Alle 20 Minuten wird in Klassenräumen gelüftet

Schwalm-Eder-Kreis folgt Hygienekonzept und setzt auf Durchzug in Schulen: Regelmäßig ist das Fenster offen

Frische Luft in den Klassen: Auch in der König-Heinrich-Schule in Fritzlar findet der Unterricht unter Coronabedingungen statt. Die Fenster werden regelmäßig geöffnet.
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Frische Luft in den Klassen: Auch in der König-Heinrich-Schule in Fritzlar findet der Unterricht unter Coronabedingungen statt. Die Fenster werden regelmäßig geöffnet.

Der Landkreis wird aktuell keine Lüftungsgeräte für Klassenräume anschaffen. Für die knapp 19.000 Schüler im Landkreis bedeutet das, sie werden in Klassenräumen unterrichtet, die regelmäßig gelüftet werden.

Schwalm-Eder-Kreis - Das teilt die Kreisverwaltung auf Nachfrage mit. Frische Luft und das regelmäßige Händewaschen sind laut Landkreis nach aktuellem Wissenstand immer noch der bestmögliche Infektionsschutz.

Die Lüftungsgeräte mit entsprechender Filtertechnik seien am Markt zurzeit für etwa 3500 Euro erhältlich. Bei 1200 Klassenräumen und weiteren 700 Funktionsräumen würden dem Landkreis Kosten von mehr als 6,5 Millionen Euro entstehen.

Der Schwalm-Eder-Kreis schließt sich außerdem der Empfehlung an, mit der von der Unfallkasse Hessen vorgeschlagenen CO2-App zu arbeiten und darüber die Zeit zum notwendigen Lüften im Auge zu behalten. Die Sorge von Eltern, Lehrern und Gewerkschaften nehme der Schwalm-Eder-Kreis ernst und sei sich seiner Verantwortung bewusst. „Wenn jeder für sich seinen Teil dazu beiträgt, können wir mit vereinten Kräften das Coronavirus weiter eindämmen“, sagt Landrat Winfried Becker.

Der Landkreis folge mit der Regelung der Empfehlung der Fachexperten und setze den hessischen Hygieneplan um. „Gesundheit geht vor“, sagt Becker. Diesen Grundsatz verfolge der Landkreis seit Beginn der Corona-Pandemie sehr konsequent. Die einzusetzenden Mittel seien bei allen Entscheidungen einzeln abzuwägen. Das gelte auch für das Durchlüften von Klassenräumen.

Haben Schulen im Schwalm-Eder-Kreis Fragen hinsichtlich der Umgehensweise mit dem neuen Hygieneplan, dürfen sie sich auch ans Staatliche Schulamt wenden, sagt die stellvertretende Amtsleiterin Doris Braun-Grimmelbein. Diese könnten dann ans Ministerium weitergeleitet werden. „Probleme müssen ausgetauscht werden“, sagt Braun-Grimmelbein. Vieles könne so ad hoc geregelt werden. Daher sehe sie die Schulen im Landkreis derzeit gut gerüstet.

Schulen in Fritzlar-Homberg: Corona-Regeln

Die Herbstferien sind seit gestern vorbei. Schüler starten unter erschwerten Bedingungen in den Alltag – wieder einmal. Denn in den vergangenen Wochen ist die Zahl der Coronafälle massiv gestiegen. Regelmäßiges Lüften, Abstandhalten, zeitweises Tragen des Mund-Nasen-Schutzes sind zwingend notwendig – wir haben mit einigen Schulen im Kreisteil Fritzlar-Homberg darüber gesprochen, wie sie das Infektionsgeschehen kontrollieren wollen.

Christophorusschule

„Wir werden nach wie vor mehrmals pro Doppelstunde Stoßlüften, auch wenn es dann mal eben etwas kälter sein wird“, sagt Günter Koch, Schulleiter der Jugenddorf-Christophorusschule Oberurff (CJD). Eine Kipplüftung ist laut Hessischem Kultusministerium weitgehend wirkungslos, weil durch sie kaum Luft ausgetauscht wird.

