Kein langes Parken mehr für umsonst?

Parkplatz am Hohlen Graben birgt Zündstoff: Koalition schlägt komplette Neuordnung in Fritzlar vor

Rund zwei Millionen Euro hat die Stadt in die Hand genommen, um den Parkplatz am Hohlen Graben bauen zu lassen.
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Rund zwei Millionen Euro hat die Stadt in die Hand genommen, um den Parkplatz am Hohlen Graben bauen zu lassen.

Kaum ein Thema ist in Fritzlar so emotional behaftet wie der rare Parkraum innerhalb der Stadt. Mit dem Kauf der etwa 4000 Quadratmeter großen Fläche am Hohlen Graben, auf der schon Ende dieses Jahres 120 Parkplätze bereit stehen sollen, hatte die Stadt für Entspannung sorgen wollen. Nun aber mischt sich ein bitterer Beigeschmack in die Vorfreude.

Die Fritzlarer Koalition aus SPD, Grünen und Freien Wählern kommt eine Woche vor der Stadtverordnetenversammlung mit einem potenziell konfliktreichen Vorstoß in die Ausschusssitzungen.

Die Mehrheits-Fraktionen schlagen eine komplette Neuordnung der Parkraumbewirtschaftung in der Innenstadt vor. Kein Parkplatz soll demnach komplett kostenlos bleiben. Vielmehr sollen Anwohner weiterhin 30 Euro pro Jahr zahlen, das Parken bis vier Stunden kostet je angefangene Stunde einen Euro, für ein Tagesticket sollen Autofahrer sieben Euro zahlen. Beschäftigte und Dauerparker können laut Antrag einen Platz für 40 Euro pro Monat beziehungsweise für 400 Euro im Jahr mieten. Kostenfreies Parken mit Parkscheibe für 30 Minuten soll nach Angaben der Koalition nur noch am Dr.-Jestädt-Platz möglich sein, um kurze Erledigungen vornehmen zu können.

Nicht jede Fläche in der Stadt ist für jede Zielgruppe gedacht. Der neue Parkplatz am Hohlen Graben beispielsweise ist in einer Skizze als Misch-Fläche eingezeichnet: Beschäftigte, Dauerparker und Tagesticket-Nutzer – so schlagen es SPD, Grüne und Freie Wähler vor. Das Gesamtkonzept sei ein Vorschlag, bei dem die Koalition durchaus kompromissbereit sei, sagt der SPD-Fraktionsvorsitzende Mario Jung. „Für die Anwohner bedeutet unser Vorschlag eine Verbesserung.“ Laut Jung gilt die Faustformel: „Je länger ich mich in der Stadt aufhalte, desto länger wird der Weg, den ich in Kauf nehmen muss.“ Ziel sei es, den Durchgangsverkehr weitestgehend aus der Altstadt herauszuhalten. Auch mit Blick auf den „auf Kante genähten“ Haushaltsplan, der die Fritzlarer im nächsten Jahr erwarte, sei diese Gebührenordnung für eine solch teure Parkfläche eine sinnvolle Lösung.

„Befremden und Verärgerung“ hingegen löse der Antrag hingegen bei der Opposition aus. Michael Schär und Ingmar Theiß können es nicht fassen: „Das ist Verrat an unserer Politik.“ Das Ziel sei es seinerzeit gewesen, kostenfreie Parkplätze zur Verfügung zu stellen. Vor allem die großen Flächen an der Stadthalle, rund um den Grauen Turm und nun eben auch der Hohle Graben müssten dringend für Entzerrung der angespannten Parksituation in der Domstadt sorgen.

„Es gab einen völlig anderen Ansatz“, sagt Schär. Für ihn stehe fest: Man wolle die Autofahrer mit dieser Lösung verprellen. „Fritzlar boomt. Wir sind eine Einkaufsstadt – da muss man den Menschen attraktive Möglichkeiten bieten, wo man das Auto abstellen kann.“ Gerade in Zeiten von Corona sei es zudem unverständlich, ergänzt Theiß, dermaßen den Fritzlarer Einzelhandel abzuhängen. „Wir sehen an dieser Stelle den politischen Einfluss der Grünen.“ Schär fragt: „Wo ist die Begründung für diesen Antrag?“ Man habe Entlastung gewollt, nun sei das Gegenteil herausgekommen.

In der Haupt- und Finanz-Ausschusssitzung haben sich die Fraktionen geeinigt, den Tagesordnungspunkt nicht in der kommenden Stadtverordnetensitzung final zu beschließen, sondern ihn in einer Arbeitsgruppe weiter zu bearbeiten und im neuen Jahr anzugehen. Ob das Entspannung bringt, wird sich zeigen. (Daria Neu)

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