Interessante Begegnungen mit Menschen

Pralles Leben rund um die Uhr: 24 Stunden im Schwalm-Eder-Kreis unterwegs

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Er behält den Überblick im Ameisenhaufen: Recep Akdag ist Bereichsleiter bei der Cargo Trans Logistik (CTL) in Homberg. Er sorgt für einen reibungslosen Ablauf in der Umschlaghalle und ist Ansprechpartner für Fahrer und Mitarbeiter. 

Zu jeder Zeit geschieht in der Region irgendetwas. Wir haben uns 24 Stunden am Stück im Landkreis umgesehen.

Es ist laut in der Umschlaghalle der Cargo Trans Logistik (CTL) in Homberg. Wie Ameisen flitzen die Mitarbeiter hin und her, entladen Lkw und beladen sie neu. Was auf den ersten Blick chaotisch aussieht, hat doch seine Ordnung.

Der Besuch bei der CTL zählt zu den Höhepunkten in der ersten Hälfte unseres 24- Stunden-Tages. Einer, der im Gewusel den Überblick behält, ist Recep Akdag. Der Bereichsleiter sorgt dafür, dass täglich 1200 Tonnen in Homberg neu verladen werden. Er ist Ansprechpartner für Mitarbeiter und Lkw-Fahrer. Um 2 Uhr besuchen wir die Umschlaghalle – zu einer Zeit, in der die ausschließlich männlichen Arbeiter schon fast Feierabend haben.

Hoch her geht es da gerade in der Bäckerei Schneidemühle in Rengshausen. Es ist 4 Uhr, als wir uns mit Geschäftsführer Christoph Lewandowski treffen. 300 Brote werden dort in der Nacht gebacken. Während Bäcker Benjamin Harnisch den Brötchen im Ofen mit einem feinen Sprühnebel den letzten Glanz verleiht, bereiten seine Kollegen um Martin Seemann aus 70 Kilo Teig bereits neue Teiglinge zu.

Aus der wohligen Wärme der Bäckerei geht es für uns wieder zurück in die Kälte. Und zwar zum Bahnhof Wabern. Wir hoffen, Pendler zu finden. Das ist allerdings gar nicht so einfach wie gedacht. Um 5.30 Uhr ist der Bahnhof menschenleer. Kurz vor Abfahrt eines Zuges nach Kassel haben wir aber doch Glück: Anette Dehne und Helena Graß wollen zu einer Fachtagung nach Hannover. Es geht um Stressbewältigung und Achtsamkeit. „Wir kommen also ganz entspannt wieder zurück“, erzählen sie.

Ach, wie gern würden wir jetzt auch eine Pause machen. Die ist aber nicht drin. Unser Terminkalender ist voll. Als sich gegen kurz vor 7 Uhr die ersten Ermüdungserscheinungen zeigen, heißt es aber auch für uns: Kurze Pause in der Redaktion. Ein Brötchen futtern und schon geht es weiter.

Diesmal zur Polizei. Dort erwartet uns Dienststellenleiter und Erster Polizeihauptkommissar Michael Stuhlmann. Er ist für den Schichtdienstplan zuständig, koordiniert und filtert alle Informationen, die am Tag bei der Polizei auflaufen. Dienstgruppenleiter Günther Frommann hält sich in der Wache, dem „Herzstück der Polizeistation“ auf. Sie ist 24 Stunden besetzt, Frommann muss drei Telefone und ein Funkgerät betreuen. „Hier kommt jeder Beamte vorbei, hier melden sich Besucher an, hier landen alle Anrufer“, erzählt Stuhlmann.

Anstrengend wird’s jetzt um 8 Uhr bei der Post. Im Verteilzentrum in Wabern werden alle Briefe sortiert, die im Umkreis von 25 Kilometern rund um Wabern ausgeliefert werden. 40 Bezirke werden hier betreut. Dort treffen wir zum ersten Mal mehr Frauen als Männer. Das finden wir richtig stark. Stark muss auch Lissy sein. Das Pony gehört zum Heilpädagogischen Reitbetrieb von Heike Griesel. Die Stute trägt drei Kinder aus der Waldkita Niedenstein auf ihrem Rücken. So sollen Motorik und kognitive Fähigkeiten gefördert werden.

