Eröffnungsfeier am 22. Mai im Hardehäuser Hof

Neuer Kinder- und Jugendhospizdienst in Fritzlar sucht Ehrenamtliche

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Zeit mit den Kindern verbringen, mit ihnen spielen oder etwas vorlesen: Das sind Aufgaben, welche die Ehrenamtlichen beim Ambulanten Kinder- und Jugendhospizdienst übernehmen.

Sie begleiten Familien von der Diagnose bis über den Tod des Kindes hinaus. Doch wie werden die Ehrenamtlichen auf diese wichtige Aufgabe vorbereitet?

Der Ambulante Kinder- und Jugendhospizdienst ist jetzt auch in Fritzlar vertreten. Der Verein sucht Ehrenamtliche, die Familien mit schwer erkrankten Kindern begleiten. Wir sprachen mit der Koordinatorin Birgitta Priester über die Aufgabe, Lebensfreude und die Begleitung über den Tod hinaus.

Wie kommt man als Ehrenamtlicher dazu, sich mit Tod und Trauer auseinanderzusetzen?

Bei uns geht es zu allererst nicht um den Tod, sondern um das Leben. Die Kinder sind zwar lebensverkürzend erkrankt, aber sie wollen leben. Wir begleiten sie dabei mit viel Freude und Spaß. Wir dürfen einfach da sein und Zeit schenken.

Welche Aufgaben übernehmen die Ehrenamtlichen?

Das ist ganz unterschiedlich. Die einen spielen mit dem erkrankten Kind, hören Musik oder lesen etwas vor. Die anderen kümmern sich um das Geschwisterkind. Manchmal geht es auch einfach nur darum, zuzuhören. Die Ehrenamtlichen sind Ansprechpartner für alle Belange. Die Familien und das Kind entscheiden, was gemacht wird.

Mit welcher Einstellung gehen Sie in die Familien?

Wenn ein Kind auf die Welt kommt, das lebensverkürzend erkrankt ist, ist es für die Eltern zunächst ein Weltuntergang. Die einen können es besser annehmen, andere Familien benötigen mehr Zeit. Aber wir bewerten das nicht, wir gehen ohne Vorurteile in die Familien.

Wie werden Ehrenamtliche auf diese Aufgabe vorbereitet?

Sie absolvieren einen Befähigungskurs über 80 Stunden Grundkurs und 24 Stunden Aufbaukurs.

Worum geht es in den Kursen?

Es geht unter anderem um den Umgang mit erkrankten Kindern sowie Distanz und Nähe. Bevor die Teilnehmer in die Familien gehen, setzen sie sich auch mit der eigenen Endlichkeit auseinander.

Das fällt vermutlich vielen schwer...

Richtig. Aber das ist wichtig. Das müssen wir machen, bevor wir in die Familien gehen, die sich permanent mit der Endlichkeit auseinandersetzen müssen. Es geht auch um Trauer als menschliche Erfahrung und kindliche Todesvorstellungen. Was geht in einem erkrankten Kind vor? Wie geht ein Geschwisterkind damit um, dass seine Schwester oder sein Bruder sterben wird?

Inwiefern begegnen die Ehrenamtlichen dem Thema Tod in den Familien?

Der Tod und die Trauer sind nicht ständig präsent. Wir begleiten Kinder, die möglicherweise früher sterben. Aber in dem Moment, in dem wir da sind, wollen sie leben. Da wird gelacht, da wird gespielt. Alles, was die Kinder können. Die Familien möchten ganz normalen Alltag leben. Sie möchten nicht bemitleidet werden.

Was ist der Unterschied zwischen der Begleitung von schwerkranken Erwachsenen und Kindern?

Bei den Kindern kommt noch ganz viel Lebensfreude raus. Die wollen leben. Sie genießen den Augenblick. Das haben wir Erwachsene verlernt. Bei den Kindern kann man einfach mitlachen und sich mitfreuen.

Was macht die Begleitung mit den Familien?

Die Familien bekommen durch die Begleitung vermittelt: Wir sind und bleiben an eurer Seite, wir interessieren uns für euch, für euer Kind. Das stärkt die ganze Familie.

Welche Menschen suchen Sie für das Ehrenamt?

Wir suchen Menschen mitten aus der Gesellschaft. Wer sich engagieren möchte, braucht keine Vorkenntnisse. Die Ehrenamtlichen sollten nur einmal in der Woche drei bis vier Stunden für die Familie und einmal im Monat eineinhalb Stunden Zeit für das Praxisbegleittreffen oder die Supervision haben.

Wie finden die Ehrenamtlichen und die Familien zusammen?

Wenn sich die Familien bei uns melden, sprechen wir Koordinatoren mit ihnen. Wir fragen: Wie ist das Kind erkrankt? Hat es Geschwisterkinder? Wie ist das Familiensystem? Ist ein Elternteil alleinerziehend? Dann gucken wir, welcher Ehrenamtliche in die Familie passen könnte. Beim ersten Treffen geht ein Koordinator mit. Wenn es nicht passt, schauen wir, ob ein anderer Ehrenamtlicher noch besser geeignet ist.

Wie werden die Ehrenamtlichen bei ihrer Arbeit begleitet?

Die Ehrenamtlichen und Koordinatoren treffen sich viermal im Jahr zur Supervision und einmal im Monat zum Praxisbegleittreffen. Sie tauschen sich über ihre Erfahrungen aus. Dann können sie auch mal fragen: Wie bist du damit umgegangen? Allein darüber zu reden, ist für viele sehr hilfreich. Aber alles, was in der Gruppe besprochen wird, bleibt auch dort. Diesen Grundsatz haben die Ehrenamtlichen unterschrieben und daran halten sie sich.

Ab wann begleiten die Ehrenamtlichen die Familien?

Wir begleiten ab der Diagnose und so lange die Eltern uns als Gesprächspartner möchten – auch über den Tod hinaus. Oft sind wir Ehrenamtlichen nach einem halben Jahr die einzigen, die noch mit der Familie über das Kind reden möchten, die an den Geburtstag des Kindes und den Todestag denken.

Informationsabend zum Ehrenamt am 26. Juni 

Für Kassel und Umgebung gibt es seit 2006 einen ambulanten Kinder- und Jugendhospizdienst. Seit Anfang des Jahres hat der Verein auch einen Standort in Fritzlar. Von dort werden Familien im Schwalm-Eder-Kreis und Waldeck-Frankenberg begleitet. Die Eröffnungsfeier findet am Mittwoch, 22. Mai, ab 16 Uhr im Hardehäuser Hof statt. 

Für den Standort Fritzlar werden noch Ehrenamtliche gesucht. Nächster Infoabend ist am Mittwoch, 26. Juni, ab 18.30 Uhr im Gesundheitszentrum. Kontakt: Tel. 0 56 22/9 19 49 90, Mail: fritzlar@deutscher-kinderhospizverein.de.

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