Nepomuks Wunden heilen

Restauratorinnen arbeiten am Altaraufsatz in Fritzlarer Stadtkirche

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Viele Schrauben: Diplomrestauratorin Beate Demolt (rechts) und Restauratorin Silvia Behle bei der Arbeit in der evangelischen Stadtkirche in Fritzlar. Immer wieder müssen sie dabei Schrauben aus den Figuren entfernen.

Fritzlar. Fehlende Finger und schmutzige Füße, das sind Dinge, die Laien beim Betrachten des Nepomuk-Altaraufsatzes in der evangelischen Stadtkirche in Fritzlar als Schäden ausmachen. Doch sind das längst nicht alle Beschädigungen, die Beate Demolt entdeckt hat.

Die Diplomrestauratorin ist seit einigen Wochen dabei, den Zustand des Aufsatzes zu stabilisieren.

Behutsam fährt sie mit dem Finger, der in einem Gummihandschuh steckt, über die Wunden. Beate Demolt erfühlt förmlich, was dem himmlischen Boten fehlt. Gemeinsam mit ihrer Kollegin Silvia Behle arbeitet sie sich Zentimeter für Zentimeter vor, um die hölzernen Figuren des Nepomuk-Altaraufsatzes in der Fritzlarer Stadtkirche vom Staub der vergangenen Jahrzehnte zu befreien und die in den 80er Jahren aufgebrachte, minderwertige Farbe zu entfernen.

Mit selbst gedrehten Wattestäbchen und Pinseln gehen sie nach dem immer gleichen Muster vor: „Festigen, reinigen, freilegen“. Um die oberste Farbschicht abzunehmen, muss erst mal die darunter liegende Schicht gefestigt werden. „Das ist wie beim Abschminken“, sagt Behle.

Allerdings schminken sie Nepomuk, Elisabeth und Co. mit selbst hergestellten und auf das Holz abgestimmten Lösungsmitteln ab. Dabei treffen moderne wissenschaftliche Methoden auf historische Schätze.

Ihre Arbeit sei immer wieder anders und speziell, erklärt Demolt. In der Fritzlarer Kirche sei es sehr hell und warm, das Holz somit sehr trocken. Das mache das Anleimen abgebrochener Teile schwieriger.

Typische Handbewegung: Silvia Behle dreht ein Wattestäbchen für die Reinigung.

In der Stadtkirche kamen die freiberuflichen Restauratorinnen bei ihrer Arbeit dem Himmel ganz nah: Unter einem Holzhintergrund, der vorher dunkelgrau war, kam nach der Reinigung ein helles Blau samt Sternen zum Vorschein. Weniger himmlisch geht es gerade bei Behle zu. Sie säubert gerade die Füße der Heiligen Elisabeth. „Wir haben meistens mehrere Baustellen“, erklärt die 33-Jährige mit Blick auf den acht Meter hohen und vier Meter breiten Aufsatz. Während das Lösungsmittel am Fuß einwirke, könne sie an einer anderen Stelle weitermachen. An einem Kopf arbeiten sie etwa einen Tag. Bis ein ganzer Arbeitsschritt an einer Figur fertig ist, dauert es etwa eine Woche. Dann geht es von vorne los.

Immer wieder stoßen sie auf Schrauben. Viele davon stecken im Holz. Das hat zu Schäden geführt. „Da hätte ich mir mehr Feingefühl gewünscht“, sagt Demolt. Dann wäre der Zustand des Altaraufsatzes wesentlich besser.

Die Restauratorinnen sind bei ihrer Arbeit nicht nur geduldig, sie sind auch schwindelfrei und sportlich. „Wir hängen manchmal quer unter den Figuren“, sagt Behle. Wenn einer der Heiligen ein Buch in den Händen halte, müsse dieses auch von unten gereinigt werden.

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