Der Ablauf ist schon klar geregelt

Rundgang im Fritzlarer Impfzentrum: Noch ist unklar, wann der Startschuss fällt

So sieht es im Fritzlarer Impfzentrum aus: Dort sind sechs Impfstraßen mit jeweils vier Kabinen aufgebaut. Schon jetzt ist genau geplant, wie alles ablaufen wird – doch noch wartet der Landkreis auf den Startschuss.
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So sieht es im Fritzlarer Impfzentrum aus: Dort sind sechs Impfstraßen mit jeweils vier Kabinen aufgebaut. Schon jetzt ist genau geplant, wie alles ablaufen wird – doch noch wartet der Landkreis auf den Startschuss.

In drei Altenheimen waren die mobilen Impfteams des Schwalm-Eder-Kreises bereits unterwegs, um Bewohner und Mitarbeiter einen ersten Schutz gegen das Coronavirus zu geben. Einige hundert Menschen sind also bereits geimpft worden. Schon am Dienstag, 29. Dezember, waren es 445 Personen.

Doch wann der Startschuss für das Fritzlarer Impfzentrum fällt, bleibt weiterhin unklar. Vor Mitte bis Ende Januar rechnet der Landkreis nicht damit, dass der Betrieb im Zentrum gegenüber der Georg-Friedrich-Kaserne aufgenommen werde. Das teilten Landrat Winfried Becker, die ärztliche Leiterin Nina Beyer und Verwaltungsleiter Thorsten Hassenpflug bei einem Rundgang vor Ort mit. „Wann bekomme ich einen Termin zum Impfen?“ Es sei diese eine Frage, die den Landkreis täglich mehrfach erreiche. Doch dieser bittet um Geduld und Vertrauen. Schließlich existierten für den Kreis selbst viele offene Fragen, auf deren Antwort er seitens Land und Bund warten müsse. „Dies ist eine riesige nationale Aufgabe. Es braucht Zeit und Verständnis, um diese zu bewältigen“, sagt Landrat Becker.

Beim Rundgang wollen er sowie Beyer und Hassenpflug trotzdem so viele Unklarheiten wie möglich beseitigen. Nina Beyer erklärt: „Es wird keine Einladung zum Impfen im Briefkasten landen.“ Stattdessen entwickele die Kassenärztliche Bundesvereinigung ein Anmeldesystem. Wenn der Zeitpunkt gekommen sei, werde eine deutschlandweite Kampagne gestartet. Anhand der bekannten Priorisierung können sich dann auch die Menschen im Schwalm-Eder-Kreis anmelden.

Die Priorisierung sei aber ganz klar vom Phasenmodell des Landes Hessens zu unterscheiden, betont Beyer. Das Modell legt fest, dass zunächst mobile Impfteams Alten- und Pflegeheime sowie Kliniken ansteuern, danach sechs regionale Impfzentren – darunter auch Kassel – angefahren werden können und erst, wenn hinreichend Impfstoff zur Verfügung steht, alle Zentren ihren Betrieb starten. Bislang sind 1590 Impfdosen im Schwalm-Eder-Kreis angekommen.

Ablauf im Impfzentrum: So ist der Plan

Hier gibt es die Spritze: Nina Beyer ist die ärztliche Leiterin des Impfzentrums und erklärt den Aufbau einer Impfkabine. 2

Was den Aufbau angeht, ist das Impfzentrum in Fritzlar bereits startklar. Noch weiß niemand, wann genau es losgehen wird – der Ablaufplan steht aber schon. Wir waren vor Ort.

Schwalm-Eder – Bislang sind nur ganz vereinzelt Autos auf dem Gelände gegenüber der Georg-Friedrich-Kaserne in Fritzlar zu sehen, wo seit Kurzem das Impfzentrum steht. Wenn der Betrieb aufgenommen wird, verändert sich das schlagartig. Denn schon draußen beginnt dann der Ablaufplan in puncto Impfen, den uns Nina Beyer, ärztliche Leiterin des Impfzentrums, und der Verwaltungsleiter Thorsten Hassenpflug, Schritt für Schritt erklärt haben.

