Sie bewiesen Zivilcourage

Brand in Munitionsdepot, Randalierer gestellt: Wie Bürger der Polizei halfen

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Explosion im ehemaligen Munitionsdepot in Fritzlar. Thomas Josef Bischof half bei der Aufklärung des Falls.

Sie sorgten dafür, dass der Kriminalfall im Munitionsdepot bei Fritzlar aufgeklärt wurde, erwischten Einbrecher und verfolgten Autoknacker. Nun wurden mehrere mutige Nordhessen ausgezeichnet.

Dieser Artikel wurde aktualisiert um 14.54 Uhr - Zum 20. Mal wurden am Montagabend Menschen, die die Polizei in vorbildlicher Weise unterstützt haben, mit der Kasseler Polizeimedaille ausgezeichnet. Einen Spezialpreis gab es für die Sendung „Aktenzeichen XY …ungelöst“. Hier sind ihre Geschichten:

Die beiden jungen Soldaten Henri Vollbrecht und Sven van Wees halfen bei der Aufklärung eines versuchten Einbruchs an der Kasseler Wilhelmshöher Allee. Am 28. Juni 2018 gegen 1 Uhr waren die beiden Soldaten auf der Wilhelmshöher Alle unterwegs, als plötzlich ein lautes Knallen ertönte. Dieses konnten sie, so Vollbrecht, nicht zuordnen. Erst als sie eine dunkel gekleidete Person sahen, die sich verdächtig schnell von einem kleinen Supermarkt entfernte, konnten sie sich einen Reim darauf bilden.

„Etwas stimmt hier nicht“, sagten sich die beiden. Ohne lange zu überlegen, riefen sie die 110 an. Sie beschrieben den Polizisten ihre Beobachtungen. Der mutmaßliche Einbrecher entfernte sich von dem Laden, in dessen Scheibe die beiden ein gut sichtbares Loch entdeckten. Sie verfolgten den Mann, der einen Werkzeuggürtel trug, mit einigem Sicherheitsabstand. „Selbst wollten wir ihn nicht stellen, dies war uns wegen des Hammers, den er am Gürtel trug, zu gefährlich“, berichten sie.

Der Flüchtende versuchte immer wieder, sie durch plötzliche Richtungswechsel abzuschütteln. Ihre Beobachtungen gab van Wees an die Beamten weiter.

Schließlich versteckte sich der Verfolgte in einem Gebüsch. Die beiden Männer versperrten ihm den Fluchtweg und warteten auf eine Streife der Polizei. Die Beamten nahmen den 57-jährigen Verdächtigen fest und hörten sich die Aussagen der beiden Soldaten an. „Für uns kam gar nichts anderes in Frage, als die Polizei zu rufen. Wir sahen es als unsere Bürgerpflicht.“ Sie freuen sich sehr über die Medaille, sehen ihre Mithilfe bei der Aufklärung aber als selbstverständlich an. 

Henri Vollbrecht (links) aus Niederbeisheim und Sven van Wees aus Remagen bekamen die Kasseler Polizeimedaille verliehen. Sie halfen vergangenen Sommer, einen versuchten Einbruch aufzuklären. 

Bunkerbrand bei Fritzlar durch Zeugenaussage aufgeklärt

Thomas Josef Bischof half bei der Aufklärung eines spektakulären Verbrechens bei Fritzlar vergangenen November. Bischof ist in der Forstwirtschaft tätig und hielt sich mit seinem Sohn und einem Mitarbeiter im Wald bei Fritzlar in der Nähe der Bunkeranlagen auf. 

Ihm fiel ein Fahrzeug auf, aus dem immer wieder Personen ausstiegen und sich die Bunker ansahen. Erst glaubte er, dass die Personen eine der alten Militäranlagen mieten wollen. „Ich fand ihr Verhalten aber sehr verdächtig. Also gab ich meinem Sohn vorsichtshalber das Kennzeichen des Wagens via Funk durch.“ 

Als der 55-Jährige einen Tag später von dem Brand in einem der Bunker erfuhr, berichtete er der Kriminalpolizei von seinen Beobachtungen und gab das Autokennzeichen an die Beamten weiter. Daraufhin konnte die Polizei drei Männer und drei Frauen im Alter zwischen 25 und 26 aus Schauenburg (Landkreis Kassel) und Heringen (Landkreis Hersfeld-Rotenburg) ausfindig machen. Diese hatten versucht, am 20. November gegen 22 Uhr in einen Bunker einzudringen, um Pyrotechnik zu entwenden. Dabei geriet das gelagerte Gut in Brand und sorgte für eine große Explosion, die überregional Furore machte. 

