„Das schaffe ich alleine nicht"

Sigrid Adam sammelt Müll in Fritzlar und sucht Mitstreiter

Mit gutem Beispiel voran: Sigrid Adam bei ihren Müll-Sammelaktionen. Dabei findet sie von der Mülltüte bis hin zu LKW-Teilen so ziemlich alles. Foto: SASCHA HOFFMANN

Sigrid Adam aus Fritzlar hat sich ein Ziel gesetzt: Sie will die Stadt vom Müll befreien. Doch dafür brauche sie unbedingt Hilfe. 

 Wenn die Vögel über ihr kreisen und munter vor sich hin zwitschern, zaubert das Sigrid Adam ein Lächeln ins Gesicht. „Anfangs hatten sie noch Angst vor mir und sind weggeflogen, heute singen sie mir ein Lied, als wollten sie sich bedanken.“ Die Fritzlarerin nämlich hat es sich zur Aufgabe gemacht, ihre Heimat vom Müll zu befreien, hatte sie während ihrer Streifzüge durch die Natur doch immer häufiger mehr Rot als Grün gesehen.

„Sie glauben gar nicht, was man alles findet“, erzürnt sich Adam, die es sich seit November vergangenen Jahres zur Aufgabe gemacht hat, Hecken, Wiesen und sonstige Grünanlagen von Unrat zu befreien. „Glauben Sie mal nicht, dass es sich dabei bloß um Bonbonpapier und Zigarettenschachteln handelt“, sagt die 59-Jährige und berichtet von Brotmaschinen, Schränken, Ölkanistern oder wie kürzlich sogar „Lkw-Teilen“, die sie aus einer Hecke gezogen hätte. Das mache sie schon wütend, gibt sie zu, maßregeln aber wolle sie dennoch niemanden. „Ich setze lieber auf das Gute im Menschen und hoffe, dass sie sich bei mir etwas abgucken“, so die Natur- und Tierliebhaberin. „Viele verstehen nicht, warum ich den Müll von anderen aufhebe, doch nur so geht es“, gibt sie direkt die Antwort, vom Rumlamentieren schließlich sei niemandem geholfen.

„Seitdem ich auflese, kommen immer mehr Menschen auf mich zu, die das richtig toll finden“, sieht sie sich in ihrer Auffassung bestätigt, als gutes Vorbild vorangehen zu müssen. Sie habe großes Verständnis, dass nicht jeder sammeln könne, viele müssten arbeiten, doch jeder könne schon durch Kleinigkeiten einen Beitrag leisten, etwa den Müll vor der eigenen Haustüre auflesen oder beim Spaziergang einfach das einsammeln, was einem unter die Füße komme. „Ich habe immer eine Tüte und Handschuhe dabei“, sagt sie und berichtet von Kofferraumladungen voller Müll, die so schon zusammen gekommen seien. Mittlerweile habe sie sogar einen Greifstab, um sich nicht immer bücken zu müssen. „Ich bin krank, deshalb auch in Frührente, da hilft mir das Werkzeug schon sehr“, erklärt sie und ist froh, dass Bürgermeister Hartmut Spogat ihr den Greifstab zur Verfügung gestellt hat. „Der freut sich über mein Engagement“, sagt sie stolz und betont, dass „sich die Männer von der Stadt ja schließlich nicht um alles kümmern können, dafür ist es einfach zu viel Müll“.

Wenn Sigrid Adam dann bei einem ihrer Müllstreifzüge durch Fritzlar zu hören bekommt, sie sei besser als Greta Thunberg, dann erfüllt sie das mit Stolz. „Das hat mir so viel Mut gemacht“, sagt sie und hat für die junge Aktivistin direkt auch eine Botschaft parat: „Statt mit Millionen Menschen zu demonstrieren, würde es mehr bringen, mit Millionen Menschen Müll aufzusammeln.“

Millionen Menschen braucht sie selbst zwar nicht, doch aber würde sie sich über etwas Unterstützung freuen. Menschen, die nicht allein losziehen zum Müllsammeln, sondern mit ihr zusammen. „Es gibt ein paar Ecken, die schaffe ich allein nicht“, sagt sie und hofft, dass sich Freiwillige bei ihr melden. Lohn sei für alle am Ende eine saubere Natur, und für die Helfer vielleicht auch ein Lied, das ihnen glückliche Vögel zum Dank singen.

Info: Wer Sigrid Adam bei ihren Aufräumaktionen in der heimischen Natur helfen möchte, kann per E-Mail Kontakt mit ihr aufnehmen: sigridfritzlar@t-online.de

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