Institution in Fritzlar

Das Ende einer Taxi-Ära: Ute Schmidt hört nach 27 Jahren auf

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Er übernimmt das Steuer: Ute Schmidt von Taxi Schmidt aus Fritzlar übergibt ihren Betrieb an Jens Marggraf. 

Fritzlar. Sie ist eine Institution in Fritzlar: Nach 27 Jahren macht Ute Schmidt nun aber Schluss. Sie gibt ihr Taxiunternehmen ab.

Nach 27 Jahren ist Schluss. Das Ende einer Ära. Ute Schmidt übergibt ihr Fritzlarer Taxiunternehmen an Jens Maggraf.

Ute Schmidt schüttelt den Kopf. Dass sie so lange Taxi fahren würde, hätte sie nicht gedacht. 27 Jahre machte sie die kleinen und die großen Touren. Sie brachte Schwangere ins Krankenhaus, Partygäste nach Hause und ein dringendes Ersatzteil für eine Eismaschine in die Schweiz. Ungezählte Kilometer hat sie in den Jahren gemacht, ungezählte Gäste in ihren Taxis ein- und aussteigen lassen. Am Montag ist offiziell Schluss. Die 74-Jährige hört auf.

Ute Schmidt übergibt die Autoschlüssel an Jens Marggraf. Der Unternehmer betreibt bereits Taxizentralen in Melsungen, Bad Wildungen und Rotenburg und wird nun Taxi Schmidt übernehmen. Für die Kunden ändert sich nichts, versichert Ute Schmidt. Die Telefonnummer, die Fahrer, die Autos. Das alles bleibt. Nur Ute Schmidt geht.

Die Schmidtsche Taxigeschichte begann am 3. Juni 1991. Als Fritzlar plötzlich ohne Taxi-Unternehmen dastand, sprang Ute Schmidt ein. „Ich hatte Angst vor den Uhrzeiten. Plötzlich musste ich auch nachts fahren“, erinnert sich die 74-Jährige. Angst sich nicht auszukennen, hatte sie nicht. Dazu war sie zuvor zu viel rumgekommen.

Im Busbetrieb Eder-Perle begleitete sie Touren durch Westeuropa, für die angeschlossene Werkstatt holte sie Ersatzteile aus Hamburg, München, Hannover und dem Ruhrgebiet. Eine wertvolle Erfahrung: „Dort habe ich das Straßennetz kennengelernt“, erklärt Schmidt.

In Kassel kannte sie sich ebenso gut aus wie in ihrer Heimatstadt Fritzlar. „Wenn jemand in die Kirchstraße wollte, wusste ich sofort, wo ich hinmusste.“ Ihr Gedächtnis hat sie geleitet, kein Navigationsgerät. Schmidt mochte ihre Kundschaft. Sie hatte die unterschiedlichsten Typen hinter sich sitzen – „vom Stinktier bis zum wandelnden Parfümladen“.

Schmidt hörte allen zu. „Wenn es mir zu bunt wurde, habe ich gesagt, dass ich mich konzentrieren muss. Die Leute verwechselten das Taxi mit einer abgedunkelten Kabine im Dom. Sie meinten, sie müssten mir ihre Sünden beichten.“

Einmal hatte es Ute Schmidt mit einem wahren Rosenkavalier zu tun. An die Tour erinnert sie sich gerne. Mit dem Fahrgast ist sie sämtliche Gärtnereien und Blumenläden in Fritzlar abgefahren. Mit einem Kofferraum voll Rosen ging es nach Kassel zur Angebeteten.

Ebenso unvergessen ist eine Fahrt vor gut 15 Jahren. Mitten in der Nacht klingelte das Telefon. Ute Schmidt sollte in Rothhelmshausen eine Schwangere abholen. Sie zog ihren Trainingsanzug über und fuhr los. Auf dem Weg rief sie im Krankenhaus an, es sollte alles vor eine Geburt vorbereitet werden.

Immer für die Fahrgäste da

Mit Ach und Krach erreichten Ute Schmidt und die Schwangere das Krankenhaus. Das erste Kind wurde noch auf der Trage geboren, das zweite im Kreißsaal. „Angst vor der Geburt hatte ich nicht“, betont Ute Schmidt. Für ihre Fahrgäste war sie schließlich immer die Frau Doktor. Sie hat Splitter aus der Haut gezogen und Pflaster geklebt. Für ihre Fahrgäste war Ute Schmidt immer da. 27 Jahre lang.

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