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„Zukunft liegt im Handwerk“ – Kreistag stellt sich hinter Kreishandwerkerschaft

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Von: Maja Yüce

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Ausbildung im Handwerk: Die Ausbildung müsse auch künftig an Schulen im Landkreis stattfinden können, fordern Handwerk und Politik im Schwalm-Eder-Kreis.
Ausbildung im Handwerk: Die Ausbildung müsse auch künftig an Schulen im Landkreis stattfinden können, fordern Handwerk und Politik im Schwalm-Eder-Kreis. © Klaus-Dietmar Gabbert/dpa

Die Berufsschulen stehen vor großen Veränderungen. Doch hinter die Kreishandwerkerschaft stellte sich jetzt auch mehrheitlich der Kreistag des Schwalm-Eder-Kreises.

Schwalm-Eder – Die Berufsschulen in Hessen stehen vor großen Veränderungen – davon betroffen sind auch die Standorte im Schwalm-Eder-Kreis. Allerdings kritisiert die Kreishandwerkerschaft die Pläne der Landesregierung und sieht im Konzept „Zukunftsfähige Berufsschulen“ eine Schwächung der Ausbildung im ländlichen Raum. Hinter die Kreishandwerkerschaft stellte sich jetzt auch mehrheitlich der Kreistag des Schwalm-Eder-Kreises.

„Gut gemeint ist noch lange nicht gut gemacht“, sagte Dr. Martin Herbold (SPD). Es sei ein Plan gegen den ländlichen Raum, der verhindert werden müsse. Er nannte unter anderem den Ausbau des Distanzunterrichts als eine Möglichkeit, um die Ausbildung im ländlichen Raum zu stärken.

Das Land greife zu stark in die Zuständigkeit des Landkreises ein

Mit einem gemeinsamen Antrag forderten SPD, FWG-Piraten und FDP den Kreistag auf, das Projekt „Zukunftsfähige Berufsschule“ des Hessischen Kultusministeriums abzulehnen – dem folgte der Kreistag mehrheitlich.

„Es wird den Prozess verschwundener und verschwindender Berufsbilder rapide beschleunigen, zum Verlust weiterer Fachkräfte führen und schädigt damit nicht nur den ländlichen Raum, sondern den Mittelstand in Deutschland schlechthin und die gesamte Wirtschaft“, heißt es in dem Antrag.

Das Land greife zu stark in die Zuständigkeit des Landkreises ein. Es müsse darum gehen, die Standorte zu erhalten und mit ihnen eine Vielfalt der Ausbildungsberufe im Landkreis. Die Pläne des Kultusministeriums kämen einer Konzentration von Bildung in Ballungszentren gleich.

Das Problem der sinkenden Schülerzahlen sei nicht neu, doch müsse der Kreis bei der Lösungssuche aktiver werden

Stefan Völker (CDU) sprach davon, dass sich noch weniger junge Menschen aus dem Landkreis für eine Ausbildung im Handwerk entscheiden könnten, wenn die Pläne umgesetzt würden. Diese schadeten nicht nur den Berufsschulen im Landkreis, sondern auch dem Mittelstand und der Wirtschaft.

Das Problem der sinkenden Schülerzahlen sei nicht neu, doch müsse der Kreis bei der Lösungssuche aktiver werden und als Schulträger auch intervenieren. „Wir müssen auch über Blockbeschulung reden“, sagte Völker.

Das Konzept des Berufsschulcampus Schwalmstadt für ein Kompetenzzentrum Ernährung, welches von der Bäcker- und der Fleischerinnung im Landkreis unterstützt werde, nannte er als weiteres Beispiel. „Darüber müssen wir reden“, so Völker. Er forderte auch eine partnerschaftliche Zusammenarbeit der Berufsschulen.

Ausbildungszentren müssten aber nicht nur in Frankfurt, Wiesbaden und Kassel sein, sondern auch im ländlichen Raum

Christoph Sippel (Grüne) sagte, man dürfe sich der aktuellen Entwicklung nicht verschließen. Die Absenkung der Mindestschülerzahlen sei gut. Er betonte, dass die Ausbildungszentren dann aber nicht nur in Frankfurt, Wiesbaden und Kassel sein sollten, sondern auch im ländlichen Raum.

„Auch bei uns im Kreis“, sagte Sippel. Weite Wege von 150 Kilometern und mehr zur Berufsschule seien nicht zumutbar. „Da muss es neue Konzepte geben.“ Es existierten noch wichtige Stellschrauben, an denen gedreht werden müsse. Die duale Ausbildung sei ein Erfolgsmodell, doch gebe es schon länger sinkende Schülerzahlen.

„Ein weiter so ist nicht zielführend“, sagte Rüdiger Staffel (Freie Wähler). Man habe die Aufgabe, die Berufsschulstandorte gut aufzustellen und zu stärken.

Schwalm-Eder-Kreis: Die Zukunft liegt auch im Handwerk

Christel Bald (FWG) forderte eine Zusammenarbeit der Wirtschaft, der Ausbildungsbetriebe, der Schulen, der Schulträger und der Handelskammern bei dem Thema. Grundsätzlich wurde Landrat Winfried Becker (SPD): In den Plänen der Landesregierung gebe es keine Differenzierung zwischen Stadt und Land. „Das funktioniert nicht“, sagte er.

Es sei aber auch wichtig, wieder ein stärkeres Bewusstsein in der Bevölkerung für das Handwerk zu schaffen. „Die Zukunft liegt auch im Handwerk“, sagte Becker.

Ein guter erster Schritt sei die Absenkung der Mindestklassenstärke, doch konzeptionell müssten die Pläne der Landesregierung noch nachgearbeitet werden.

Hinterfragen könne man auch, ob die starke Spezialisierung bei den Berufen sinnvoll sei. Es gebe in Deutschland 326 Ausbildungsberufe, die in 600 Fachrichtungen untergliedert seien. „Das macht es schwer für berufliche Schulen.“ (Maja Yüce)

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