Sparkasse versteht Ärger gut

Sparkasse plant keine  massenhaften Kündigungen im Landkreis 

ARCHIV - 03.01.2014, Hessen, Frankfurt/Main: Zahlreiche Euro-Banknoten liegen auf einem Tisch. Die knapp 5500 Einwohner zählende Kleinstadt Gadebusch im Landkreis Nordwestmecklenburg leidet unter einer plötzlichen Abwanderung von Firmen, nachdem der Gewerbesteuer-Hebesatz deutlich heraufgesetzt wurde. (zu dpa "Firmen-Abwanderung aus Gadebusch - Kritik vom Steuerzahlerbund") Foto: Daniel Reinhardt/dpa +++ dpa-Bildfunk +++ | Verwendung weltweit
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Keine massenhaften Kündigungen im Landkreis geplant: Das Geld bleibt wo es ist

Zahlreiche Sparverträge wurden deutschlandweit bereits gekündigt. Im Schwalm-Eder-Kreis planen die Sparkassen dies allerdings nicht. 

Schwalm-Eder – Über Jahrzehnte war Geldsparen eine Tugend. Heute ist ein volles Konto längst nicht mehr die beste Möglichkeit, um finanziell auf der sicheren Seite zu sein. Die Zinsen sind im Keller. Das bringt vor allem die Geldinstitute in Schwierigkeiten. Einige Sparkassen in Deutschland haben daher bereits zahlreiche Sparverträge gekündigt. Ob dieser Schritt auch Kunden der Kreissparkasse Schwalm-Eder droht, das erklärt Fachmann Ulrich Siebald.

Die Sparkasse Nürnberg beendete im Herbst vergangenen Jahres etwa 21 000 Verträge, die Stadtsparkasse München verschickte zum selben Zeitpunkt etwa 28 000 Kündigungen. „Wir planen keine massenhaften Kündigungen“, beruhigt Siebald. Trotzdem macht er darauf aufmerksam, dass auch die Kreissparkasse Schwalm-Eder mit dem Niedrigzins zu kämpfen habe und Sparverträge daher viele Nachteile für sein Unternehmen hätten. Die derzeitige Coronakrise wirke sich zudem ebenfalls negativ auf die Zinssituation aus.

Sparverträge sind out

Sparverträge seien vor allem in den 1990er-Jahren sehr beliebt gewesen. „Damals war das derzeitige Niedrigzinsumfeld aber nicht vorstellbar und negative Zinsen überhaupt nicht denkbar.“ Finanziere ein Kunde beispielsweise sein Haus, verdiene die Sparkasse an den Zinsen, die er dafür zahlt, erklärt der Finanzexperte. Diese lägen mittlerweile aber nicht mehr bei sechs Prozent wie noch vor 20 Jahren, sondern teilweise nur noch bei etwa einem Prozent. Währenddessen bleibe der langfristig angelegte Sparvertrag aber bei einer Rendite von rund vier Prozent. Das heißt: Die Sparkasse zahlt am Ende sogar drauf.

Ulrich Siebald, Finanzexperte

Aber ob begründet oder nicht – viele Kunden ärgern sich über die Kündigungen ihrer lukrativen Verträge. „Wir können diesen Ärger verstehen“, sagt Siebald. Die Welt des Sparens habe sich aber eben verändert, so stark, dass es vor einigen Jahren noch nicht abzusehen war. Doch nicht alle Sparverträge dürfen von den Kassen bedingungslos gekündigt werden. Laut einem Urteil des Bundesgerichtshofes darf es nur dann zu einer Kündigung kommen, wenn die Sparkassenkunden den höchsten Satz der Premienstaffel erreicht haben.

Coronakrise: Auch Banken in alltäglicher Arbeit eingeschränkt

Bei der VR-Partnerbank Schwalm-Eder spiele das Thema Kündigung von Sparverträgen eine nicht ganz so große Rolle, teilt Pressesprecher Marco Rauthe mit. „Bei uns gibt es zwar auch Sparverträge, diese haben allerdings variable Zinssätze und passen sich automatisch an das aktuelle Zinsniveau an.“ Auch er sei sich sicher, dass die Coronakrise dafür sorge, dass das Zinsniveau auch in Zukunft nicht steigen werde. „Damit haben wir aber im Grunde ohnehin nicht gerechnet.“

Auch bei den Banken selbst sei die alltägliche Arbeit eingeschränkt. „Videokonferenzen, Kontaktminimierung mit Kunden und Ähnliches sind auch bei uns nun an der Tagesordnung“, sagt Rauthe.

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