Keine Feiern ohne Gästelisten erlaubt

Corona-Regeln im Schwalm-Eder-Kreis: Was noch erlaubt ist und was nicht

Weiter Abstand halten, fordert Dr. Carsten Bismarck.
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Weiter Abstand halten, fordert Dr. Carsten Bismarck.

Die Corona-Infektionszahlen steigen. Es gelten neue Regeln. Dr. Carsten Bismarck, Ärztlicher Direktor im Fritzlarer Hospital, äußert sich zur Lage.

Die Infektionszahlen steigen und steigen – auch im Schwalm-Eder-Kreis. Als Ergänzung zu den neuen Beschlüssen des Bundes und des Landes Hessen erlässt der Landkreis daher eine Allgemeinverfügung, die ab kommendem Montag gilt.

Diese Regeln gelten ab Montag, 19. Oktober, für Feiern

Sie sieht vor, dass Feiern jeglicher Art in Gaststätten, Hotels oder sonstigen öffentlichen Räumen nur dann stattfinden dürfen, wenn mindestens 24 Stunden im Vorfeld eine vollständige Gästeliste mit allen erforderlichen Personendaten an den Betriebsinhaber beziehungsweise dem Träger der Räumlichkeiten übergeben und stets aktualisiert wird.

„Wir wollen sicherstellen, dass im Falle eines Infektionsgeschehens eine zeitnahe, vollständige Kontaktpersonennachverfolgung erfolgen kann“, erklärt Landrat Winfried Becker. Nach der gültigen Verordnung des Landes Hessen dürfen aktuell im Schwalm-Eder-Kreis private Feiern im öffentlichen Raum mit maximal 50 Personen stattfinden. Sollten die Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner innerhalb der letzten sieben Tage den Wert (Inzidenz) von 35 übersteigen sind nur noch 25 Personen erlaubt. Ab einem Wert von 50 nur noch zehn Personen.

Die kreisweite „Allgemeinverfügung über Schutzmaßnahmen bei privaten Feierlichkeiten“ – so wird sie genannt –gilt vorerst bis zum 31. Januar 2021.

Diese Regeln gelten ab Montag, 19. Oktober, für die Dorfgemeinschaft

Auch die Bürgermeister der Städte und Gemeinden im Schwalm-Eder-Kreis am Donnerstag auf ein kreisweit abgestimmtes Vorgehen mit einheitlichen Regelungen ab Montag, heißt es in der Mitteilung. Dorfgemeinschaftshäuser sowie alle anderen öffentlichen Räume und Gebäude stehen demnach bis einschließlich 31. Januar 2021 für privaten Feierlichkeiten nicht zur Verfügung. „Für alle anderen Zusammenkünfte in den genannten Räumlichkeiten, zum Beispiel Vereinssitzungen oder ähnliches, gilt neben den allgemeinen Abstands- und Hygieneregeln ein striktes Alkoholverbot“, heißt es weiter.

Diese Regeln gelten ab Montag, 19. Oktober, für Kitas

Eine weitere Regel: Für alle Kindertagesstätten im Schwalm-Eder-Kreis gilt ein allgemeines Betretungsverbot. Nur die Erzieher sowie die zu betreuenden Kinder dürfen die jeweilige Kindertagesstätte betreten. Kinder mit möglichen Krankheitssymptomen werden im Zweifel nach Hause geschickt. Auch diese Regelung gilt zunächst bis 31. Januar.

Landrat und Vize-Landrat appellieren an die Solidarität aller Bürger

Landrat Winfried Becker und Vize-Landrat Jürgen Kaufmann appellieren in ihrer Mitteilung an die Solidarität aller Bürger im Schwalm-Eder-Kreis: „Bitte respektieren Sie die geltenden Regeln und verhalten Sie sich vor- und umsichtig.“ Zum Einkaufen solle man weiterhin gehen. „Pflegen Sie mit Bedacht soziale Kontakte.“ Am wichtigsten sei jedoch: Denken Sie jederzeit an die Regeln: Abstand, Hygiene, Alltagsmaske, Nutzung der Corona-App und regelmäßiges Lüften.“ Im Hinblick auf die bevorstehende Erkältungs- und Grippesaison bitten Becker und Kaufmann um besondere Umsicht. Auch wenn nicht jeder Schnupfen ein Grund sei, zu Hause zu bleiben, solle man an das Arbeits- und private Umfeld denken und Symptome abklären.

Interview mit Ärztlichem Direktor des Fritzlarer Hospitals

In den vergangenen Monaten habe man die Möglichkeit gehabt, mehr über das Coronavirus zu erfahren und sich für eine mögliche zweite Welle zu rüsten. Das habe man im Hospital zum Heiligen Geist in Fritzlar genutzt, sagt Dr. Carsten Bismarck, Ärztlicher Direktor, im HNA-Interview. 

