Linie 413 von Borken nach Fritzlar überfüllt

Volle Schulbusse trotz Corona-Pandemie: Eltern fürchten Ansteckung

Haben Angst vor einer Ansteckung im Bus: von links Josy Seitz mit Mutter Kerstin Seitz aus Zennern und Julina Wielers mit Mutter Sarah Wielers aus Udenborn.
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Haben Angst vor einer Ansteckung im Bus: von links Josy Seitz mit Mutter Kerstin Seitz aus Zennern und Julina Wielers mit Mutter Sarah Wielers aus Udenborn.

Busse, in denen Schüler dicht an dicht sitzen und stehen. Von Mindestabstand ist keine Spur. Eine Situation, die nicht nur bei vielen Eltern in Coronazeiten für Unverständnis sorgt.

Rund 13 000 Schüler fahren im Schwalm-Eder-Kreis täglich mit Bus und Bahn. Doch: Nach den aktuellen Corona-Verordnungen des Landes Hessen, muss im öffentlichen Personennahverkehr – also auch in den Schulbussen – zwar ein Mund-Nasenschutz getragen, aber kein Mindestabstand eingehalten werden.

„Sehr unzufrieden“ mit dieser Lösung zeigt sich Landrat Winfried Becker. „Corona ist noch da, die Infektionszahlen steigen bundesweit und wir tun so, als wären wir frei von Corona“, sagt er mit Blick auf den Regelbetrieb in Schulen und die Beförderung. Der Schülertransport stelle, wie in anderen Bereichen in denen der Mindestabstand nicht konsequent eingehalten werden könne, ein Problem dar.

Überfüllte Schulbusse: Erhöhte Gefahr für die Übertragung von Infektionen

„In überfüllten Bussen, wo die mitfahrenden Schüler nicht den notwendigen Abstand einhalten können, geht eine erhöhte Gefahr für die Übertragung von Infektionen aus“, sagt Becker. Auch wenn es derzeit keinen Nachweis darüber gebe, dass es durch volle Busse zu einem erhöhten Infektionsgeschehen gekommen sei. Trotzdem sollte gerade in Bussen besonders auf das Tragen von Mund-Nasen-Masken geachtet werden. Allerdings sei eine vollständige Überprüfung nicht möglich. Würde ein Fehlverhalten festgestellt, erfolge eine Durchsage oder direkte Ansprache.

Zusätzliche Busse seien derzeit im Nordhessischen Verkehrsverbund (NVV) nicht im Einsatz. „Es stehen nicht so einfach genügend zusätzliche Fahrzeuge und Personal zur Verfügung.“ Man müsse aber für Abhilfe sorgen – in den Schulen und Bussen. Eine Lösung könnte sein, dass nach Schulende nicht gleich alle versuchten, in den ersten Bus zu kommen. „Oft stehen mehrere zur Verfügung“, so Becker. Eine andere: „Deutlich versetzte Schulanfangszeiten.“ Doch eine Entzerrung des Unterrichts, müsse das Kultusministerium entscheiden. Dort und auch beim NVV werde man darüber beraten. „Wir brauchen ein Konzept“, fordert Becker.

79 Fahrzeuge für den Schülerverkehr

Im ÖPNV sind im Schwalm-Eder-Kreis 95 Fahrzeuge eingesetzt, im freigestellten Schülerverkehr weitere 79 Fahrzeuge. 90 der Fahrzeuge sind Standardbusse, acht sind Gelenkbusse und 76 Kleinbusse. Der NVV weist darauf hin, dass in den ersten drei Wochen nach den Sommerferien sich traditionell viele Schüler erstmals orientieren und ihre Verbindungen ausprobieren, aber auch noch nicht alle Lernangebote der Schulen wie Arbeitskreise und Arbeitsgruppen gestartet sind.

