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Wo Öl und Honig fließen: Fritzlarer Landwirte produzieren Sonnenblumenöl

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Von: Peter Zerhau

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Geschmacksprobe vor Ort mit Rüdiger Lederle (von links), Martin Volke und Oliver Hohmann.
Geschmacksprobe vor Ort mit Rüdiger Lederle (von links), Martin Volke und Oliver Hohmann. © Peter Zerhau

Martin Volke und Rüdiger Lederle aus Fritzlar produzieren Pflanzenöl aus eigenem Anbau. Dabei setzen sie auf ungewöhnliche Unterstützung.

Fritzlar – Seit Monaten ist Sonnenblumenöl ein knappes Gut. Auch der Lindenhof aus Fritzlar ist nun in die Produktion eingestiegen – und setzt dabei auf tierische Helfer. Die HNA besuchte den Lindenhof beim Ölpressen und auch die Imkerei Hohmann, wo das Sonnenblumenöl filtriert und abgefüllt wird.

Martin Volke und Rüdiger Lederle hatten sich aufgrund der riesigen Nachfrage nach Öl einige Ölpressen angeschaut und wurden dann im Internet fündig. Ein Vertreter kam mit einer Ölpresse auf den Lindenhof und führte das Gerät vor. Die beiden Landwirte waren sofort begeistert und entschlossen sich, zu investieren.

Damit wurden die im vergangenen Jahr auf drei Hektar angebauten Sonnenblumenkerne, die herkömmlich mit einem Mähdrescher geerntet wurden, jetzt gepresst. Für die Bestäubung der Pflanzen sorgen die Bienenvölker von Imker Oliver Hohmann. „Ab Oktober werden wir unser Angebot an frisch gepressten Ölen noch erweitern, dann bieten wir auch Rapsöl, Walnuss- und Kürbiskernöl aus eigener Produktion an“, sagt Volke.

Sonnenblumenöl aus Fritzlar: Bei der Premiere 200 Liter gepresst

Nach der Ernte mussten die Sonnenblumenkerne einen Tag trocknen und wurden für drei Monate eingelagert, ehe sie gepresst werden konnten. „Als wir die Ölpresse hier stehen hatten, haben wir eine ganze Nacht hindurch getestet und probiert, bis wir mit dem Ergebnis zufrieden waren“, sagen Martin Volke und Rüdiger Lederle. „Am Ende waren wir stolz, weil wir bei unserer Premiere 200 Liter Öl gepresst hatten“.

Eigentlich hätte die Saat bei einer Firma gepresst werden sollen, aber aus Termingründen entschieden sich die beiden Landwirte, das selbst in die Hand zu nehmen – mit Erfolg. Zurzeit reifen auf den Feldern rund um die Lindenhöfe Rapssaat, Walnüsse, Kürbisse und Sonnenblumen, die dann später zu Öl verarbeitet werden.

Der Pressvorgang

Vor dem Pressen muss die Saat von Fremdkörpern gereinigt werden. Dazu sollte sie eine Mindesttemperatur von 20 Grad haben, da die Ölausbeute dadurch höher ausfällt und sich die Saat auch besser pressen lässt, erklärt Volke. Die Presse ist schnell aufgebaut und wenn der Presskopf vorgeheizt ist, kann die Saat in den Fülltrichter geschüttet werden und los geht es. Das Öl muss eine Temperatur von 38 Grad haben, damit alle Vitamine und der Geschmack erhalten bleiben.

„Entgegen Raffinerieerzeugnissen werden hier bei uns keine Chemikalien zum Extrahieren zugesetzt“, sagt Martin Volke. Nachdem das Öl gepresst wurde, ist es aber noch nicht fertig für den Verkauf und Verzehr. Abgefüllt in Fässern mit jeweils 70 Liter Inhalt wird das Öl zu Imker Oliver Hohmann in den Gudensberger Stadtteil Gleichen gebracht, der es filtriert und in Flaschen abfüllt.

Das Filtrieren

Imker Oliver Hohmann arbeitet seit vielen Jahren mit Martin Volke und Rüdiger Lederle von den Lindenhöfen zusammen, hat in und an den verschiedenen Feldern Bienenvölker stehen, die für eine gute Bestäubung sorgen. In Gesprächen wurde das Thema Ölpressen erörtert und schließlich Nägel mit Köpfen gemacht.

Das Sonnenblumenöl vom Lindenhof in Fritzlar wird bei Imker Oliver Hohmann filtriert und abgefüllt.
Das Sonnenblumenöl vom Lindenhof in Fritzlar wird bei Imker Oliver Hohmann filtriert und abgefüllt. © Zerhau, Peter

Der Imker verfügte bereits über das Equipment zum Filtrieren für die Herstellung unter anderem von Essig. Der Vorteil der Zusammenarbeit ist, dass alles zu 100 Prozent regional ist und alles auch regional verarbeitet wird. Das angelieferte Öl wird schonend durch einen zwölfteiligen Schichtfilter geleitet, gelangt dann komplett klar in ein Fass, von dort aus in die Abfüllmaschine, wird in Flaschen abgefüllt und verschlossen.

Nach dem Etikettieren geht das Öl dann in den Verkauf an den Lindenhof zurück, ist aber auch im Hofladen von Imker Oliver Hohmann in Gleichen erhältlich. Mit dem Beginn der Sonnenblumenblüte hat Oliver Hohmann auch Bienenvölker in den Feldern stehen und lässt geschätzte 500 000 Bienen Sonnenblumenhonig produzieren. Der ist dann wie das Öl neben der Imkerei Hohmann auch im Lindenhoflädchen erhältlich. (Peter Zerhau)

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