21 Landwirte mit 50 Hektar Land beteiligt

Schutz für Rebhühner: Erste Erfolge bei Projekten in Lohne und Bad Zwesten

Rebhühner im Feld.
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Sind nur noch selten zu finden: Rebhühner im Feld.

Im Märchen „Der gestiefelte Kater“ beschreiben die Gebrüder Grimm im 19. Jahrhundert Rebhühner als scheue Federtiere, deren Zahl „eher gering denn üppig“ sei. Seitdem sind die Tiere noch seltener geworden. Jetzt gibt es erste Erfolge in Lohne und Bad Zwesten.

Lohne/Bad Zwesten – Ihnen fehlen Schutz, Unterschlupf – und die Lebensgrundlagen verschwinden rasant. In Lohne haben sich auf Initiative der Familie Brede vom Lohner Bredehof sechs Landwirte, Jagdpächter und Ortsvorsteherin Margot Sauer zusammengetan, um die heimischen Hühnervögel zu schützen.

Seit dem Startschuss 2021 wurden acht Hektar Land in rebhuhngerechte Blühflächen umgewandelt und nach Angaben des Landesbetriebs Landwirtschaft Hessen (LLH), der das Projekt leitet, sollen dieses Jahr weitere hinzukommen, besondere Ackerbau-Methoden sollen die Biodiversität fördern. Vorbild für Lohne ist das Flurprojekt in Bad Zwesten, das seit vier Jahren besteht. Wir haben die Forstwissenschaftlerin Andrea Imhäuser vom LLH befragt. Sie leitet die Rebhuhn-Projekte in Bad Zwesten und Lohne. Fragen und Antworten:

Zählen Rebhühner zu den gefährdeten Arten?

In der Roten Liste der gefährdeten Tier- und Pflanzenarten sind Rebhühner laut Imhäuser als stark gefährdet aufgeführt. Ihre Bestände nehmen ab, sie haben eine ungünstige Erhaltungsaussicht. Der dramatische Rückgang wird seit 50 Jahren beobachtet. Genaue Zahlen zum Bestand im Schwalm-Eder-Kreis gibt es nicht.

Worauf ist der Rückgang des Rebhuhnbestandes zurückzuführen?

Eine Vielzahl von kleinen Veränderungen habe zum heutigen Zustand geführt. Durch die Flurbereinigung sind viele Hecken und Böschungen verschwunden, aus kleinen Äckern wurden große Felder, es gibt kaum noch Brachflächen und es mangelt an Ernterückständen, Wildpflanzen und Insekten. Dazu kommt, dass der Mensch durch sein Feizeitverhalten für Unruhe sorgt, und die Hühnervögel zur Beute von Fuchs, Waschbär, Habicht und verwilderten Katzen werden. Da Rebhühner ausgesprochen unflexibel in ihren Ansprüchen und im Verhalten sind, können sie sich den veränderten Bedingungen kaum anpassen.

In Bad Zwesten gibt es ein Schutzprojekt. Welche Erfahrung wurde damit gemacht?

Dort stieg die Zahl der Rebhühner nach Angaben von Imhäuser sehr schnell, nachdem mehrjährige Blühflächen angelegt wurden und die Wegrandbepflanzung nicht mehr so intensiv gepflegt und gemäht wird. Eine gute Beratung und einer ausreichender finanzieller Ausgleich für Landwirte scheinen der Schlüssel zum Erfolg. Zurzeit sind 21 Landwirte mit einer Blühfläche von 50 Hektar am Projekt beteiligt. Die 60 Teilflächen wurden speziell für Rebhühner und Feldvögel angelegt. Zu Beginn des Projekts in 2018 wurden acht Brutpaare gezählt, Ende 2020 waren es 53, die im Schnitt elf Küken erfolgreich aufzogen. In Hessen sind es sonst sechs Küken. Ziel ist, die Projekte in Bad Zwesten und Lohne über die fünf Jahresfrist weiterzuführen.

Wie können die Landwirte die Blühflächen und -streifen nutzen?

Die Rebhuhnblühflächen und -streifen sind für fünf Jahre aus der Erntenutzung genommen, erklärt Imhäuser. Danach können sie wieder in die Fruchtfolge aufgenommen oder Rebhuhn-Blühfläche bleiben. Die Blühflächen dienen den Tieren als Nahrungsquelle, Rückzugsort und zum Brüten. Natürlich sind Rebhühner auch in der Umgebung der Schutzflächen zu finden.

Dürfen Rebhühner gejagt werden?

Sie unterliegen dem Jagdrecht, haben also Jagd- und Schonzeiten, so Imhäuser. Allerdings verzichten die Jäger seit mehreren Jahren auf die Jagd. Die dürfen die Tiere jagen, wenn sie nachweisen, dass genügend Zuwachs vorhanden ist. In Hessen aber hat kein Revier davon Gebrauch gemacht. Den Jägern liegt der Rebhuhnschutz am Herzen.

Wie sollten sich Spaziergänger im Schutzprojekt verhalten?

Nach Angaben von Imhäuser sollte man Blühflächen nicht betreten und Hunde an der Leine halten – was in der gesamten Feldflur und im Wald so sein sollte. Auch sollte man keine Blumen pflücken, denn sie ersetzen die früher vorhandenen Brachen. Die Blühflächen sind erst einmal für fünf Jahre den Wildtieren reserviert. (Rainer Schmitt)

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