Bei nassem oder kaltem Wetter müssen die Schüler der CJD das Klassenzimmer nicht verlassen. Die Fenster werden laut Koch dann geöffnet und es gebe eine verstärkte Aufsicht.

Mit seinen Kollegen macht er sich bereits Gedanken, wie der sonst übliche Tag der Offenen Tür im Januar sowie die damit verbundenen Informationsveranstaltungen für derzeitige Viertklässler und ihre Eltern unter Corona-Bedingungen umgesetzt werden können. Er hofft, dass das Staatliche Schulamt hierfür noch einheitliche Regelungen schafft.

KHS Fritzlar

Das Lüften sei derzeit eine der wenigen Möglichkeiten, die eine Schule habe, um das Infektionsgeschehen zu beeinflussen, sagt Thomas Neumark, Schulleiter der König-Heinrich-Schule in Fritzlar. „Wir sind in der glücklichen Lage, dass das Lüften in nahezu allen Klassenräumen problemlos umzusetzen ist.“ Alle 20 Minuten – das sei schon lange die Zielvorstellung. Was sich geändert habe, seien die Temperaturen.

„Sicherlich ist es sinnvoll, wenn sich die Schüler von jetzt an wärmere Kleidung mitnehmen“, sagt Neumark. Bisher habe ihn aber auch noch keine Kritik erreicht, was die Temperatur in den Klassenräumen angehe. Das Lüften sei eine Maßnahme, die gut durchzuhalten ist, so der Schulleiter.

THS Homberg

Schulleiter Dr. Ralf Weskamp, geht mit den neuen Verordnungen an der Theodor-Heuss-Schule in Homberg relativ gelassen um. Am Gymnasium werde alle 20 Minuten gelüftet – oder häufiger, sollte das benötigt werden, sagt Weskamp. Einige Lehrer nutzten die App der Unfallkasse Hessen, die nach einer gewissen Zeit Alarm schlägt, andere hätten Klassendienste zum Lüften eingeführt. „So werden die Schüler miteinbezogen.“

EKS Homberg

Die Erich-Kästner-Schule in Homberg lüftet ebenfalls alle 20 Minuten die Klassenräume. Darüber hinaus sei auch dort die App der Unfallkasse Hessen in Gebrauch. In Räumen mit zwei Fensterfronten sei das Lüften kein Problem, sagt Schulleiter Dieter Goldmann. Bei Räumen mit nur einer Fensterseite, würden zusätzlich die Türen geöffnet, um einen Luftaustausch zu ermöglichen. „Unsere Lüftung läuft auf Hochtouren“, sagt Goldmann.

Größere Sorge bereitet dem Schulleiter allerdings die Situation in der Großsporthalle. Dort werde mit einem Frischluftsystem gearbeitet, das Umluftsystem aber könne nicht genutzt und die Luft so auch nicht wieder erwärmt werden. „Es deutet sich an, dass wir die geforderten 18 Grad in der Sporthalle nicht erreichen“, so Goldmann.

In dieser Woche gelte es zu testen, ob und wie sich das entwickelte Konzept auch in der nächsten Zeit umsetzen lasse.

GAZ Gudensberg

Auch die Klassenräume an der Dr. Georg-August-Zinn-Schule (GAZ) in Gudensberg werden alle 20 Minuten für fünf Minuten gelüftet. Dafür sollen die Klassen einen Lüftungsdienst wählen. „Wir als Schule wissen um unsere große Verantwortung und versuchen bestmöglich auf die aktuelle Lage zu reagieren“, heißt es weiter von der Schulleitung. In den Pausen dürfen sich die Schüler zudem nur draußen auf dem Hof aufhalten. Das Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung ist in Bussen, auf den Fluren und den Sanitäranlagen Pflicht. (chm/neu/ciz/lhn)

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