Wie bedrohlich ist aktuell die Situation? 
Es ist eine sehr kritische Entwicklung. Wir als Krankenhaus haben deshalb unsere internen Abläufe auch noch einmal überprüft. Unser Personal wird seit Wochen vom Team unserer Hygieneabteilung wiederholt geschult. Unter anderem geht es dabei um das korrekte Anlegen der Schutzausrüstung. 
Im Frühjahr gab es deutschlandweite Engpässe bei der Schutzkleidung. Wie steht es um die Ausstattung im Hospital? 
Wir haben unseren Bestand an PSA (Persönliche Schutzausrüstung) deutlich aufgestockt und extra hierfür Lagerungsfläche geschaffen – mit Masken, Handschuhen, Schutzkitteln und Schutzanzügen. Damit werden wir unserer Verantwortung für den Schutz unserer Mitarbeiter und Patienten gerecht.
Geben Sie mal einen Einblick in Ihren Alltag im Vergleich zum Frühjahr – was ist anders?
Wir haben von März bis heute im Umgang mit der Erkrankung Covid19 und dem Coronavirus viel gelernt. Und: Wir haben Standards entwickelt, wie wir mit Verdachtsfällen, Erkrankten und kritisch Erkrankten umgehen müssen. 
Behandelt das Hospital aktuell Coronapatienten? 
Ja, wir haben einen positiv getesteten Patienten aufgenommen. Aber: In den vergangenen Wochen hatten wir keinen Corona-Intensivpatienten. Wir erwarten jedoch, dass sich das bei steigenden Infektionszahlen zeitnah ändert. Wir sind am Beginn der zweiten Infektionswelle.
Die Politik spricht davon, dass wir bereits eine zweite Welle haben...
Ich beziehe mich dabei auf die Entwicklung im Schwalm-Eder-Kreis. Bislang hatten wir, auch durch die hervorragende Arbeit des Kreisgesundheitsamtes bei der Kontaktnachverfolgung, eine sehr überschaubare Anzahl von Fällen. Dem Gesundheitsamt gebührt dafür ein großes Lob. 
Wie viele Coronapatienten hat das Hospital bereits behandelt? 
Bisher wurden 33 positiv getestete Covid-19-Patienten behandelt. Fünf davon lagen beatmungspflichtig auf der Intensivstation.
Wie dramatisch kann die Lage werden?
Blickt man in andere Länder wie Italien und Frankreich, dann ist Deutschland gerade noch eine Insel der Glückseligkeit. Wir registrieren aber, dass die Infektionszahlen jetzt nachhaltig ansteigen. Das bereitet uns Sorge. Denn je mehr Betroffene, desto größer ist die Gefahr einer exponentiellen Entwicklung mit schwereren Verlaufen. Wir befürchten in diesem Fall trotz robuster Aufstellung unseres Gesundheitssystems eine Überlastung. Die Wahrscheinlichkeit, dass die schweren Krankheitsverläufe wieder zunehmen, ist sehr hoch. Wir haben aber noch eine Chance, dass die zweite Welle nicht so dramatischen abläuft. Dafür müssen wir uns an Regeln halten: Masken, Abstand, Desinfektion.
Was geht in Ihnen vor, wenn Sie beim Einkaufen Menschen sehen, die den Mund-Nase-Schutz nicht korrekt tragen? 
Ich habe den Eindruck, dass die meisten Menschen sich gut daran halten. Wenn ich zum Beispiel im Krankenhaus Menschen sehe, die in einer Gruppe stehen und nicht genügend Abstand halten, dann spreche ich sie darauf an. Ich hoffe, die Zivilcourage setzt sich durch.
Es gibt keinen Impfstoff: Gibt es zwischenzeitlich bessere Therapie- und Behandlungsmöglichkeiten?
Natürlich. Das beste Beispiel dafür ist die Behandlung von Donald Trump, der mit verschiedenen Medikamenten behandelt wurde. Es gibt Medikamente für den Ernstfall wie Dexamethason und Remdesivir, die ihre Wirkung zeigen. Und wir wissen jetzt auch aus der Erfahrung, dass vielen Komplikationen eine Blutgerinnungsstörung zugrunde lag. So gilt es, diese vielen Mosaiksteinchen zusammen zu tragen und so ein individuelles Behandlungskonzept für jeden Patienten zu erstellen.
Wie medizinisch wirkungsvoll sind die aktuell von der Politik beschlossenen Maßnahmen?
Bei Zusammenkünften vieler Menschen ist die Infektionswahrscheinlichkeit sehr groß. Natürlich ist es schade für jeden Einzelnen, aber auf größere Feiern und Partys sollte derzeit zugunsten der Allgemeinheit verzichtet werden. Es ist also absolut sinnvoll, was mit Blick auf Veranstaltungsgrößen verordnet wurde. Wir als Krankenhaus werden dieses Jahr auch auf unsere Haus- und Abteilungsweihnachtsfeiern verzichten. Wir übernehmen so Verantwortung für die Sicherheit unserer Mitarbeiter und Patienten, so leid uns diese Entscheidung auch für unsere Mitarbeiter tut.
Und das nach einem auch für die Mitarbeiter im Gesundheitswesen harten Jahr... 
Wir würdigen und schätzen die erbrachten Leistungen all unserer Mitarbeiter – von der Pflege über die Reinigungskräfte bis hin zum Service. Sie alle haben dieses Jahr Außerordentliches geleistet. Deshalb werden wir uns, sobald es die Situation erlaubt, bei all unseren Mitarbeitern angemessen bedanken.
Was denken Sie, wann das sein wird?
Ich hoffe, dass wir im ersten bis zweiten Quartal des nächsten Jahres das Gröbste überstanden haben. 

Ab Montag Besuchsverbot – mit Ausnahmen

Ab Montag gelten im Hospital zum Heiligen Geist wieder restriktive Besucherregeln. Das bedeutet ein generelles Besuchsverbot mit Ausnahme von je einer Begleitpersonen für Sterbende, Kinder und schwangere Frauen (zur Entbindung und auch danach). Grund dafür sind die steigenden Infektionszahlen im Raum Kassel und Bad Wildungen. Das Hospital folgt damit der Empfehlung des Klinikums Kassel (koordinierendes Krankenhaus des Versorgungsgebietes 1 Hessen).

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