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„Rock am Stück“ geht Geld aus: Veranstalter stellen Insolvenzantrag

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Von: Maja Yüce

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Ein Bild aus besseren Zeiten: Fans von Rock und Metal pilgerten in den vergangenen Jahren immer wieder gern zum Lohrberg.
Ein Bild aus besseren Zeiten: Fans von Rock und Metal pilgerten in den vergangenen Jahren immer wieder gern zum Lohrberg. © Peter Zerhau

Diese Nachricht sorgt bei Kulturschaffenden und vielen Fans der Rock- und Metal-Szene für Aufsehen: Die Veranstalter von „Rock am Stück“ haben einen Insolvenzantrag gestellt.

Fritzlar – Der Vorverkauf für das im Juli geplante Festival lief so schlecht, dass die Veranstalter die Reißleine gezogen und es abgesagt hatten. Doch bald standen sie vor neuen Problemen und kämpften um die Existenz des bis dato größten Festivals im Landkreis, bei dem schon Musikgrößen wie Metal-Queen Doro Pesch, die Bands Accept, Eisbrecher, Airbourne, Hämatom und viele mehr für ausverkaufte und gefeierte Liveauftritte sorgten.

Die Gründe dafür, dass das Festival in Schieflage geraten war, hatte Michael Döring, einer von sieben Gesellschaftern der LohrBergWerk Rock-Promotion UG, Ende Juni der HNA so erklärt: „Zahlreiche Fans wollen schnellstmöglich ihr Geld zurück.“ Das Dreitage-Festivalticket kostete 110 Euro. Man gehe von mindestens 800 Ticketrückgaben in unterschiedlichen Kategorien aus, erklärt der auf Insolvenzrecht spezialisierte Anwalt des RaS-Teams, Dr. Martin Linsenbarth.

Veranstalter von „Rock am Stück“ haben einen Insolvenzantrag gestellt

Bis zu der Absage der Veranstaltung seien 1700 Karten verkauft worden. 1300 davon stammten aus den Jahren 2019 und 2020. „Dies zeigt, dass der Vorverkauf nach der Pandemie deutlich zu schwach war. Seit dem Vorverkaufsstart im Oktober 2021 wurden nur 400 Tickets verkauft“, sagt Linsenbarth. Ob und wie viel Geld die Kartenbesitzer zurückerhalten, steht noch nicht fest. „Sie sind zunächst Insolvenzgläubiger in einem Verfahren. Ob es zu einer Erstattung kommt, hängt von der Höhe der künftigen Insolvenzmasse ab.“

Ein weiterer Grund für die Schieflage: Sechs der gebuchten Bands fordern, dass sie den finanziellen Ausfall ihres Auftritts ersetzt bekommen. Um welche Bands es sich handele, dürfe nicht genannt werden. Die Festival-Macher hatten nach eigenen Angaben versucht, mit den Bands zu verhandeln – ohne den erhofften Erfolg.

Nun werde vom Gericht ein Sachverständiger eingesetzt, der die wirtschaftliche Lage des Unternehmens und die Voraussetzungen für eine Insolvenzeröffnung prüfe. Einen ersten Kontakt mit dem Sachverständigen habe es gegeben. Die Ursachen für den Insolvenzantrag lägen nicht im Verantwortungsbereich der Geschäftsleitung, betont der Anwalt. Ob auch die „RaS-Winter-Night“ von einer Insolvenz betroffen wäre, entscheide der vorläufige Insolvenzverwalter.

Die Auflösung der Gesellschaft

Die Insolvenz der Gesellschaft führt zu deren Auflösung. Folge der Auflösung ist, dass die Gesellschaft nun der (insolvenzrechtlichen) Liquidation unterliegt. Bis zur vollständigen Abwicklung existiert die Gesellschaft weiter und ist rechts- und parteifähig. Die Gesellschaftsorgane von Kapitalgesellschaften bleiben während des Insolvenzverfahrens im Amt. Ihre Funktionen sinken Richtung Null. Sie dürfen sich lediglich im sogenannten insolvenzneutralen Bereich betätigen. (may)

Kritik und sogar Drohungen gegen die Festival-Macher von „Rock am Stück“

Die Enttäuschung sitzt tief: Bei den Fans des in finanzielle Schieflage geratenen Festivals „Rock am Stück“ und auch bei den Veranstaltern. Bei vielen Fans kommt nun zum Frust über die Absage des Festivals, das im Juli hätte stattfinden sollen, nun Ernüchterung hinzu – sie befürchten, das Geld für die bereits gekauften Karten nicht zurückerstattet zu bekommen.

