Kreisjagdberater: Grünflächen müssen abgesucht werden

Rehkitze kommen in den Mähwerken zu Tode

Schwalm-Eder. Einen grausamen Tod sterben ungezählte Kitze: Bei der Mahd der Wiesen für Heu und Silage geraten immer wieder Jungtiere in die Mähwerke, denn ihr Instinkt befiehlt ihnen, nicht zu fliehen, sondern sich ins hohe Gras „zu drücken", so der Waidbegriff. 90 000 Rehkitze kommen so jeden Mai und Juni um, sagt die Deutsche Wildtier Stiftung.

Die Verantwortlichen wissen, dass es ein „ein wichtiges Thema ist, damit beschäftigen sich nicht nur die Jäger, sondern auch die Landwirte“, betont Kreisjagdberater Werner Wittich. Er unterstreicht, dass die Grünflächen einen Tag vor der Mahd abgesucht werden müssen, entweder vom Landwirt selbst oder vom zuständigen Jagdausübungsberechtigten, dies sei verpflichtend.

Gerichte sprechen Strafen aus

Die Gerichte machten inzwischen immer öfter ernst, wenn es um fahrlässige oder vorsätzliche Tötung von Wildtieren geht. Neben Geld- sind auch Freiheitsstrafen nicht ausgeschlossen. Laut Wittich bringen auch einfache Wildscheuchen und das Mähen von innen nach außen viel.

Vollständig lässt sich das Überfahren der Tiere nicht verhindern, so der Sprecher des Regionalbauernverbandes Kurhessen (Homberg). Zu empfehlen sei, dass der örtliche Jagdpächter vor dem Schnitt mit Hunden durch die Bestände geht, um die Ricken zu warnen. Stefan Strube sieht in der Drohnentechnik und dem Einsatz von Wärmebildkameras in der Zukunft die vielversprechendste Möglichkeit, dem Rehkitztod vorzubeugen.

Strube weist aber auch darauf hin, dass die Vorsichtsmaßnahmen für den Landwirt leistbar sein müssen, es sei eben aufwändig, alle Wiesen abzugehen. Der Bauernverbandssprecher lobte zugleich die Zusammenarbeit mit der Jägerschaft: „Wir machen uns gemeinsam viele Gedanken, die Landwirte setzen sich aktiv mit dem Thema auseinander“.

Über 90 000 Kitze erleiden laut der Deutschen Wildtier Stiftung jährlich den Mähtod, gesonderte Zahlen für den Schwalm-Eder-Kreis gibt es nicht.

Noch schlimmer trifft es laut der Stiftung auf Wiesen brütende Vögel, deren Gelege durch die Mähwerke oder die Reifen der Traktoren zerstört werden. Viele der einst weit verbreiteten Wiesenbrüter wie Kiebitz, Feldlerche, Wachtelkönig und Bekassine seien mittlerweile stark bedroht und stehen auf den Roten Listen. Fünf Millionen Hektar Fläche sind in Deutschland als landwirtschaftlich genutztes Grünland ausgewiesen.

Kontakt für Schutzmaßnahmen:  Gerhard Becker, Tel. 05661/47 76

Rubriklistenbild: © dpa

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