Stadtmarketing erhält 35 000 Euro – Fritzlar verhandelt mit Edersee-Marketing

Fritzlar: Nur Übergangslösung für Tourismus

Blick auf die historische Altstadt Fritzlars.
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Beliebtes Touristenziel: Fritzlar zählt mit seiner historischen Altstadt laut GEO-Magazin zu den schönsten Fachwerkstädten Deutschlands.

Nach einer teils emotional geführten Debatte in der jüngsten Stadtverordnetenversammlung steht fest: Die Stadt Fritzlar wird nun doch Dienstleitungen der Edersee-Marketing GmbH in Anspruch nehmen – zumindest indirekt.

Fritzlar – Nachdem sich die Stadtverordnetenversammlung zuvor mit der Mehrheit der Koalitionsfraktionen (SPD, Freie Wähler und Grüne) mehrfach gegen eine Geschäftsbeziehung mit dem Unternehmen ausgesprochen hatte, folgte nun ein einstimmiges Votum für eine Übergangslösung.

Der von der Koalition eingebrachte Antrag sieht vor, dass der Magistrat der Stadt Fritzlar Verhandlungen mit der Edersee-Marketing GmbH und ihren Gesellschaftern aufnehmen soll. Ziel dieser Verhandlungen ist laut Antragstext, die Stadt als gleichberechtigte Partnerin zu etablieren.

„Klar ist, dass die Verhandlungen ergebnisoffen geführt werden müssen“, betonte der SPD-Fraktionsvorsitzende Mario Jung. Von einer vollwertigen Mitgliedschaft mit Kosten von bis zu 175 000 Euro bis zu einem Scheitern der Verhandlungen sind somit viele Szenarien denkbar. Ausdrückliches Ziel sei es, das touristische Angebot auszubauen. Jung: „Der Status quo ist zu wenig.“

Fritzlar: Arbeitsgruppe soll Verhandlungen begleiten

Weiterhin sieht der Antrag der Koalition vor, dass eine Arbeitsgruppe, bestehend aus Vertretern aller Parteien der Fritzlarer Stadtverordnetenversammlung, drei Vertretern des Stadtmarketings Fritzlar sowie der Ersten Stadträtin und Bürgermeister Hartmut Spogat (CDU) gebildet wird. Diese soll die Verhandlungen mit der Edersee Marketing GmbH intern begleiten.

Solange die Verhandlungen andauern, wird die Stadt dem Stadtmarketing-Verein jährlich eine Summe von 37 500 Euro zur Verfügung stellen. Das entspricht dem Betrag, den die Stadt als Kundin der Edersee Marketing GmbH gezahlt hätte. Anstelle der Stadt Fritzlar wird nun übergangsweise der Stadtmarketing-Verein Kunde der Edersee Marketing GmbH.

Eine befristete Mitgliedschaft der Stadt hatte Bürgermeister Hartmut Spogat (CDU) im September in der Stadtverordnetenversammlung beantragt, was aber von den Koalitionsfraktionen abgelehnt wurde.

CDU Fritzlar wirft Koalition „Kehrtwende“ vor

Die CDU sprach in der Diskussion über den Antrag in der jüngsten Sitzung nun von eine „Kehrtwende“ der Koalitionsfraktionen. Ingmar Theiß, stellvertretender Vorsitzender der CDU-Fraktion, betonte, dass das Vorgehen der Koalition für große Verunsicherung unter den Geschäftsleuten gesorgt habe. Auch Fraktionskollege Martin Hannappel kritisierte die Koalition: „Sie haben zweimal mit der Verlässlichkeit der Stadt gespielt.“ Den schlechten Beigeschmack in der Öffentlichkeit hätte man sich, so Hannappel, ersparen können.

Dr. Christoph Pohl (Freie Wähler) widersprach der Darstellung der CDU, wonach die Koalition nun eine Kehrtwende vollziehe. Vielmehr sei die Option eines Beitritts zuvor nicht in Betracht gezogen worden. Mit dem eingebrachten Antrag wolle man eine Überbrückungslösung für die Zeit der Verhandlungen schaffen. „Wieso sollte die Stadt Kundin des Edersee- Marketings werden, wenn man uns nicht als gleichberechtigten Partner haben will?“, sagte Pohl weiter. Von einer Kehrtwende könne auch laut SPD-Mann Jung keine Rede sein. Vielmehr gehe es darum, eine Übergangslösung zu schaffen.

„Wenn wir nicht gleichberechtigt behandelt werden und überprüfbare Leistungen zu fairen Preisen bekommen, dann machen wir etwas Eigenes“, so Jung. Auch die im Fritzlarer Stadtmarketing organisierten Kaufleute würden eine solche Lösung mittragen.

„Ich habe mich über den Ablauf sehr geärgert“, sagte Dr. Baschar Malek (FDP). Außerdem stellte Vertreter der Freien Demokraten die Frage nach einem Plan B. „Ich bin ein bisschen skeptisch, ob das alles so gut geht“, so Malek weiter.

Von Daniel Seeger

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