Coronakrise

Schulstart in Zeiten von Corona: Alle freuen sich

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Die Frage, wie man unter Coronabedingungen unterrichten soll, beschäftigt alle Schulleitungen: Dr. Christine Sperlich in einem Klassenraum der Gustav-Heinemann-Schule Borken.

Der Schulbetrieb läuft offiziell wieder. Wir haben uns vorab bei der Borkener Gustav-Heinemann-Schule (GHS) und der König-Heinrich-Schule in Fritzlar umgehört.

Borken/Fritzlar – Dass sich Kinder so sehr auf Schule freuen könnten, hätte sich Schulleiterin Dr. Christine Sperlich früher nicht träumen lassen: Doch viele Schüler der Borkener Gustav-Heinemann-Schule (GHS) fiebern der Rückkehr regelrecht entgegen, dem ersten Schultag nach zweimonatiger Coronazwangspause.

Doch auch wenn der Schulbetrieb dann offiziell wieder läuft, wird vorerst nichts so sein, wie es war: Die Klassen werden in kleinere Lehrgruppen unterteilt, die Höchstgrenze liegt bei 15 Schülern. Auch werden nicht mehr alle Kinder und Jugendlichen gleichzeitig die Pause auf dem Hof verbringen – die Pausen erfolgen zeitversetzt, damit das Gedränge draußen nicht zu groß wird.

Überhaupt wird das Wort „Gedränge“ vorerst keine große Rolle mehr im Sprachgebrauch von Schulleitung und Lehrern spielen. Denn die wichtigste Nachricht ist die, dass bis zu den Sommerferien jede Jahrgangsstufe zwar wieder die GHS besucht – aber nur einmal in der Woche. „Jeder Jahrgang wird an einem festen Wochentag in der Schule unterrichtet – und dann schicken wir ihn wieder für vier Tage ins Homeoffice“, sagt Christine Sperlich.

Schulstart in Zeiten von Corona:  Kleine Lerngruppen und mehr Personalbedarf

Diese Entscheidung sei einvernehmlich mit dem Schulelternbeirat getroffen worden, um so eine Lösung für all die Probleme zu finden, die mit dem Coronavirus einhergehen: Für die vielen Lerngruppen werden viele Lehrer gebraucht, für die vielen Pausen viele Aufsichtspersonen – der Personalbedarf ist gestiegen, doch gibt es auch Pädagogen, die zur Risikogruppe gehören, und somit nicht eingesetzt werden können. Dennoch gebe es für alles eine Lösung: Sowohl Schulamt als auch Ministerium hätten bei den Entscheidungen viel Gestaltungsraum gelassen.

Und trotz aller Probleme, Überlegungen, Entscheidungen und neuer Verhaltens- und Hygieneregeln stehe bei allen Lehrern die Freude und Dankbarkeit darüber im Mittelpunkt, wieder in echt und live unterrichten zu können, berichtet Christine Sperlich. „Das Homeschooling hat gut funktioniert, aber es ist natürlich etwas ganz anderes, die Kinder – mit Abstand – vor sich zu haben.“

Schulstart in Zeiten von Corona: Live-Unterricht an einem Tag pro Woche

Das weiß das Kollegium bereits genau, denn schon seit Ende April besuchen die Abschlussklassen – die Hauptschüler der neunten und die Realschüler der zehnten Klassen – wieder die GHS. Und das laufe sehr gut, sagt Sperlich, die sich „positiv überrascht“ vom reibungslosen Ablauf zeigt. Sie schaut optimistisch und freudig auf den kompletten Neustart: „Wir sind schon an viele Vorkehrungen gewohnt, das kriegen wir hin.“

Dass die Rückkehr an die Schulen gerade für Kinder und Jugendliche wichtig ist, daran lässt sie keinen Zweifel: „Wir sind alle soziale Wesen. Und Schule steht ja nicht nur für Unterricht, sondern auch für Begegnungen und Erlebnisse.“

In diesem Jahr seien für viele Schüler wichtige Erfahrungen und Erlebnisse wie Abschlussfahrten und -feiern ausgefallen. Jetzt sei es wichtig, dass der Live-Unterricht wieder beginne – zumindest an einem Tag in der Woche.

Schulstart in Zeiten von Corona: Bilanz erst nach einigen Tagen möglich

„Wir sind alle sehr aufgeregt“, sagt Thomas Neumark, Schulleiter der König-Heinrich-Schule in Fritzlar mit Blick auf den Schulstart. „Die Schüler, meine Kollegen – und ich selbst natürlich auch.“ Eine richtige Einschätzung, wie gut der Unterricht unter Corona-Bedingungen funktioniere, könne er vermutlich erst nach den ersten Tagen der nächsten Woche abgeben.

Fest stehe aber schon jetzt, dass die Schule die bestmöglichen Vorbereitungen getroffen habe, „um mit den geltenden Regeln vernünftig umzugehen.“ „Uns stehen sehr kleine Klassenräume zur Verfügung. Die fünften bis neunten Klassen mussten wir daher sogar dritteln“, erklärt Neumark. Schließlich sei der ausreichende Abstand zwischen den Schülern unverzichtbar.

Schulstart in Zeiten von Corona: Nicht alle Klassenzimmer können genutzt werden

Und dies sei die besondere Herausforderung: „Es freuen sich alle so sehr, dass wir uns alle wiedersehen. Dadurch wird es eine Herausforderung sein, die Abstände einzuhalten.“ Doch dies sei eben indiskutabel. Nicht alle Räume der Schule können genutzt werden, sodass ein Schichtbetrieb notwendig wird.

„Nicht in allen Klassenzimmern befindet sich ein Waschbecken“, sagt Neumark. Das sei aber wichtig, damit sich sowohl Schüler als auch Lehrer regelmäßig die Hände waschen können.

Restaurants und Cafés sind wieder geöffnet. Auf dem Marktplatz in Fritzlar stehen wieder Tische und Stühle vor den Lokalen. Nach Wochen sind erstmals einige wieder belegt. Wir haben uns umgehört.

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