Zwei Soldaten aus Fritzlar in Mali gestorben

Autopilot schaltete sich plötzlich aus: Soldaten im "Tiger" hatten keine Chance

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Ein Kampfhubschrauber vom Typ Tiger 2017 beim Verladen in der Fritzlar Kaserne.

Berlin/Fritzlar. Weder extremes Klima noch feindlicher Beschuss haben zu dem tödlichen Absturz des "Tiger"-Kampfhubschraubers in Mali geführt. Fest steht: Der Autopilot schaltete sich plötzlich aus.

Aktualisiert am 28. Februar, 19.10 Uhr - Die beiden Piloten, die am Mittwoch, 26. Juli 2017 im afrikanischen Mali zu einem Einsatz mit ihrem Kampfhubschrauber vom Typ Tiger aufbrachen, hatten offenbar keine Chance. Kurz nach dem Start, 70 Kilometer entfernt von Gao, stürzte ihre Maschine ab.

Wie sich jetzt herausstellt, war möglicherweise eine Abweichung in der Längssteuerung des Autopiloten die Ursache für den Absturz, bei dem ein 33-Jähriger aus Neuental und ein 47-Jähriger aus Gudensberg ihr Leben verloren. Beide galten als sehr erfahrene Piloten, die schon an anderen Auslandseinsätzen teilgenommen hatten.

Nach Veröffentlichungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland und der Deutschen Presseagentur, die sich auf einen Bericht des Verteidigungsministeriums an den Bundestags beziehen, soll es zu einem Problem mit dem Autopiloten gekommen sein. „Das automatische Abschalten des Autopiloten wurde der Besatzung systemkonform nicht angezeigt und von ihr auch nicht wahrgenommen“, heißt es da.

Der Hubschrauber sei innerhalb von drei Sekunden in einen unkontrollierten, steilen Sturzflug gekippt. „Es ist davon auszugehen, dass die Besatzung von diesem Manöver überrascht wurde und, in Verbindung mit den aufgetretenen Kräften, ihre Handlungsfähigkeit vorübergehend stark eingeschränkt war.“

Kommandeur: Keine weitere Gefahr für Besatzung

Volker Bauersachs, Kommandeur des Fritzlarer Kampfhubschrauberregiments 36.

Es gebe allerdings noch weitere Untersuchungen, erklärte Oberst Dr. Volker Bauersachs, der Kommandeur des Fritzlarer Kampfhubschrauberregiments 36, zu diesen Berichten. Die Auffälligkeiten bei der Steuerung des verunglückten Hubschraubers seien in der Folge bei den anderen Tigern überprüft worden. Dabei seien keine Unregelmäßigkeiten festgestellt worden. Nach einer Pause von zweieinhalb Monaten habe man den Flugbetrieb im Oktober vergangenen Jahres unter Auflagen wieder aufgenommen. Bauersachs: „Wir fliegen mit Autopilot, gehen aber nicht in die Grenzbereiche.“ Die Tiger seien derzeit auch in den späten Abendstunden mit Autopilot unterwegs. Für die Besatzungen und für die Bevölkerung bestehe keine Gefahr.

Auch in den vergangenen Tagen flogen die Kampfhubschrauber teilweise bis gegen 23.30 Uhr. Die Besatzungen bereiten sich auch weiter auf Einsätze in Mali vor, denn die Bundeswehr ist dort noch immer gefordert. Die Soldaten, die in dem Krisengebiet Dienst bei dieser Stabilisierungsmission tun, werden turnusmäßig durch frische Kräfte ersetzt. Vier Tiger sind derzeit in Mali stationiert, 29 sind in Fritzlar stationiert. 79 Soldaten des Regiments befinden sich derzeit im Mali-Einsatz. Die Kampfhubschrauber können etwa Konvois beschützen und Aufklärungsflüge unternehmen.

"Wir fliegen dort regelmäßig im Rahmen unseres Einsatzes", sagte Bauersachs. Der ende am 30. Juni, und die Soldaten kehrten nach Fritzlar zurück. Es übernehmen dann Kräfte aus El Salvador.

Das geschah am 26. Juli 2017:

Am 26. Juli ist ein "Tiger"-Hubschrauber der Bundeswehr in Mali abgestürzt. Der in Fritzlar stationierte Hubschrauber war mit etwa 250 Stundenkilometern unterwegs, als er "plötzlich und für die Besatzung überraschend radikal die Nase senkte und in einen starken Sinkflug überging", wie es von der Bundeswehr heißt. Innerhalb von nur zehn Sekunden sei der Helikopter auf den Boden geprallt und habe Feuer gefangen. Der Absturz sei nicht zu überleben gewesen. Ein 33-jähriger Major und ein 47-jähriger Stabshauptmann des Kampfhubschrauberregiments 36 aus Fritzlar waren bei dem Absturz ums Leben gekommen.

Das ist der Tiger-Eurocopter:

Besatzung

Pilot und Schütze

Maße

14,08 Meter lang, 5,20 Meter hoch

Antrieb

Zwei Turbinen MTR390 mit je 1190 PS Dauerleistung

Geschwindigkeit

maximal 290 km/h

Einsatzreichweite

725 Kilometer

Einsatzdauer

maximal drei Stunden

Bewaffnung

Vier Luft/Luft-Raketen

bis zu acht Panzerabwehrraketen

bis zu 38 ungelenkte Raketen mit verschiedenen Gefechtsköpfen

bis zu zwei schwere Maschinengewehre 12,7mm mit je 400 Schuss

Mit dpa

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