Fritzlars Altbürgermeister Karl-Wilhelm Lange appelliert an Parteien der Stadt

Sorge vor finanzieller Schieflage in Fritzlar

Blick auf Fritzlar Dom Türme Altstadt
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Blick auf Fritzlar: Die finanzielle Situation der Stadt treibt Altbürgermeister Karl-Wilhelm Lange um.  

Fritzlar – Er hat lange überlegt, ob er mit dem, was ihn seit ein paar Wochen immer mehr beschäftigt, an die Öffentlichkeit geht. Doch letztlich wurde der innere Druck zu groß. Deshalb äußert sich Karl-Wilhelm Lange, Fritzlars Bürgermeister von 1994 bis 2012, jetzt zum ersten Mal nach seiner Amtszeit öffentlich zu den politischen Themen der Stadt. Denn zu groß sei seine Sorge, dass Fritzlar in eine finanzielle Schieflage schlittert.

Und somit die finanzielle Beweglichkeit der Stadt auf Jahre wesentlich eingeschränkt werde.

Karl-Wilhelm Lange (CDU) appelliert an die Parteien im Stadtparlament, die Planungen der Investitionen für den kommenden Haushalt noch mal einer kritischen Prüfung zu unterziehen. „Bei Realisierung aller in Aussicht gestellten Maßnahmen sehe ich die Gefahr, dass Fritzlar auf Dauer in einen unausgeglichenen Haushalt schlittert, was zwangsläufig zu einer höheren finanziellen Belastung der Bürger führen würde.“ Als ein Beispiel nennt er eine mögliche Erhöhung der Grundsteuer.

Lange mahnt nicht nur zur Vorsicht, er nennt auch Gründe für seine Bedenken: Es existiere bereits ein sehr hoher Fixkostenanteil, der sich noch erheblich erhöhen würde, wenn weitere Verwaltungsstellen geschaffen würden und dann noch der zu erwartende „immense Unterhaltungsaufwand für neue Gebäude und Einrichtungen hinzukommt“. Auch dafür nennt der Altbürgermeister Beispiele: die Maximalausnutzung Museum Hochzeitshaus, Gebäude Bürgerbüro, die geplante Stadtsporthalle.

Bei Letzterer dürfe man nicht nur die Kosten für den Bau der Halle im Blick haben, sondern müsse zwingend an die Folgekosten, etwa für die Unterhaltung, denken. Vor diesem Hintergrund müsse die Frage gestellt werden, ob sich Fritzlar diese Halle überhaupt leisten könne. „Es ergäbe sich auch ein erhöhter Abschreibungsbedarf für die neuen Projekte, der ebenfalls zusätzlich über den Haushalt erwirtschaftet werden müsste“, gibt Lange zu bedenken.

Eine neue Verschuldung für Fritzlar in Höhe von sieben Millionen Euro mit Aussicht auf Aufstockung im nächsten Jahr auf dann über 20 Millionen Euro müsse als bedenklich eingestuft werden, so Langes Fazit. „Zumal hier noch erhebliche Verbindlichkeiten der Stadt bei der Hessischen Landgesellschaft hinzugerechnet werden müssen.“ Einen geplanten Schuldenabbau ab 2025 könne man lediglich als „Prinzip Hoffnung“ oder Wunschdenken bezeichnen.

Parkplätze

Ein Thema, das in Fritzlar in den vergangenen Wochen diskutiert wurde, treibt Karl-Wilhelm Lange ebenfalls um: Die Diskussion um die Parkplatzbewirtschaftung: „Ich bin der Auffassung, das die neuen Parkplätze am Hohlen Graben und die bestehenden Parkplätze am Grauen Turm kostenlos zur Verfügung stehen müssen“, betont er. Dadurch vermeide man, dass Autofahrer dann nach anderen, kostenlosen Parkplätzen in den Seitenstraßen und Wohnbereichen suchen.

„Wir haben bewusst viele Einrichtungen in der Innenstadt etabliert, um diese lebendig zu halten. Damit einher geht auch ein erhöhtes Arbeitsplatz- und Publikumsaufkommen“, so Lange. Man dürfe die Menschen, die in Fritzlar arbeiten oder bummeln, nicht durch Parkgebühren in den Randbereichen der Innenstadt abschrecken. Es müsse zudem berücksichtigt werden, dass gewerbliche Einrichtungen der Innenstadt bereits erhebliche Summen an die Stadt gezahlt hätten für die Ablösung von Autostellplätzen.

Hessentag

Dass zum Hessentag in Fritzlar umfangreiche landwirtschaftliche Flächen als Parkplätze hergerichtet werden sollen, sieht Lange ebenfalls kritisch. Denn auch das bringe einen erheblichen finanziellen Aufwand mit sich. Und diene auch nicht dem Umweltschutz. Entschädigungen müssten gezahlt, die Flächen aufgeschottert und hergerichtet werden. Außerdem könne es auch zu Verschmutzungen durch die Fahrzeuge kommen.

Lange erinnert daran, dass für eine Bundeswehrveranstaltung eine Teilsperrung der Autobahn 49 erfolgte, die Flächen als Parkplätze genutzt und ein Shuttleservice eingerichtet wurde. „In einem anderen Fall sei die Autobahn tagelang für Fahrraddemonstranten gesperrt worden. Lange fragt: „Warum ist das nicht bei der größten Landesveranstaltung möglich?“

Doch sei das nicht die einzige Alternative. Es wäre aus seiner Sicht für den Hessentag auch möglich, die Straße zwischen Geismar und Wellen zu sperren – Umleitung des Durchgangsverkehrs über Wega/Ungedanken. Auch die Sperrung der Straße nach Zennern ab der Bundeswehrsiedlung bringt Lange ins Spiel. Entfernt könne man sogar die Straße von Haddamar nach Werkel in Betracht ziehen.

Alle Lösungen hätten gemeinsam, dass eine bereits versiegelte Infrastruktur in Anspruch genommen werde und die Parkplätze auch bei ungünstigen Wetterverhältnissen oder sogar bei Dauerregen problemlos genutzt werden könnten. Ganz abgesehen davon würde die Umwelt geschützt, da die landwirtschaftlichen Flächen für die Planung des Hessentages entbehrlich wären, so Lange.

Der Altbürgermeister wünscht sich insgesamt, aber gerade mit Blick auf die Investitionen, eine stärkere politische Diskussion ohne Aktionismus. Es sei an der Zeit für kreative Lösungen.

Von Maja Yüce

Karl-Wilhelm Lange

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