Einkaufen soll auch Älteren leicht fallen

Seniorin prüft Generationsfreundlichkeit bei Discounter in Fritzlar

Eine ältere Frau steht mit Mund-Nasen-Schutz vor dem Teeregal in einem Discountermarkt. .
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Was es kostet, erkennt sie sofort: Erika Humpf macht im Fritzlarer Lidl-Markt den HNA-Test, um zu prüfen, ob dort generationsfreundliches Einkaufen möglich ist.

Ist im Laden generationsfreundliches Einkaufen möglich? Der Einzelhandelsverband Hessen-Nord hat einen Lidl-Markt in Fritzlar getestet und mit einem Zertifikat ausgezeichnet.

Wir waren bei einem Test des Verbandes dabei und haben uns dafür Unterstützung von der 78-jährigen Fritzlarerin Erika Humpf geholt. Sie hat exemplarisch den Lidl-Markt in Fritzlar geprüft und am Ende bewertet, ob sie als Seniorin ebenfalls das Zertifikat vergeben hätte.

Generationsfreundlichkeit bei Discounter: Der Eingangsbereich

Zunächst schauen sich die Testerinnen Beate Schmidt und Sandra Richter den Eingangsbereich des Marktes genauer an. „Wichtig ist, dass dieser gut erreichbar ist – und zwar für alle Altersklassen“, sagt Schmidt. Dabei sei natürlich auch ein Blick auf die Parksituation entscheidend. Ausreichend Behindertenparkplätze und Eltern-Kind-Parklplätze kann der Fritzlarer Lidl vorweisen.

Aber auch die Breite des Eingangsbereiches zählt. Schließlich müssten Mütter, Väter oder ältere Menschen teilweise einen Kinderwagen oder einen Rollator beziehungsweise Rollstuhl mitnehmen. Erika Humpf ist in puncto Beweglichkeit noch fit wie ein Turnschuh. Sie schnappt sich einen Einkaufswagen, ist aber froh, dass gerade in der Coronazeit der Eingang großzügig gestaltet ist.

Generationsfreundlichkeit bei Discounter: Die Regale

Auch im Inneren schneidet der Lidl-Markt gut ab. Die Seniorin ist zufrieden mit der großzügigen Bio-Abteilung gleich am Anfang. „Ich komme super an die oberste Ebene im Regal“, sagt die 78-Jährige, die etwas 1,60 Meter misst und somit durchschnittlich groß ist. „Schön übersichtlich“, fügt Humpf hinzu. Das sei ihr besonders wichtig, gerade weil die Produkte ansonsten sehr oft an unterschiedlichen Stellen in den Supermärkten stehen.

Außerdem könne sie schon aus ein paar Metern Entfernung gut die Preisschilder erkennen. „Auch das ist ein wichtiges Kriterium“, betont Sandra Richter vom Einzelhandelsverband. Als Kritikpunkt, den der Lidl-Markt noch verbessern sollte, nennt sie die Zutatenliste neben der Brot- und Brötchen-Selbstbedienungstheke. „Da bräuchte es eine Lupe, die Zutaten sind nämlich sehr klein gedruckt.“ Auch Humpf bestätigt: „Stimmt, das ist schwer zu erkennen.“

Lidl bekommt ein Zertifikat: links Sandra Richter und rechts Beate Schmidt vom Einzelhandelsverband Hessen-Nord machen den offiziellen Testgang durch den Markt. In der Mitte ist Filialleiter Stefan Große zu sehen.

Generationsfreundlichkeit bei Discounter: Die Gänge

Auf der Liste des Verbandes findet auch die Rutschfestigkeit des Bodens, die Beleuchtung sowie eine ausreichende Beschilderung – beispielsweise wenn gewischt wurde – eine Bedeutung. Barrierefreiheit sei ebenfalls ein zentrales Stichwort. „Im Lidl in Fritzlar gibt es nur eine Ebene. Daher sind weder Rolltreppe noch Fahrstuhl notwendig“, erklärt Schmidt.

„Es ist viel Platz, es ist hell und freundlich“, lautet Humpfs Fazit während sie durch die Gänge schlendert und das eine oder andere in den Einkaufswagen legt. Der, merken Schmidt und Richter an, müsse übrigens leicht und bequem zu schieben sein – auch ein Kriterium auf ihrer Liste.

Generationsfreundlichkeit bei Discounter: Die Hilfsbereitschaft

Um ein Zertifikat zu bekommen muss auch in puncto Hilfsbereitschaft der Mitarbeiter alles stimmen. „Wenn ein Kunde zum Beispiel frage, wo eine bestimmte Ware ist, sollten die Mitarbeiter ihn zum besagten Regal begleiten“, erklärt Richter. Das sei vor allem für ältere Menschen wichtig.

Hilfe sollte außerdem auch auf der Suche nach einer Kundentoilette gewährleistet sein. Diese muss laut Richter zudem gut ausgebaut sein. „Sie glauben gar nicht, wie schwierig das früher war“, erzählt Richter, die vor einigen Jahren selbst mit einem Zwillings-Kinderwagen einkaufen musste.

Generationsfreundlichkeit bei Discounter: Die Kasse

An der Kasse angekommen, sind weitere Kriterien entscheidend. Dazu gehören die Durchgangsbreite, die Lesbarkeit des Kassendisplays und die Schrift auf dem Kassenbon. Außerdem ist entscheidend, ob eine Ablagefläche an der Kasse vorhanden ist. „Ich würde das Zertifikat auf jeden Fall vergeben“, sagt Erika Humpf am Ende ihres Einkaufs und ist damit auf der Seite des Einzelhandelsverbandes. Sie habe sich wohlgefühlt. Lediglich den Aufdruck auf der Zutatenliste hätte sie ebenfalls nicht gut erkennen können. (Daria Neu und Peter Zerhau)

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