Infektionsdynamik sei besorgniserregend

Krankenhäuser schlagen Alarm: Intensivstationen am Limit

Angespannte Lage auf der Intensivstation im Fritzlarer Hospital. (Symbolbild)
+
Angespannte Lage auf der Intensivstation im Fritzlarer Hospital. (Symbolbild)

Die Corona-Infektionszahlen im Schwalm-Eder-Kreis steigen. Wir haben uns bei den Kliniken umgehört, wie sich die Entwicklung auf die Intensivstationen auswirkt.

Schwalm-Eder – Die Krankenhäuser schlagen wegen der steigenden Corona-Infektionszahlen in ganz Deutschland Alarm. Auch im Schwalm-Eder-Kreis machen sich die Kliniken große Sorgen. Das Fritzlarer Hospital zum Heiligen Geist spricht von einem rapiden Anstieg der Patienten auf der Intensivstation.

Von 16 Betten, die zur Verfügung stehen, seien aktuell alle bis auf eines belegt, heißt es gestern auf HNA-Anfrage. Fünf Betten seien für intensivpflichtige Covid-19-Patienten vorgesehen, davon sei eines frei. „Auf der Isolationsstation haben wir die Kapazität aufgrund der steigenden Zahlen deutlich erhöht, damit wir flexibel auf die Lage reagieren können“, sagt Sprecherin Magdalena Maria Bednarczuk.

Die Infektionsdynamik sei besorgniserregend. „Schwere, sogar tödliche Verläufe, insbesondere bei jüngeren Patienten, sind real“, heißt es vom Hospital.

Corona im Schwalm-Eder-Kreis: Infektionsstation in der Hardtwaldklinik I

Dass sich die Pandemie-Lage verschärft, ist auch daran erkennbar, dass die Hardtwaldklinik I in Bad Zwesten eine Infektionsstation für Covid-Patienten eingerichtet hat. Dort stehen vier Betten bereit. Das teilte Dr. Christoph Berwanger, Ärztlicher Direktor, auf HNA-Anfrage mit. Belegt sei die Station mit einem Covid-Patienten (Stand Dienstag). „Abhängig von der Entwicklung der Pandemie wären wir auch in der Lage, wieder mehr Betten zur Verfügung zu stellen“, sagt Berwanger.

Beim Blick auf die Corona-Lage in ganz Hessen falle auf, dass die Zahlen in Südhessen steil nach oben gingen, sagt Dr. Matthias Schulze, Ärztlicher Direktor der Asklepios-Kliniken Schwalm-Eder. Es müsse damit gerechnet werden, von dort Patienten verlegt zu bekommen. Bei Asklepios liegen zwei Covid-Patienten auf der Intensivstation und vier weitere auf der Isolierstation.

In der Hephata-Klinik in Schwalmstadt werden Betten für Covid-Patienten mit leichten bis mittleren Verläufen bereitgehalten. Ausgelastet ist die Klinik zur Zeit aber nicht. Aktuell habe man nur einzelne Patienten mit Covid, die schwerpunktmäßig wegen einer anderen Erkrankung aus dem neurologischen oder psychiatrischen Bereich behandelt werden, erklärt Chefarzt Dr. Bernd Schade.

Seit Beginn der Pandemie 5515 Fälle 

Im Schwalm-Eder-Kreis ist die Zahl der Infizierten im Vergleich zum Vortag noch einmal gestiegen: 26 weitere Menschen sind mit Corona infiziert (Stand Dienstagnachmittag), Todesfälle kamen nicht hinzu. Damit gab es im Landkreis seit Beginn der Coronapandemie im vergangenen Jahr insgesamt 5515 Fälle. In den vergangenen sieben Tagen haben sich nach Auskunft des Landkreises 185 Menschen infiziert, die Inzidenz liegt demnach bei 102,8. (chm)

Corona-Infektionszahlen im Landkreis steigen: Psychische Belastung fürs Team

Die Corona-Zahlen steigen, die Maßnahmen werden nur schleppend verschärft. Das ist für einige Kliniken im Schwalm-Eder-Kreis ein Grund zu großer Sorge. Vor allem die Teams auf den Intensivstationen der Krankenhäuser arbeiten vielerorts am Limit.

Aus dem Fritzlarer Hospital heißt es zwar: „Durch die strikte Trennung der Bereiche Covid und Non-Covid sind wir in der Lage, auch weiterhin unsere Patienten operativ zu versorgen.“ Aber: Sollte der Anteil der intensiv- und beatmungspflichtigen Patienten weiter ansteigen, würde sich das verändern.

Die derzeitige Lage sei grundsätzlich eine Fortschreibung der Situation des vergangenen Jahres. „Diese Dauerbelastung schlägt sich natürlich auch physisch und psychisch auf unsere Mitarbeiter nieder“, so Sprecherin Magdalena Maria Bednarczuk. Umso wichtiger sei es gewesen, allen Mitarbeitern des Hauses in Zusammenarbeit mit dem Gesundheitsamt ein Impfangebot machen zu können. „Wir sind sehr froh, dass die Impfbereitschaft gerade auch bei den jüngeren Mitarbeitern und Auszubildenden unserer Einrichtung so hoch ist“, sagt Bednarczuk.

Hephata-Klinik Schwalmstadt: Isolation für neu aufgenommene Patienten

Um einen Corona-Ausbruch zu vermeiden, werden in der Hephata-Klinik in Schwalmstadt alle neu aufgenommen Patienten zunächst isoliert und sowohl mit einem Antigen-Schnelltest als auch mit PCR-Tests getestet. Darüber hinaus ist das Klinikpersonal laut Hephata größtenteils geimpft.

Für schnelle PCR-Testergebnisse investiert die Klinik zudem derzeit in hochmoderne Labordiagnostik-Geräte. „Dies alles ermöglicht, dass wir als Hephata-Klinik unseren Versorgungsauftrag in Neurologie und Psychiatrie vollumfänglich gewährleisten können“, so Chefarzt Dr. Bernd Schade. (Daria Neu, Matthias Haaß, Christina Zapf, Damai D. Dewert)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.