Flüchtlingskinder sollen auf ein Dach geklettert sein

Flüchtlinge in Fritzlar: Auf ruhige Aufnahme folgte Hetze im Internet

Fritzlar. Während die Aufnahme von 186 Flüchtlingen in der Notunterkunft im ehemaligen Proviantamt in Fritzlar am frühen Samstagmorgen reibungslos verlief, gab es bereits am Sonntag Hass-Kommentare gegen die Neuankömmlinge im sozialen Netzwerk Facebook.

Dort hatte jemand ein Foto eingestellt, das drei Kinder zeigte, die auf einem Dachvorsprung der Unterkunft standen. Dazu wurde der Vorwurf erhoben, die Kinder hätten Steine auf vorbeifahrende Fahrzeuge geworfen. In der Folge hagelte es negative Kommentare, die in der Aussage gipfelten, dass man eine Bombe auf das Haus werfen und Baseballschläger kaufen solle.

Susanne Krakau, Leiterin der Unterkunft, hatte am Montag eine Erklärung für den Vorfall: Die Kinder seien beim Spielen durch einen Notausgang auf das Dach geklettert. Es gebe keine Hinweise darauf, dass Steine geworfen worden seien. Krakau: „Es war einfach ein unglücklicher Zufall, dass die Kinder aufs Dach gelangten. Wir sprechen mit den Eltern.“

Es sei klar, dass die Kinder dort nichts zu suchen gehabt hätten, sagt Landrat Winfried Becker. Die Reaktionen im Internet aber seien überzogen: „Solche Kommentare gehen gar nicht.“ Man habe sie deshalb der Polizei gemeldet.

Der Landkreis und der Malteser Hilfsdienst, der die Notunterkunft in Fritzlar betreibt, waren mit dem Verlauf der Aufnahme sehr zufrieden. „Es lief alles sehr ruhig ab, der erste Kontakt war ganz angenehm“, sagte Krakau am Montag im Pressegespräch.

Schlafen und Duschen, das seien die größten Bedürfnisse der Flüchtlinge gewesen. „Sie wollten zur Ruhe kommen,“ so Krakau. Die Flüchtlinge seien nun registriert und einem medizinischen Check unterzogen worden. Dabei habe es bis auf zwei erkältete Kinder keine erkennbaren Krankheiten gegeben. Eine hochschwangere Frau wurde in eine Klinik gebracht.

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