer Körperlänge beträgt. Die Haselmaus wird bis zu 15 Zentimeter lang, wiegt 15 bis 40 Gramm und hat ein goldbraunes Fell. 2017 wählte sie die deutsche Wildtierstiftung zum Tier des Jahres, weil der Lebensraum zunehmend fehlt.

Das Nagetier lebt in Hecken und baut sich dort die typischen runden Nester. Es kann bis zu sechs Jahre alt werden und wirft zwei bis dreimal im Jahr zwei bis fünf Junge. Haselmäuse leben meist in Verbänden, aber in einzelnen Revieren. Sie können tagsüber in einen Energiesparmodus, den man Torpor nennt, verfallen. Die Tiere ernähren sich von Haselnüssen, Brombeeren oder Eibenfrüchten und anderen Beeren. Haselmäuse sind nachtaktiv. Zu ihren Feinden zählen Füchse, Wiesel, Eulen oder Greifvögel. In Wohngebieten sind auch Katzen ihre Jäger, sagt Sarrazin. (Christine Thiery)

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