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„Projekt wird zunichtegemacht“: Scheunendorfhotel Ederaue in Fritzlar steht vor dem Aus

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Von: Daniel Seeger

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Geht es nach den Plänen der Familie Scholz, könnte das Scheunendorf Ederaue ähnlich aussehen wie in dieser Abbildung. Abbildung: Familie Scholz
Geht es nach den Plänen der Familie Scholz, könnte das Scheunendorf Ederaue ähnlich aussehen wie in dieser Abbildung. Abbildung: Familie Scholz © Privat / Familie Scholz

Die Parkplatz-Vorgaben der Stadt Fritzlar sorgen für Unmut bei einem Investor, der ein auf Radtourismus und Nachhaltigkeit ausgelegtes Hotelprojekt realisieren wollte. Das steht nun vor dem Aus.

Fritzlar – Es sollte eine Unterkunft speziell für Radtouristen, Wanderer und Naturliebhaber werden. Doch der Bau des Scheunendorfhotels Ederaue wird, bleibt es beim derzeitigen Sachstand, nicht realisiert werden können. Der Grund ist ein Streit um die zur Verfügung stehenden Parkplätze.

Edgar Scholz aus Fritzlar wollte mit seinem Projekt eine naturnahe Übernachtungsmöglichkeit schaffen, direkt am Radfernweg R 4 (HNA berichtete). Laut Stellplatzsatzung der Stadt muss er dafür 17 Stellplätze für Autos auf dem Grundstück des Scheunendorfs zur Verfügung stellen. „Utopisch“ nennt Scholz das mit Blick auf das Konzept, das er verfolgt. Denn von einem naturnahen, auf Nachhaltigkeit ausgelegtem Betrieb bleibe dann nicht mehr viel übrig. Einschließlich der Flächen für Zufahrten würde das über 425 Quadratmeter Fläche des rund 3000 Quadratmeter großen Naturgrundstückes ausmachen, rechnet Scholz vor. „Damit wäre der ganze Charakter der Anlage ad absurdum geführt.“

Projekt in Fritzlar: Parkplätze führen Projekt „ad absurdum“

Geplant hatte der Fritzlarer zuletzt mit sechs Stellplätzen für Autos. Sein Argument: Das Angebot richte sich insbesondere an Radfahrer. Außerdem gebe es etliche Parkmöglichkeiten außerhalb des Grundstücks, teils jedoch in schlechtem Zustand. „Ich hätte kein Problem damit gehabt, die fehlenden elf Parkplätze abzulösen“, betont der Investor. Die Stellplatzsatzung der Stadt Fritzlar sieht die Möglichkeit vor, pro fehlendem Parkplatz eine Ausgleichszahlung von 3425,65 Euro vorzunehmen. Doch diese Ablösung müsste der Magistrat absegnen, das hat er nicht getan. Die Gründe dafür macht die Stadt bislang nicht öffentlich.

Für Fritzlars Bürgermeister Hartmut Spogat (CDU) ist klar, dass es auch um Gleichbehandlung geht. Im HNA-Gespräch betont er: „Da der Magistrat nicht öffentlich tagt, kann ich mich zum konkreten Fall nicht äußern, aber wir müssen alle Anfragen gleich behandeln.“ Wenn die Stadt anfange, Ausnahmen zu machen, dann lasse sich bei anderen Anfragen nur schwer argumentieren, warum man diese im Einzelfall zulässt oder nicht.

Scheunendorfhotel Ederaue in Fritzlar: Tiny Houses und ein Wellnessbereich:

Geplant hatte Scholz den Bau von elf bis zwölf Tiny Houses, einem Wellnessbereich mit Sauna und Badezuber sowie eines Gästehauses mit Dusch- und Toilettenanlagen. Außerdem sollte eine Boule-Anlage und eine Feuerstelle entstehen. Eigentlich sollte alles pünktlich zum Hessentag fertig werden. „Das hätte nach unserer Planung perfekt gepasst“, sagt der Fritzlarer im HNA-Gespräch.

Doch die Stadt besteht darauf, dass Scholz auf dem Gelände 17 Pkw-Stellplätze zur Verfügung stellen soll. Berechnet werden die benötigten Stellplätze zum einen auf Grundlage der Zahl von 36 Übernachtungsplätzen, die Scholz in seiner Anlage zur Verfügung stellen wollte. Für je drei Übernachtungsplätze sieht die Stellplatzsatzung einen Stellplatz vor, also insgesamt zwölf.

Die restlichen fünf Stellplätze ergeben sich aus der Größe des geplanten Gastraumes. Die sollte rund 63 Quadratmeter betragen, die Satzung schreibt einen Stellplatz von je 12 Quadratmeter vor. Für Scholz ist klar: „Sanfter Tourismus geht eindeutig von anderen Zielvorstellungen und Prämissen aus. Unter diesen Bedingungen ist eine Umsetzung des Projektes nicht möglich.“ Ursprünglich wollte Scholz fünf Stellplätze zur Verfügung stellen, dann bot er der Stadt an, noch einen weiteren zu bauen. Doch auch das entsprach nicht den Vorstellungen des Magistrats. Der argumentiert in einem Schreiben an Scholz, dass es nicht im Interesse der Allgemeinheit sei, wenn die laut Stellplatzordnung fehlenden Parkplätze auf Flächen der Stadt nachgewiesen werden müssten. Laut Schreiben sei das ein Präzedenzfall.

Edgar Scholz ist selbst passionierter Radfahrer, er steht auf dem Areal, auf dem eigentlich das Scheunendorf entstehen sollte.
Edgar Scholz ist selbst passionierter Radfahrer, er steht auf dem Areal, auf dem eigentlich das Scheunendorf entstehen sollte. © Daniel Seeger

Der Frust über die Entscheidung ist Scholz anzumerken: „Schade, wieder ein Projekt mehr, dass durch unsere Stadtoberen zunichtegemacht wird.“

Auch andere Investoren kämpfen laut Scholz mit ähnlichen Problemen. Mit diesen steht der Fritzlarer im Austausch. „Da sind große Firmen dabei, ich bin nur ein Privatmann.“ Ganz aufgegeben hat Scholz noch nicht. Derzeit bemüht er sich um Gespräche mit den Fraktionen der Fritzlarer Stadtverordnetenversammlung. Dem Gremium, das dem Projekt „Scheunendorf Ederaue“ einst grünes Licht gegeben hat und das auch über eine mögliche Überarbeitung der Stellplatzsatzung zu entscheiden hat. Im Jahr 2021 stieß das Projekt der Familie auf breite Zustimmung der Stadtverordneten. Für Scholz ist jetzt schon klar: „Sollte es doch noch irgendeine Lösung geben, worauf ich natürlich hoffe, ist eine Eröffnung bis zum Hessentag allerdings kaum mehr zu realisieren.“

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