Stadt kritisiert fehlende Genehmigung

Streit um eine Perle Fritzlars: Baggerarbeiten am Café Reuter machen Anwohner wütend

Dieses Grundstück erhitzt die Gemüter: Rund ums Café Reuter wurde gebaggert, weil dort Wohnungen entstehen soll. Einigen gefällt das gar nicht.
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Dieses Grundstück erhitzt die Gemüter: Rund ums Café Reuter wurde gebaggert, weil dort Wohnungen entstehen soll. Einigen gefällt das gar nicht.

Das Café Reuter am Eckerich in Fritzlar ist eine echte Perle der Domstadt. Jahrzehntelang war es ein beliebtes Ausflugsziel über die Grenzen des Schwalm-Eder-Kreises hinweg. Doch von der ursprünglichen Harmonie rund um das märchenhafte Gebäude ist zurzeit nichts mehr übrig. Denn zahlreiche Anwohner sind wütend über die Pläne eines Kasseler Investors, der auf dem Areal Wohnbebauung plant.

Fritzlar – Laut Stadt fanden die Arbeiten ohne Baugenehmigung statt. Der Investor selbst fühlt sich indes missverstanden. Die Gemüter scheinen erhitzt.

Einer von den Anwohnern ist Dirk-Michael Mansfeld. Auch andere Nachbarn äußern Kritik bezüglich des Vorhabens. Sie wollen jedoch namentlich nicht genannt werden. Auf dem Grundstück des Café Reuter war tagelang Betrieb. Eine Schotterstraße ist entstanden, Bagger waren unterwegs, seitlich des Gebäudes ist ein großer Erdwall zu sehen, Bäume wurden gefällt.

„Die machen einfach, was sie wollen“, sagt Mansfeld und zeigt sich ärgerlich. Die Rechtmäßigkeit der Rodung, des großen Erdaushubs und der Anlage von Straßen stellt er dabei komplett infrage. Bei den Bäumen habe es sich augenscheinlich nicht nur um Totholz, sondern auch um gesunde Exemplare gehandelt.

Naturlebensräume seien nicht beachtet worden. „Die grüne Lunge ist jetzt vollkommen zerstört.“ Vor einiger Zeit sei nahe der Fläche eine zu schützende Haselmaus entdeckt worden, immer wieder habe man Rehe vorbeispringen sehen. An ähnlich idyllische Anblicke sei nun nicht mehr zu denken. „Warum gilt hier oben das Baugesetz nicht?“, fragt sich Mansfeld. Ein weiterer Nachbar ergänzt: „Ich bin noch immer entsetzt.“ Kommunikation mit den Anwohnern habe zu keinem Zeitpunkt stattgefunden.

Nun fordern sie eine angemessene Ausgleichsmaßnahme, um unter anderem der Haselmaus durch das Anpflanzen von Sträuchern wieder einen Lebensraum zu schenken. Und: Sanktionen müssten her, finden die Anwohner.

Der Kasseler Investor der Firma „Königstor Baumanufaktur“ will sich auf HNA-Anfrage richtig verstanden wissen. Ihm sei klar, dass es noch keine Baugenehmigung gebe. Die Schotterstraße, der damit verbundene Erdaushub sowie die Baumfällarbeiten seien situationsbedingt entstanden. Auf Anordnung habe man die Arbeiten umgehend noch am selben Tag eingestellt.

„Zahlreiche Nachbarn selbst haben immer wieder in Briefen daraufhin gewiesen, dass die Bäume eine Gefahr darstellten“, erklärt der Investor. Diesem Wunsch habe er nachkommen wollen und die Bäume daher fällen lassen.

„Ich verspreche, mindestens 15 neue Bäume zu pflanzen“, sagt er in dem Wissen, dass auch das Fällen einiger gesunder Bäume nicht vermeidbar gewesen seien. „Ich kämpfe für die Natur.“

Die geschotterte Zufahrt habe man gebaut, damit kein Dreck mehr auf die Straße fließe. Ohnehin sei der Investor auf Sachlichkeit aus und wolle lösungsorientiert arbeiten. „Ich will doch etwas für die Fritzlarer gestalten.“ Er gehe davon aus, dass es sich bei dem Streit um ein großes Missverständnis zwischen allen Beteiligten handele.

