Leiterin der Grundschule geht in Ruhestand

Sie wollte fürs Lernen begeistern: Gabi Wolff verlässt Schule an den Türmen in Fritzlar

Gabi Wolff steht auf einer Treppe, umgeben von bunten Tüchern.
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Farbenfroher Weg in den Ruhestand: Gabi Wolff will sich künftig viel Zeit für die Kunst nehmen.

Eigentlich sind es immer die Schüler, die an der Fritzlarer Schule an den Türmen am letzten Schultag durch einen Regenbogentunnel auf ihren Weg in die Zukunft verabschiedet werden. Jetzt war es nun Gabi Wolff selbst, die diesen kunterbunten Weg gehen musste, denn die jahrelange Leiterin der Schule an den Türmen wurde in den Ruhestand verabschiedet.

Fritzlar - „Ich war immer gern Lehrerin“, sagt sie und ist rückblickend dankbar für die teils schlechten Erfahrungen, die sie selbst als Kind mit ihren damaligen Lehrern gemacht hat. „Dadurch habe ich mich früh entschieden, Kinder fürs Lernen begeistern zu wollen“, sagt Wolff und erinnert sich an die Unnahbarkeit und das Schubladendenken der Lehrer von einst.

„Mir war es all die Jahre wichtig zu schauen, was die Gründe waren, wenn ein Kind einmal etwas nicht konnte oder wollte“, so die quirlige Neupensionärin, die nach ihrem Schulabschluss zunächst einen anderen Weg einschlug und von 1974 bis 1977 in Bad Wildungen eine Ausbildung zur Kinderkrankenschwester machte. „Das war gar nichts für mich“, erinnert sich die am Twistesee lebende Pädagogin, die sich schnell umorientiert und von 1978 bis 1980 das Kasseler Abendgymnasium besucht hat, um ihre Hochschulreife nachzuholen.

Ab da sei klar gewesen, wo es für sie hingehen sollte. An der Kasseler Gesamthochschule studierte sie von 1981 bis 1984 Lehramt für die Sekundarstufe II mit den Fächerschwerpunkten Französisch, Kunst und Sport, um von 1989 bis 1993 noch die Grundschulpädagogik mit den Schwerpunkten Kunst, Sachunterricht und Deutsch oben drauf zu packen. „Dazwischen habe ich mich um die Erziehung meiner Kinder gekümmert“, sagt Wolff, die es nach ersten beruflichen Stationen in Korbach und Bad Arolsen von 2003 bis 2012 ins ferne Brüssel zog, wo sie als abgeordnete Grundschullehrerin im Auslandsschuldienst an der Europäischen Schule unterrichtete. „Das war eine wirklich schöne Zeit“, erinnert sich die „Lehrerin mit Leib und Seele“, die nach ihrer Rückkehr an der Fritzlarer Schule an den Türmen durchstartete.

„Hier fühlte ich mich schnell angekommen“, schwärmt sie von einem „Traum-Kollegium“, das ihr den Abschied durchaus schwer mache. Die vergangenen Monate allerdings hätten es ihr ein wenig leichter gemacht, die Pandemie nämlich sei die wohl größte Herausforderung ihrer gesamten Laufbahn gewesen. „Corona hat mich wirklich an den Rand meiner Kräfte gebracht“, blickt Wolff zurück. Am Ende des Tages sei viel zu wenig Zeit für sie selbst geblieben, und genau das wolle sie nun ändern. Endlich Freiräume für die geliebte Kunst zu haben, darauf freue sie sich ganz besonders. Ausstellungen und Galerien besuchen, vielleicht auf der documenta als Kunstführerin arbeiten, selbst kreativ sein, malen, gestalten – vor Langeweile habe sie absolut keine Angst.

„Ich habe viele Pläne, reise zwei mal im Jahr nach Kreta, möchte auch andere Teile der Welt bereisen, und um dafür fit zu bleiben, bin ich in meiner Heimat viel mit den Nordic-Walking-Stöcken in den Wäldern zwischen Bad Arolsen und Volkmarsen unterwegs“, sagt sie. Doch sie gesteht, dass ihr Gang durch den Regenbogentunnel zum Ferienbeginn noch nicht wirklich endgültig war. „Für ein paar Stunden komme ich zurück, aber nur, um meine Nachfolgerin einzuarbeiten.“ (Sascha Hoffmann)

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