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Zwischen Kapelle und Kreißsaal: Seit 30 Jahren arbeitet Schwester Stella im Hospital in Fritzlar

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Von: Daniel Seeger

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Der Lieblingsort im Hospital: Schwester Stella auf ihrem Platz in der Kapelle des Krankenhauses. Hier sitzt sie zur Messe, zum Gebet oder zur Meditation.
Der Lieblingsort im Hospital: Schwester Stella auf ihrem Platz in der Kapelle des Krankenhauses. Hier sitzt sie zur Messe, zum Gebet oder zur Meditation. © Daniel Seeger

Sie ist ein Urgestein im Hospital zum Heiligen Geist. Seit 30 Jahren Arbeitet Schwester Stella auf der Geburtsstation.

Fritzlar – Schwester Stella kniet sich hin, blickt in Richtung Altar und bekreuzigt sich, als sie die kleine St.-Elisabeth-Kapelle im Hospital zum Heiligen Geist betritt. Das Sonnenlicht scheint durch die bunten Bleiglasfenster, vor einer Marienfigur am anderen Ende des Raumes flackert eine Kerze. „Das ist ein ganz besonderer Ort für mich“, sagt Schwester Stella. Sie ist eine von drei katholischen Schwestern, die im Hospital zum Heiligen Geist in Fritzlar arbeiten. Seit mittlerweile 30 Jahren ist sie in Fritzlar – und damit die Dienstälteste.

Äußerlich erinnert bei Schwester Stella wenig daran, dass sie eigentlich eine Nonne ist. Sie trägt einen roten Kasack, die typischen Dienstkleidung im Krankenhaus. Und doch ist sie Teil der „Kleinen Schwestern des Unbefleckten Herzens Mariä“, einer Kongregation, die keine Tracht trägt, anders als die Vinzentinerinnen, die vorher am Hospital tätig waren.

Die Aufgabe der Schwestern der Kongregation ist unter anderem der Dienst an Alten und Kranken. Viele wie sie gibt es nicht mehr im Hospital zum Heiligen Geist in Fritzlar. „Früher waren wir zu sechst, heute sind es nur noch drei Schwestern“, sagt Stella. „Die erste Schwester unseres Ordens kam im Januar 1990 nach Fritzlar“, erinnert sich Schwester Stella. Sie selbst folgte dann zwei Jahre später.

Jede Geburt „wie ein kleines Wunder“

Wenn die 62-Jährige über die Arbeit auf der Geburtsstation spricht, strahlen ihre Augen und sie fängt an zu lächeln. „Es ist immer wie ein kleines Wunder, wenn ich ein neugeborenes Baby sehe. Ich finde die Arbeit auf der Station einfach prima – hier fängt das Leben an.“ Doch manchmal brauche man auch starke Nerven und nicht immer laufe alles nach Plan. „Gott sei dank, habe ich es in den dreißig Jahren noch nie erlebt, dass auf unserer Station ein Kind verstirbt.“

Ursprünglich kommt Stella aus Polen – aus dem kleinen Ort Przybyslaw in Westpommern. Religion spielte für sie schon immer eine große Rolle. „Ich bin in eine katholische Familie geboren“, sagt sie. Daher habe sie schon seit jeher eine große Nähe zum christlichen Glauben gehabt.

Zum ersten Mal mit dem Orden in Berührung gekommen ist sie dann, als eine der Schwestern ihre Schule besuchte – die Jugendliche Stelle fragte die Schwester nach einem Kontakt zum Orden. „Die Adresse lag lange in meiner Schublade.“, erinnert sich die 62-Jährige. Immer wieder fiel ihr diese in die Hände, immer wieder schob sie den Zettel hin und her.

Die Kongregation

Die Kongregation der Kleinen Schwestern des unbefleckten Herzens Mariä wurde am 4. Oktober 1888 in Warschau gegründet. Ziele des Ordens waren die religiöse Bildung der Arbeiterklasse, die Verbesserung ihrer Lebensbedingungen nach der Industriellen Revolution. Die Schwestern eröffneten Armenhäuser und Zufluchtsorte für Arbeitslose und Kranke. Bis heute arbeiten viele der Schwestern in der Alten- und Krankenpflege.

Ein Schlüsselerlebnis gab es dann doch: „Eine Klassenkameradin hatte mit gesagt, dass sie noch eine Erstkommunion hatte. Ich habe sie dann bei der Vorbereitung unterstützt.“ Mit 19 Jahren entschied sich die junge Stella Bunczyk dann, Schwester Stella zu werden und in den Orden einzutreten. „Das war erst mal ein Schock für meine Familie.“ Und auch für sie selbst war die Veränderung groß. „Ich war früher sehr impulsiv.“ Eine Eigenschaft, die als Ordensmitglied nicht unbedingt gefragt ist.

Bete und arbeite: Schwester Stella ist seit 30 Jahren im Fritzlarer Hospital

„Wir leben nach den Benediktinischen Regeln – bete und arbeite“, sagt Stella. Das bedeutet: kein Eigentum und ein sehr strukturierter Tagesablauf. Neben ihrer Tätigkeit auf der Geburtsstation kümmert sie sich auch um die Seelsorge. „Wenn katholische Frauen auf der Station sind, gehe ich zu ihnen und biete ihnen ein Gespräch an.“ Außerdem ist sie gelegentlich Dolmetscherin für polnischsprachige Patientinnen.

„Hier ist der Ort, an dem ich zur Ruhe komme“, sagt Schwester Stella beim Gang durch die kleine Kapelle im Hospital, die direkt an den Wohnbereich der Schwestern angrenzt. Sie ist ein ganz zentraler Punkt in ihrem Alltag. Schon bevor ihre tägliche Arbeit auf der Geburtsstation im Hospital losgeht, sitzt sie hier gemeinsam mit den beiden anderen Schwestern, um zu beten. „Ohne Messe ist ein Tag für mich verloren“, sagt Schwester Stella. „Das ist für mich das, was für andere das Familienleben ist, auf das man sich nach der Arbeit freut.“ (Daniel Seeger)

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