Wir sind jetzt zwölf Stunden unterwegs. Zeit für ein Essen – und zwar in der Kantine der Kreisverwaltung. Mitarbeiter vom Starthilfe-Ausbildungsverbund kochen knapp 60 Essen am Tag. Alles wird frisch zubereitet. 300 Brote warten noch darauf, geschmiert zu werden.

Wellness, Bücher und Gebete: Am Nachmittag ist besonders viel los

Wer nach all dem Stress Entspannung sucht, ist im Wellnessparadies in Frielendorf richtig. Beim Blick auf den Silbersee lassen auch Erika und Hans-Erwin Schnabel die Seele baumeln. Die beiden ziehen im 15 mal 8,5 Meter großen Schwimmbad ihre Bahnen. Seit drei Jahren zählen sie zu den regelmäßigen Gästen. Wegen der Ruhe. Natürlich. 

Von Frielendorf geht es weiter nach Borken. Genauer: In den 1500-Seelen-Ortsteil Kleinenglis. Die Kleinengliser neigen offenbar zur Untertreibung. Denn das „Lädchen für alles“ ist ein ausgewachsener Laden. Auf 300 Quadratmetern gibt es 4500 Artikel. „Von A wie Apfelsaft bis Z wie Zahnpasta“, sagt Werner Krell, Vorstandsvorsitzender der Lädchengenossenschaft. Hier lässt es sich nicht nur prima einkaufen, hier wird auch gerne geschnuddelt. Typisch nordhessisch eben. 

Prima einkaufen lässt es sich auch im Tierschutzladen in Borken. Dort gibt es alles, was das Herz begehrt. Von Büchern über Tischdecken bis hin zu Geschenkartikeln verkaufen die Ehrenamtlichen um Luise Makus alles, was das Herz begehrt. Der Erlös kommt dem Tierschutzverein Homberg-Borken zugute. 

Richtig voll ist es um 17 Uhr in der Bücherei in Jesberg. Kerstin Kling hat ihr Team zusammengetrommelt. Die Ehrenamtlichen wollen beim HNA-Besuch dabei sei. 3500 Bücher stehen für die meist weiblichen Büchereikunden bereit. „Wir freuen uns über jeden Mann“, wirbt Rita Kaufmann. Im Lesetreff nebenan sitzen Beate Sachs und Erika Helwig. Die beiden Freundinnen treffen sich bei Kaffee und Kuchen gerne in der Bücherei. Ein Stück Kuchen würden auch wir gerne essen – nach 17 Stunden auf den Beinen. Doch daraus wird nichts. 

Es geht weiter nach Bad Zwesten. Wir werden mit Kampfgeschrei begrüßt. Die Kindergruppe des Ho Sin Do trainiert koreanischen Kampfsport. Ein Sport für den ganzen Körper, der Kraft und Ausdauer fordert, wie Trainer Franz Weiß sagt. Bevor es an Techniken geht, heißt es wie bei anderen Sportarten auch: aufwärmen und dehnen. 

Ganz neu ist für uns alles, als wir das Abendgebet in der Waberner Moschee besuchen. Mehrere Männer haben sich zum letzten Gebet des Tages getroffen. Mit geschlossenen Augen, der Körper Richtung Mekka gewandt, lauschen sie dem Singsang des Imam. Dabei stehen sie in einer Linie. Es ist das Zeichen dafür, dass vor Gott alle gleich sind, wird uns erklärt.

Mit letzten Kräften steuern wir den Autohof Guxhagen an. Als wir Markus Huppert aus Bad Segeberg treffen, können wir gut mitfühlen. Er muss noch mit dem Auto bis in den hohen Norden. 

Nach 24 Stunden haben wir nur noch ein Ziel: Endlich ab ins Bett.

