Brunnen mehr als 450 Jahre alt

Rolandsbrunnen auf dem Fritzlarer Marktplatz sah früher anders aus

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Auf den Spuren des Rolandsbrunnens: Im Garten des Patrizierhauses haben von links Uwe Bächt, Stefanie Mnich und Clemens Lohmann die mehr als 450 Jahre alten Steine des ersten Brunnens aufgebaut.

Über die Ursprünge des Rolandsbrunnens gibt es viele Spekulationen. Jetzt wird der Brunnen neu in den Mittelpunkt gerückt.

Warum genau er Mitte des 16. Jahrhunderts auf dem Marktplatz erbaut wurde, darüber sind sich selbst die Historikexperten aus Fritzlar nicht ganz einig. Stefanie Mnich, Museumsleiterin des Hochzeitshauses, Stadtarchivar Clemens Lohmann und Bildhauer Uwe Bächt beschäftigen sich seit Kurzem wieder intensiv mit dem markanten Denkmal.

Und das hat einen guten Grund. Denn was einige Fritzlarer sicher nicht wissen: Heute steht auf dem Marktplatz nicht der ursprüngliche Brunnen von vor 455 Jahren, sondern ein saniertes Exemplar, vermutlich aus den 1970er-Jahren. Die Teile des alten Brunnens sind jedoch erhalten, sie waren bis vor Kurzem im städtischen Bauhof gelagert. Nun hat Bächt die alten Brunnenteile provisorisch im Garten des Patrizierhauses aufgebaut.

„Der Rolandsbrunnen hat eine herausragende Bedeutung für die Stadtgeschichte Fritzlars“, betont Mnich. Macht, eine blühende Wirtschaftlichkeit und Wasser als Lebensnotwendigkeit – der Brunnen mit seiner Statue und seinen verzierten Sandsteinen sei heute wie früher symbolisch aufgeladen.

In Stein gemeißelte Gesichter, eine Blüte sowie der grobe Aufbau des Brunnens sind auch nach der Sanierung auf den ersten Blick gleich geblieben. Doch bei genauerem Hinsehen wird deutlich: Die Verzierungen an den ursprünglichen Steinen sind weitaus filigraner.

So sah er damals aus: Der Rolandsbrunnen am Marktplatz mit seinen ursprünglichen Steinen im Jahr 1960.

Außerdem sind Farbreste an den alten Steinen zu erkennen. Auch das ist beim Brunnen, der heute auf dem Marktplatz steht, nicht der Fall. Bildhauer Bächt kennt sich genau aus. Er zeigt auf die Steinreste: „An vielen Stellen wurde ganz fein gearbeitet. Manche Muster sind typisch für die Renaissance-Zeit.“

Aber warum musste der Brunnen überhaupt saniert werden? Selbst darüber lässt sich nur spekulieren. Lohmann geht davon aus, dass der Brunnen seinerzeit wohl Vandalismus zum Opfer gefallen sein muss.

„Es ist spannend, sich mit dem Rolandsbrunnen zu beschäftigen, aber manchmal tappen auch wir noch im Dunkeln“, erklärt Mnich. Wichtig für die Spurensuche seien ältere Quellen. Dazu zum Beispiel Carl Alhard von Drach. „Er schrieb schon im Jahr 1909 über den Rolandsbrunnen“, sagt Mnich. So stehe zumindest fest, dass es den Namen damals gab.

Demnächst soll der provisorische Bau der alten Brunnenteile an einem öffentlichen Platz zugänglich gemacht werden. In diesem Zuge planen Uwe Bächt und Stefanie Mnich, gemeinsame Führungen für Interessierte anzubieten, um den Fritzlarern und Besuchern die Bedeutsamkeit des Rolandsbrunnen auf dem Marktplatz näherzubringen.

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