Frau nahm 40 Kilo ab

Ohne Trennkost und Suppe: Neuentalerin leitet Adipositas-Selbsthilfegruppe

Daniela Heinmöller steht auf dem Fritzlarer Marktplatz, umgeben von Fachwerkbauten.
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Mit Schwung, neugewonnenem Selbstbewusstsein und 40 Kilo leichter durchs Leben: Daniela Heinmöller will mit der Adipositas-Selbsthilfegruppe Schwalm-Eder anderen Menschen dabei helfen, die Panoramastraße hin zu einem Leben ohne Jojo-Effekt zu finden.

Weight Watchers, Trennkost, Kohlsuppe. Daniela Heinmöller hat wohl alle Diäten ausprobiert, die der Markt hergibt. Viele sogar mit Erfolg, doch der war immer nur von kurzer Dauer. Ende 2016 fasste die zweifache Mutter allen Mut zusammen und entschloss sich, ihren Magen verkleinern zu lassen.

Fritzlar/Neuental - Sie hatte genug von Kilokampf und Jojo-Effekt, von herablassenden Blicken und regelrechtem Mobbing, das sie viele Jahre ertragen musste. „Ich habe mich immer mehr zurückgezogen, fühlte mich grundsätzlich von anderen beobachtet und beäugt“, erinnert sie sich an eine Zeit, in der sie lieber zuhause auf dem Sofa saß, als sich den Blicken anderer auszusetzen.

„Eine Operation war eigentlich nie ein Thema für mich, doch als der Leidensdruck immer größer wurde und ein Kollege mir von der Operationsmethode berichtete, die am Fritzlarer Krankenhaus praktiziert wird, wurde ich neugierig“, so die 48-Jährige, die froh und überglücklich ist, sich gegen weitere aussichtslose Schlankheitskuren und für die Radikal-OP entschieden zu haben.

„Ich kann nicht mehr wie früher zu viel essen, eine normale Portion, dann ist Schluss“, sagt die Neuentalerin, die zwar noch immer leidenschaftlich gern isst, nur eben in Maßen.

Sie habe neu gelernt, zu genießen, anders zu genießen – und dafür reichen ihr heute eben auch kleinere Portionen. War es früher der große Flammkuchen, ist es heute maximal ein halber, in den meisten Fällen sogar nur ein Viertel.

„Bei mir ging es am Ende wirklich auf die Gesundheit, und wenn die Waage ins Ungleichgewicht kommt zwischen Wohlbefinden und Leiden, dann sollte man massiv etwas dagegen tun.“

Je nachdem, wie groß dieses Ungleichgewicht ist, schaffe man es vielleicht aus eigenem Antrieb und mit viel Disziplin, oder eben nicht, dann brauche es andere, vielleicht auch radikalere Methoden wie eine Operation, so Heinmöller, der es heute ein wichtiges Anliegen ist, anderen Menschen bei ihren Gewichtsproblemen zu helfen. Deshalb engagiert sie sich in der Adipositas-Selbsthilfegruppe Schwalm-Eder, die einst auch ihr selbst eine wichtige Stütze war.

„Mir ist es nicht fremd, wie schlecht es einem gehen kann, wenn man mit seinem Gewicht kreuzunglücklich und der Leidensdruck nicht nur auf körperlicher, sondern auch auf seelischer Ebene kaum auszuhalten ist“, so die 48-Jährige, die von anderen gern mal als „das fette Tier“ oder „das hässliche Stück“ bezeichnet wurde. „Das sitzt noch heute tief“, sagt sie und möchte auch deshalb anderen helfen, aus ihrem Dilemma herauszukommen“.

Ihre Unterstützung vergleicht sie gern mit der Planung einer Autofahrt: „Es gibt den kürzesten Weg, die Panoramastraße und die schnellste Verbindung, wir als Gruppe empfehlen niemals die kürzeste Strecke, aber verschiedene Panoramastraßen“, berichtet Heinmöller.

Diesen einen Idealweg eben gebe es nicht, es müsse individuell hingeschaut werden, und dabei könne jeder von den persönlichen Erfahrungen des anderen profitieren, sagt sie aus Überzeugung und ist froh, dass die Selbsthilfegruppe längst weit über die eigentlichen Treffen hinaus geht.

„Wir haben beispielsweise eine Nordic-Walking-Laufgruppe gegründet, denn Bewegung gehört einfach dazu, um langfristig sein Gewicht halten zu können“, sagt Daniela Heinmöller, die heute wieder glücklich und im wahrsten Sinne des Wortes leichter durch das Leben geht. Genauer gesagt gut 40 Kilo leichter – und das inzwischen ganz ohne Weight Watchers, Trennkost und Kohlsuppe.

Selbsthilfegruppe: Mit Rat und Tat zur Seite stehen

Die Adipositas-Selbsthilfegruppe Schwalm-Eder wird geleitet von Daniela Heinmöller aus Neuental, Heike Weinrich aus Fritzlar und Ilka Baar aus Felsberg, die aufgrund ihrer eigenen Erfahrungen in vielen Fragen zum Thema Adipositas anderen Betroffenen mit Rat und Tat zur Seite stehen können. Fachlich beraten und unterstützt werden sie dabei von den Ärzten des Hospitals Zum Heiligen Geist in Fritzlar, zertifiziert als Kompetenzzentrum für Adipositas- und metabolische Chirurgie, außerdem besteht ein reger Kontakt zu verschiedenen Ernährungsberaterinnen aus dem Schwalm-Eder-Kreis. Das Einzugsgebiet der Selbsthilfegruppe, die sich regelmäßig in Fritzlar und im Internet trifft, erstreckt sich über den kompletten Landkreis und darüber hinaus. (Sascha Hoffmann)

adipositas-shg-schwalm-eder.de

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