Als Dank für seine Hilfsbereitschaft erhielt Bischof die Kasseler Polizeimedaille. Über das Dankesschreiben der Polizeiinspektion Fritzlar habe er sich sehr gefreut, verrät er. „Ich sehe die Hilfe als meine Pflicht als Bürger an“, sagt er dazu.

Sie stellte einen Randalierer

Sie rief die Polizei: Katrin Miller beobachtete in der Innenstadt einen Randalierer.

Katrin Miller hatte gerade Feierabend in einem Restaurant, als sie auf dem Königsplatz hörte, wie Mülltonnen umgekippt wurden. Es war am 31. Juli 2018, als die 24-jährige Frau um kurz nach 22 Uhr zusammen mit einem Kollegen vom Königsplatz in Richtung Stern unterwegs war.

Vom City Point aus habe sie gesehen, wie ein Mann einen Tisch auseinandernahm, der vor der Bäckerei Apel stand. Mit einem Tischbein habe er dann gegen die Schaufensterscheibe geschlagen. Kurze Zeit später habe sie gehört, wie die Scheibe zersprang. Anschließend sei der Randalierer hinter ihr und ihrem Kollegen gelaufen. „Das war schon ein komisches Gefühl, wir haben die Straßenseite gewechselt“, sagt die 24-Jährige. Und dann musste sie noch beobachten, wie der Randalierer an der Haltestelle Stern von hinten auf einen jungen Mann sprang und diesen verletzte. Sie rief die Polizei und ließ den Täter nicht aus den Augen.

Durch ihre Standortmeldungen konnte der leicht alkoholisierte und geistig verwirrte Mann kurze Zeit später am Altmarkt festgenommen werden.

Autoknacker verfolgt - Katharina Janssen suchte mit dem Fahrrad nach Verdächtigem 

Katharina Janssen saß am Samstag, 2. Juni 2018, am Frühstückstisch, schaute aus dem Fenster und hörte einen Knall. Sie sah, wie jemand gegenüber auf der Straßenseite die Scheibe eines Autos zerschlug. Und sie hörte, wie eine Nachbarin rief: „Bleib stehen.“

„Ich glaube, da hat jemand gerade ein Auto geknackt, habe ich zu meinem Mann gesagt“, erzählt die 50-jährige Lehrerin aus der Kasseler Südstadt. Ihr Mann sagte nur: „Los hinterher.“ Katharina Janssen lief raus und schnappte sich ihr Rad. Zunächst fuhr sie kurz in die Karlsaue, um den Autoknacker zu finden. Ohne Erfolg. Dann wieder raus, über die Heinrich-Heine-Straße zur Frankfurter Straße. In Höhe eines Tierfutterladens entdeckte die Frau dann den Autoknacker. Da sie kein Handy dabei hatte, bat sie eine Passantin, ein Foto zu machen. Zudem rief sie die Polizei.

Und verfolgte weiter den Mann, der zu Fuß unterwegs war. „Ich hatte den Vorteil, dass er mich nicht gesehen hat“, sagt Janssen. Dann seien auch schon mehrere Polizeiautos aufgetaucht. Die Polizisten hätten den Mann in einem Hinterhof in der Mozartstraße festgenommen. Katharina Janssen identifizierte ihn eindeutig als den Autoknacker. Später stellte sich heraus, dass der 42-jährige Tatverdächtige für ein weiteres Eigentumsdelikt verantwortlich ist.

Sie überführten einen Einbrecher

Verfolgung auf dem Rad: Durch Katharina Janssen wurde ein Autoknacker gestellt.

Henri Vollbrecht (24) aus Knüllwald und Sven van Wees (20) aus Remagen ist es zu verdanken, dass ein Einbruch in ein Geschäft an der Wilhelmshöher Allee im vergangenen Jahr vereitelt wurde und der 57-jährige Tatverdächtige aus Kassel noch auf der Flucht festgenommen werden konnte.

Die beiden Männer, die derzeit eine Ausbildung bei der Bundeswehr in Kassel machen, hörten in einer Nacht Ende Juni einen Schlag auf der Wilhelmshöher Allee in Höhe der Haltestelle Berlepschstraße. „Kurze Zeit später sahen wir einen dunkel gekleideten Mann, der vor einer eingeschlagenen Scheibe eines Supermarkts stand“, sagt Vollbrecht. Ihnen sei sofort klar gewesen, dass der Mann versucht habe, in den Laden einzubrechen.

