Falsche Ärztin am Fritzlarer Hospital zum Heiligen Geist

Staatsanwaltschaft erhebt Mordanklage in fünf Fällen

Dr. Götz WiedStaatsanwalt

Die Liste der Vorwürfe gegen Maike W., die als falsche Ärztin am Fritzlarer Hospital zum Heiligen Geist für den Tod von fünf Menschen verantwortlich sein soll, ist lang. 

VON MAJA YÜCE

Fritzlar – Wegen des Verdachts des Mordes in fünf Fällen sowie der gefährlichen Körperverletzung in elf Fällen und des Verstoßes gegen das Heilpraktikergesetz hat die Staatsanwaltschaft Kassel gegen Maike W., die als falsche Ärztin am Hospital zum Heiligen Geist in Fritzlar gearbeitet hat, jetzt Anklage beim Landgericht Kassel erhoben. Wegen des Erschleichens der Anstellung in dem Krankenhaus werden ihr zudem Urkundenfälschungen und ein Betrug zur Last gelegt, so Oberstaatsanwalt Dr. Götz Wied.

Die 49-Jährige, die zuletzt in Kiel wohnte und seit dem 29. Oktober in Untersuchungshaft sitzt, steht in dem Verdacht, sich mittels gefälschter Unterlagen eine Anstellung als Assistenzärztin erschlichen zu haben. Sie war im Hospital von Anfang November 2015 bis August 2018 tätig, zuletzt im Controlling. Zuvor war sie in anderen Abteilungen eingesetzt, unter anderem bis Ende Oktober 2017 als Assistenzärztin in der Abteilung für Anästhesie. Dort soll die Beschuldigte als Assistenzärztin mehrfach eigenverantwortlich Anästhesien durchgeführt haben, obwohl sie nicht über die dazu erforderliche Ausbildung verfügte. Dabei sei es mehrfach zu Behandlungsfehlern gekommen, wie beispielsweise die fehlerhafte Dosierung der Anästhetika und das Übersehen eines Aspirationsereignisses. Angeklagt sind 16 Behandlungsfälle, in denen Gesundheitsschäden – etwa Organschäden durch eine mangelnde Durchblutung – eingetreten sein sollen. In fünf dieser Fälle sollen Patienten, zwei Männer (58 und 80 Jahre) und drei Frauen (77, 81 und 86 Jahre), aufgrund der Fehlbehandlungen – durch Multi-Organ-Versagen, schwere Schädigung des Herz-Kreislauf-Systems – verstorben sein. Das soll die Angeschuldigte aus eigensüchtigen Motiven in Kauf genommen haben, so der Oberstaatsanwalt. Außerdem muss sie sich wegen des Verdachts des gewerbsmäßigen Betruges in drei Fällen, Urkundenfälschung in fünf und Missbrauchs von Titeln und Berufsbezeichnungen in neun Fällen verantworten. Über die Eröffnung des Hauptverfahrens wurde noch nicht entschieden.  

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