24 Stunden durch den Schwalm-Eder-Kreis

akl123 24-Stunden-Reportage 24 Stunden Schwalm-Eder Lädchen für Alles Kleinenglis Ulrike Adler (Marktleiterin) und Werner Krell (Vorstandsvorsitzender Lädchen-Genossenschaft)
 © Laumann/Müller
akl123 24-Stunden-Reportage 24 Stunden Schwalm-Eder Moschee Wabern Abendgebet
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akl123 24-Stunden-Reportage 24 Stunden Schwalm-Eder HO SIN DO Karate Bad Zwesten Kampfsport (von links) Ronja Hallwaß, Momo Hallwaß, Zoe Ludwig, Franz Weiß, Lana Ludwig, Lukas Kerkhoff
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akl123 24-Stunden-Reportage 24 Stunden Schwalm-Eder Bücherei Jesberg im Maximilianschlösschen (von links) Kerstin Kling, Rita Kaufmann, Christiane Eigl, Anja Rödel, Dagmar Stamm, Beate Sachs und Erika Helwig
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akl123 24-Stunden-Reportage 24 Stunden Schwalm-Eder Kantine Kreisverwaltung Diana Rose (Mitarbeiterin Starthilfe Ausbildungsverbund)
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akl123 24-Stunden-Reportage 24 Stunden Schwalm-Eder Wellness-Paradies Frielendorf Erika Schnabel (70) und Hans-Erwin Schnabel (72) aus Homberg
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akl123 24-Stunden-Reportage 24 Stunden Schwalm-Eder Waldkindergarten Niedenstein auf dem heilpädagogischen Reitbetrieb Griesel in Metzeauf dem Foto (von links) Yari Barthel, Enya Barthel, Miriam Briel, Heike Griesel
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akl123 24-Stunden-Reportage 24 Stunden Schwalm-Eder Bäckerei Schneidemühle in Rengshausen Jacob Graichen
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akl123 24-Stunden-Reportage 24 Stunden Schwalm-Eder Adolf "Ede" Köhler aus Fritzlar im Cuba Libre
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akl123 24-Stunden-Reportage 24 Stunden Schwalm-Eder Pendler Bahnhof Wabern Anette Dehne (rechts) und Helena Graß
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akl123 24-Stunden-Reportage 24 Stunden Schwalm-Eder Bäckerei Schneidemühle in Rengshausen Martin Seemann
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akl123 24-Stunden-Reportage 24 Stunden Schwalm-Eder CTL Logistik Homberg Recep Akdag (Bereichsleiter)
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akl123 24-Stunden-Reportage 24 Stunden Schwalm-Eder Ronny Hiller
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akl123 24-Stunden-Reportage 24 Stunden Schwalm-Eder Bäckerei Schneidemühle in Rengshausen
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akl123 24-Stunden-Reportage 24 Stunden Schwalm-Eder Ulrike Strippel
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akl123 24-Stunden-Reportage 24 Stunden Schwalm-Eder Bäckerei Schneidemühle in Rengshausenn Rebekka Kienzler
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akl123 24-Stunden-Reportage 24 Stunden Schwalm-Eder (von links) Stephan Esefeld, Peter Kraft, Tekin Dinc, Dimitrij Dombrovskij, Recep Akdag
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akl123 24-Stunden-Reportage 24 Stunden Schwalm-Eder Bäckerei Schneidemühle in Rengshausen Martin Seemann
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akl123 24-Stunden-Reportage 24 Stunden Schwalm-Eder Ulrike Strippel
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akl123 24-Stunden-Reportage 24 Stunden Schwalm-Eder Bäckerei Schneidemühle in Rengshausen Christoph Lewandowski
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akl123 24-Stunden-Reportage 24 Stunden Schwalm-Eder Cuba Libre Fritzlar (von links) Marina Westermann, Myriam Klaus, Sarah Wielers
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akl123 24-Stunden-Reportage 24 Stunden Schwalm-Eder Ronny Hiller
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akl123 24-Stunden-Reportage 24 Stunden Schwalm-Eder Moschee Wabern Abendgebet
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akl123 24-Stunden-Reportage 24 Stunden Schwalm-Eder Kantine Kreisverwaltung Schwalm-Eder-Kreis. (von links) Kreissprecher Stephan Bürger, Heike Schade, Eva Jungmann
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akl123 24-Stunden-Reportage 24 Stunden Schwalm-Eder Rasthof Guxhagen Markus Huppert
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chm123 Tierschutzladen Borken, 24-Stunden-Reportage, Gisela Dittrich (von links), Gerlinde Nitzsche, Inge Hetzel und Luise Makus im Verkaufsraum, Foto: Chantal Müller
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