Überfüllte Schulbusse: Mindestabstand von 1,5 Metern muss nicht eingehalten werden

In den Schulklassen und auf den Pausenhöfen im gesamten Land herrschen seit Ausbruch der Corona-Pandemie strenge Regeln. In den Schulbussen sieht das anders aus: Dort tragen die Schüler verpflichtend eine Mund-Nasen-Bedeckung, der nötige Hygieneabstand von 1,5 Metern muss aber nicht eingehalten werden. Das bestätigt Sabine Herms, Sprecherin des NVV gegenüber der HNA. „Der Mindestabstand von 1,5 Metern gilt nicht im öffentlichen Personenverkehr, so auch im freigestellten Schülerverkehr“, erklärt Herms. Dort müsse daher für die Dauer des Aufenthalts eine Mund-Nasen-Bedeckung getragen werden.

Diese Regel bereitet aber vor allem vielen Eltern große Sorge. Die Busse, die von vielen Schülern am Morgen und um die Mittagszeit genutzt werden, seien oft überfüllt. Kerstin Seitz aus Zennern und Sarah Wielers aus Udenborn haben Angst, dass sich ihre Töchter auf dem Weg zur Schule in den vollen Bussen anstecken.

Überfüllte Schulbusse: Beispiel Linie 413 zur Anne-Frank-Schule nach Fritzlar

Ihre Töchter Josy Seitz aus Zennern und Julina Wielers aus Udenborn fahren morgens mit der Buslinie 413 zur Anne-Frank-Schule nach Fritzlar. Die Linie 413 ist eine lokale Linie und ist beim Landkreis Schwalm-Eder angesiedelt, erklärt Herms. Wenn Julina Wielers in Udenborn in den Bus einsteigt, „dann ist der schon rappelvoll und mit mir steigen bestimmt noch sieben oder acht Schüler ein“, berichtet die Zwölfjährige.

Und wenn Josy Seitz in Zennern in den Bus einsteigen will, „dann wird sich schon gedrängelt und gedrückt, damit überhaupt alle in den Bus kommen“, sagt die Schülerin. Der Bus sei zuletzt so überfüllt gewesen, dass der Busfahrer während der Fahrt an die Zentrale gemeldet habe, „dass er nicht mehr wisse, wo er die ganzen Schüler noch hinstapeln solle“, berichten die Schülerinnen. In einem Fall habe der Busfahrer die Schüler sogar nicht mehr mitnehmen können, weil der Bus zu voll gewesen sei. Die Kinder mussten von den Eltern gefahren werden.

Das Problem ist aber nicht neu: „Die Schulbusse waren schon immer voll“, berichten die Mütter der beiden Schülerinnen. Nur hat sich die Situation in der Coronazeit deutlich verschärft. „Wir können das einfach nicht nachvollziehen“, sagt Sarah Wielers.

Überfüllte Schulbusse: Corona-Pandemie verschärft bekanntes Problem

Überall achte man darauf, dass der nötige Hygieneabstand eingehalten wird, erzählt Sarah Wielers, die im Einzelhandel tätig ist. „In dem Geschäft, in dem ich arbeite, achten alle darauf, dass man sich nicht zu nahe kommt“, sagt Wielers. Auch auf den Schulhöfen ist das der Fall, „aber in den Bussen haben die Kinder kaum genug Luft zum Atmen“, sagt Wielers. Sie sei bereits aktiv geworden und die Schule, den Landkreis sowie den NVV auf das Problem aufmerksam gemacht.

„Aber eine richtige Lösung hat niemand parat“, sagt sie. Die Mütter finden es unverantwortlich, dass während der Coronazeit nicht mehr Busse eingesetzt werden, damit der Abstand eingehalten werden kann. „Dann ist kein Wunder, dass es eine Woche nach Schulstart bereits an fünf Schulen Coronafälle gibt“, so Wielers. Hätten die beiden berufstätigen Mütter die Zeit übrig, würden sie ihre Kinder in der aktuellen Situation zur Schule fahren. „Aber selbst dann wird ja auch wieder gemeckert, wenn man Eltern-Taxi spielt“, sagt Sarah Wielers.

Von Maja Yüce und Linett Hanert

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