Pre-Check

Alles beginnt mit einem Pre-Check, also einer Vorab-Kontrolle, an der Einfahrt auf das Gelände. „Dort wird beispielsweise die Temperatur gemessen, um sich zu vergewissern, dass die Menschen auch gesund sind“, sagt Bayer. Außerdem bekommen die Impflinge die nötigen Formulare, sollten sie diese nicht schon vorab, beispielsweise vom Hausarzt, erhalten haben.

Außerdem wird jeder mit einer Impfnummer versehen. „Wir wollen vermeiden, dass zu lange Warteschlangen im Zelt entstehen“, so Bayer. Daher soll das Warten möglichst draußen im Auto stattfinden. Eine LED-Leuchte zeigt dann per Nummer: Der Nächste ist dran.

Anmeldung

Im Innenbereich sind sechs Impfstraßen mit jeweils vier Kabinen aufgebaut. Vor jeder Impfstraße befindet sich eine Anmeldestation. „Dort wird die Krankenkassenkarte eingelesen, jeder wird im System erfasst“, sagt die ärztliche Leiterin. Eine Checkliste, die der zuständige Mitarbeiter austeilt, leitet dann durch die Impfstraße. Auf der Liste wird beispielsweise außerdem ausgefüllt: Gibt es Allergien? Wer führt die Impfung durch? Gab es Komplikationen?

Beratung und Impfung

Wer ein ausführliches Beratungsgespräch haben möchte, bekommt dieses in Kabine 1. In den drei weiteren Kabinen wird anschließend jeweils eine Person geimpft – entweder durch einen Arzt oder geschultes Assistenzpersonal.

Nachbeobachtung

Im Wartebereich sollen sich die Impflinge 15 Minuten nach der Impfung aufhalten.

Wer geimpft ist, gibt am Ende der Straße bei der Abmeldestation seine Formalia ab und begibt sich für 15 Minuten in den Wartebereich. Dort wird beobachtet, ob die Impfung auf den ersten Blick ohne weitere Komplikationen erfolgt ist. Sollte es jemandem schlecht gehen, sind ein Sanitätsdienst und ausgebildete Notfallsanitäter vor Ort.

Diese Fragen stellen sich viele zum Impfzentrum

Die Menschen im Schwalm-Eder-Kreis stellen sich zahlreiche Fragen rund um das Impfzentrum. Der Landkreis will zumindest in einigen Bereichen Licht ins Dunkel bringen. Er spricht über...

Impfungen in der ambulanten Pflege: In der ersten Phase des hessenweiten Modells sind die mobilen Impfteams nur in Alten- und Pflegeheimen sowie in Krankenhäusern unterwegs. Wer ähnlich alt oder gesundheitlich angeschlagen ist wie die Bewohner eines Heims und beispielsweise ambulant gepflegt wird, kommt – Stand jetzt – trotzdem erst in der zweiten oder sogar der dritten Phase an die Reihe. Diese Entscheidung liege nicht beim Landkreis, heißt es.

die Zahl der Mitarbeiter: Insgesamt werden gleichzeitig etwa 70 Mitarbeiter – unter anderem Ärzte, medizinisches Personal, die Teams an den Anmeldestationen – im Impfzentrum tätig sein, wenn der Betrieb startet. Es werde von 7 bis 22 Uhr in vier Schichten gearbeitet, erklärt Verwaltungsleiter Thorsten Hassenpflug. Bislang haben sich etwas mehr als 1000 Helfer gemeldet. „Darüber freuen wir uns sehr.“

die zweite Impfung: Auch in dieser Frage gibt es laut Landkreis noch keine abschließenden Informationen. Klar ist, dass für den hohen Schutz eine zweite Impfung nach 21 Tagen notwendig ist, erklärt die ärztliche Leiterin Nina Beyer. Ob die erste Gruppe Impflinge zuerst beide Impfungen bekommt, bevor die nächste Gruppe ihre erste Spritze bekommt – all das sei zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht klar.

einen dringenden Appell: „Ich wünsche mir, dass ein Großteil sich impfen lässt“, sagt Beyer. Außerdem bitten die Impfteams und der Landkreis um Verständnis, dass es noch nicht auf alle Fragen eine Antwort gibt. Man informiere rechtzeitig, sobald es etwas Neues gebe. „Es handelt sich um eine Mammutaufgabe“, betont auch Kreissprecher Stephan Bürger. Es sei, als würde man eine kleine Firma aus dem Boden stampfen, um schnellstmöglich zu einem normalen Leben zurückzufinden.

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