Bezüglich des Erinnerungswertes des Cafés sagt der Investor: „Die Zeit bleibt leider nicht stehen.“ Ursprünglich habe man überlegt, das Café als Hotel auszubauen, dies sei am Ende aber auch nicht auf Zustimmung gestoßen.

Stellvertretend für den ehemalige Eigentümer-Familie Reuter äußert sich Immobilienmakler Philipp Reimann von Löwenburg-Immobilien: „Das Gebäude hat historischen Wert. Es ist eine Ära, die zu Ende geht. Nun folgt eine neue Ära.“ Familie Reuter selbst war nicht für ein HNA-Gespräch zu erreichen. Laut Investor wartet man nun auf die Abrissgenehmigung und auf die Beschlüsse seitens des Parlaments. Doch wie es tatsächlich auf dem Areal weitergeht, das steht nach Angaben der Stadt noch lange nicht fest.

Das sagen die Stadt Fritzlar und der Schwalm-Eder-Kreis

Zu den Bauarbeitern am Café Reuter haben sich auch die Stadt Fritzlar und der Schwalm-Eder-Kreis geäußert. Vor allem Bürgermeister Spogat ist nicht zufrieden mit dem Vorgehen des Investors.

Die Stadt: Die Erdarbeiten und das Anlegen von Wegen, die teilweise in den empfindlichen Bereich für die Forstwirtschaft übergehen, seien gesetzeswidrige Bauarbeiten, sagt Bürgermeister Hartmut Spogat. „Ich sehe große Schwierigkeiten für den Investor im weiteren Verfahren, also bei der Aufstellung eines Bebauungsplanes.“ Wer solche Vorarbeiten ohne Genehmigung öffentlicher Träger vornehme und damit Tatsachen schaffe, werde es in puncto Akzeptanz schwer haben. „Der Eckerich ist ein Wohngebiet mit hohen Erholungsfaktor und für die Gewinnoptimierung gänzlich ungeeignet“, so Spogat.

Für die Fläche rund ums Café Reuter hatte es bereits in der Vergangenheit einige Pläne gegeben, die das Fritzlarer Parlament jedoch aus unterschiedlichen Gründen abgelehnt hatte. Grundsätzlich könne man sich Wohnbebauung vorstellen, erklärt Spogat. Das wisse auch der aktuelle Investor. „Es gab allerdings noch keine verbindliche Zusage.“ Aufstellungs-, Auslegungs- und Satzungsbeschluss für das Vorhaben seien schließlich noch gar nicht gefasst worden. „Das Verfahren steht somit noch nicht einmal am Anfang“, sagt Spogat. Demnach gebe es auch noch keine konkreten Pläne.

Frühestens rechne Spogat im Sommer mit konkreten Beschlüssen. Feststehe, dass sich die Wohnbebauung an den Nachbargrundstücken orientieren solle. „Eine Massivbebauung ist nicht vorstellbar.“ Das Planungsrecht liege bei der Stadt. Noch steht nicht fest, wie das Vorhaben weiter gehandhabt werde. Auszuschließen sei ein Rückbau jedoch nicht.

Der Landkreis: In Bezug auf die Baumfällarbeiten äußert sich auf HNA-Anfrage die Untere Naturschutzbehörde des Schwalm-Eder-Kreises. „Es wurden Fichten, Lärchen, Douglasien, Buchen, Obstbäume sowie eine Weißtanne und Eibe entfernt.“ Den größten Anteil hätten dabei die bereits abgestorbenen oder durch den Borkenkäfer stark geschädigten Fichten gebildet. „Bei den übrigen Bäumen konnten ebenfalls deutliche Schäden festgestellt werden.“

Für die Haselmaus seien wichtigen Sträucher an der westlichen Grundstücksgrenze erhalten geblieben. „Da diese nun nicht mehr durch die geschädigten Fichten beschattet werden, werden sie in naher Zukunft die entstandenen Lücken der gefällten Bäume schließen und als Nahrungsgrundlage für verschiedene Tiere dienen können“, heißt es

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