Und auch bei den Machern des Festivals sitzt die Enttäuschung tief. Denn die Reaktionen darauf, dass sie das Festival abgesagt und nun einen Insolvenzantrag gestellt haben, fallen längst nicht nur aufmunternd aus. Vor allem im Internet, auf der Facebook-Seite von Rock am Stück und auch auf hna.de, gibt es bittere Vorwürfe.

Einige der Kommentare habe man sogar gelöscht, erklärt Michael Döring, einer der sieben Gesellschafter der LohrBergWerk Promotion UG. „Es gab Drohungen gegen uns persönlich“, sagt er. „Wir verstehen, dass eine Menge Leute enttäuscht sind über die Absage und den Insolvenzantrag, uns geht es ähnlich. Wir sind mit dieser Situation alles andere als glücklich“, so Döring weiter. Jeder RaS-Besucher habe das Recht, sich darüber zu ärgern und seinen Unmut zu äußern. „Wenn die Kommentare jedoch in Beleidigungen oder gar Drohungen abdriften ist für uns eine Grenze klar überschritten“, betont er.

Fritzlar: Reaktionen im Netz setzen „Rock am Stück“-Veranstalter zu

Er selbst lese nur noch selten die Internet-Kommentare zu „Rock am Stück“. Viele der Reaktionen setzten ihm – und auch den anderen Teammitgliedern – einfach zu sehr zu. „Es schmerzt“, sagt Michael Döring. Sehr tröstlich sei aber, dass es auch jede Menge aufmunternde Botschaften gebe.

Neben den Droh-Botschaften gibt es auch Kommentare, die den Veranstaltern Betrug vorwerfen. „Keine offene Kommunikation über die ganze Zeit (...) und jetzt sollen auch noch alle Leute auf den Tickets sitzen bleiben?“, schreibt ein Facebook-Nutzer. Nicht der einzige Beitrag, der die Kommunikation der Veranstalter kritisiert. Dazu hatte Döring bereits in einem HNA-Gespräch gesagt, „wer uns bei Facebook verfolgt, ist immer informiert“. Das Team schaffe es derzeit nicht auf jede einzelne Nachricht zu antworten.

Ein anderer Internet-Nutzer spricht von „einem sehr schalen Beigeschmack“ und davon, dass er sich auf den Arm genommen und zutiefst enttäuscht fühlt. „Für mich ist das einfach nur Betrug“, schreibt ein weiterer Facebook-Nutzer.

Rock am Stück: Gagen-Forderungen von Bands und Ticketrückgaben

Dazu die Veranstalter: „Wir haben uns in der jetzigen Situation so verhalten, wie es das Insolvenzrecht von uns verlangt, und sehen daher keinerlei Anhaltspunkte für ein rechtswidriges Verhalten.“ Und der auf Insolvenzrecht spezialisierte Anwalt das RaS-Teams schreibt auf HNA-Anfrage: „Die Geschäftsleitung hat ihren rechtlichen Verpflichtungen durch die Stellung des Insolvenzantrags genüge getan. Die Ursachen des Antrags liegen nichts im Verantwortungsbereich der Geschäftsleitung.“

Gründe dafür seien vielmehr, dass durch die Absage hohe Gagen-Forderungen von sechs Bands auf „Rock am Stück“ zukamen und zudem gehe man bei den insgesamt 1700 verkauften Karten von mindestens 800 Ticketrückgaben (unterschiedliche Kategorien) aus.

Ob es nach dem Aus für „Rock am Stück“ einen Neustart mit einem anderen Festival auf dem Gelände in Geismar geben wird? „Ob es irgendwann mal so sein wird, ist noch völlig offen. Aber wir sind Kämpfer und verlieren die Hoffnung nicht“, sagt Michael Döring. Eins stehe aber fest: „Rock am Stück“ wird es nicht mehr geben. (Maja Yüce)

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