Während die jungen Männer die Polizei verständigten, versuchte der Einbrecher, sich davonzuschleichen. Da hatte er aber die Rechnung ohne Vollbrecht und van Wees gemacht. Die beiden nahmen die Verfolgung des Mannes auf. Und auch als sie ihn kurz in der Hansteinstraße aus den Augen verloren, gaben sie nicht auf. Schließlich entdeckten sie ihn in einem Gebüsch auf einem Grundstück. Dort warteten die beiden, bis die Polizei kam.

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Die Verleihungen der Kasseler Polizeimedaille 2019

Ehrung im Polizeipräsidium Nordhessen: Das Bild zeigt (von links) Sven van Wees, Katrin Miller, Henri Vollbrecht, Diana Sandleben, Martin Malcher, Justizministerin Eva Kühne-Hörmann, Oberbürgermeister Christian Geselle, Nicola Haenisch-Korus, Polizeipräsident Konrad Stelzenbach, Ina-Maria Reize-Wildemann, Wolfgang Jungnitsch, Ulrich Zabel, Jens Habicht, Fabian Küthe, Henning Wiegand und Thomas Josef Bischof.

Sie sind zwischen 20 und 70 Jahre alt und stammen aus ganz Nordhessen. Was diese drei Frauen und acht Männer gemeinsam haben? Durch ihr couragiertes Auftreten haben sie im vergangenen Jahr dazu beigetragen, dass entweder eine Straftat verhindert oder ein Tatverdächtiger geschnappt werden konnte.

Für diesen Einsatz wurden sie am Montagabend im Polizeipräsidium Nordhessen mit der „Kasseler Polizeimedaille“ geehrt. Diese Auszeichnung wurde bereits zum 20. Mal vom Verein „Bürger und Polizei in Kassel“ vergeben.

Die Preisträger, die aus Kassel, Wolfhagen, Grebenstein, Diemelsee, Korbach, Knüllwald, Fritzlar, Sontra und Remagen stammen, bekamen die Medaillen von Polizeipräsident Konrad Stelzenbach übergeben, der auch Präsident des Vereins ist. Stelzenbach wurde dabei von Hessens Justizministerin Eva Kühne-Hörmann und Kassels Oberbürgermeister Christian Geselle unterstützt – der ja selbst mal Polizist war, bevor er Jura studierte und sich für eine Laufbahn in der Politik entschied.

Kühne-Hörmann, Geselle und Stelzenbach zollten in ihren Ansprachen den neuen Trägern der Polizeimedaille für ihre Zivilcourage und ihr mutiges Handeln großen Respekt und brachten ihre Anerkennung zum Ausdruck. „Sie haben Empathie für ihre Mitmenschen gezeigt, die in Not waren oder die Polizei entscheidend bei ihrer Arbeit unterstützt“, so Stelzenbach.

Darüber hinaus wurde zum zweiten Mal die „Kasseler Polizeimedaille Spezial“ verliehen. Preisträger ist die ZDF-Sendung „Aktenzeichen XY …ungelöst“. In der Begründung hieß es, dass das von Eduard Zimmermann erdachte Fernsehformat seit fast 52 Jahren die Kriminalpolizei bei der Ermittlung von Straftaten unterstütze. Schon die Bilanz zum 50. Geburtstag im Jahr 2017 sei beeindruckend gewesen: 523 Sendungen, 4586 Kriminalfälle, davon 1853 gelöst und 2319 Täter festgenommen.

Da Moderator Rudi Cerne, der übrigens im Jahr 2012 in Kassel mit dem GdP-Stern der Gewerkschaft der Polizei ausgezeichnet worden war, verhindert war, nahmen gestern Abend Redaktionsleiterin Ina-Maria Reize-Wildemann und Redakteurin Nicola Haenisch-Korus den Preis entgegen. „Wir freuen uns über diese Auszeichnung sehr. Es erfüllt uns alle – das gesamte Team – schon auch mit einem gewissen Stolz, dass unsere Arbeit eine solche Wertschätzung erfährt. Ein Preis wie die Kasseler Polizeimedaille zeigt uns, dass wir mit unserer Arbeit richtig liegen“, so Reize-Wildemann

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