Prüfverfahren zu Doktorarbeit bisher ohne Ergebnis

Falsche Ärztin sitzt nach Tod von Patienten immer noch in Untersuchungshaft - Plagiatsverfahren läuft

Meike W.
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Meike W.

Seit knapp einem Jahr sitzt die falsche Ärztin Meike W., die für den Tod von fünf Menschen verantwortlich sein soll, in Untersuchungshaft. 

Kassel/Fritzlar – Neben den fünf Todesfällen sind 16 Behandlungsfälle, in denen Gesundheitsschäden eingetreten sein sollen, weitere schwerwiegende Anschuldigungen. Am Landgericht Kassel soll in den nächsten Wochen über die Eröffnung eines Hauptverfahrens entschieden werden. Die Staatsanwaltschaft Kassel hatte im Mai Anklage erhoben. Neben den Delikten des Mordes, gefährlicher Körperverletzung und Verstoßes gegen das Heilpraktikergesetz hat sich die Beschuldigte auch wegen des Verdachts des gewerbsmäßigen Betruges in drei Fällen, Urkundenfälschung in fünf Fällen und Missbrauchs von Titeln und Berufsbezeichnungen in neun Fällen zu verantworten. Laut Dr. Christian Springmann, Vorsitzender Richter am Landgericht, befindet sich das Verfahren derzeit noch immer im Zwischenverfahren.

Jenseits der strafrechtlichen Vorwürfe läuft an der Uni Kassel ein Plagiatsverfahren gegen die 49-Jährige. Dort hatte Meike W. 2007 einen Doktortitel in Biochemie erhalten. Nach einem HNA-Bericht im vergangenen November, wonach in der Dissertation an vielen Stellen abgeschrieben und gegen wissenschaftliche Standards verstoßen wurde, hatte der zuständige Promotionsausschuss des Fachbereichs ein Prüfverfahren gestartet.

Fast ein Jahr später sind an der Hochschule erste Stimmen zu hören, ob das Plagiat überhaupt ernsthaft verfolgt werde. Auf Nachfrage der HNA teilte ein Uni-Sprecher mit, dass die „Vorarbeiten zur wissenschaftlichen Überprüfung“ in der ersten Jahreshälfte abgeschlossen worden seien. Meike W. habe nun Gelegenheit zur Stellungnahme. Wann das Verfahren abgeschlossen werde, sei offen, so der Uni-Sprecher. „Auch zu Inhalt und Ergebnis können wir bei einem laufenden Verfahren und wegen des Datenschutzes keine Aussagen treffen.“

In der Doktorarbeit hatte sich Meike W. mit Biomarkern zur Früherkennung von Krebs beschäftigt. Neben den Vorwürfen, dass sie im theoretischen Teil abgeschrieben und Quellen nicht kenntlich gemacht haben soll, wird in dem Plagiatsverfahren auch der experimentelle Teil der Arbeit überprüft. Dafür hatte die Doktorandin in der Pathologie des Klinikums Gewebeproben untersucht.

Meike W. hatte in Kassel als Heilpraktikerin und Osteopathin praktiziert. Zudem war sie in der Kommunalpolitik aktiv: 2013 saß sie mehrere Monate für die SPD in der Stadtverordnetenversammlung. Zudem führte sie den Ortsverein Brasselsberg. In Bad Emstal war sie 2012 für die SPD als Bürgermeisterkandidatin angetreten.

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