Vor Gericht

Vergewaltigungs-Vorwurf: Frau schildert Leidenszeit - "Du bist mein Besitz!"

Fritzlar. Um den Vorwurf der Vergewaltigung geht es in einem Verfahren gegen einen 51-jährigen Mann aus dem Schwalm-Eder-Kreis, das am Donnerstag vor dem Amtsgericht in Fritzlar begann.

Wenn es denn so war, dann tat der Angeklagte vieles, was kaum anzuhören und noch schwerer zu schildern ist. Das Opfer ist Zeugin und Nebenklägerin zugleich. So ist ihr Platz im Gerichtssaal neben der Staatsanwältin.

Sie ist zierlich. Kaum reichen ihre Schultern über die Rückenlehne des Stuhles. 2010 kam sie als Au-pair-Mädchen von Kenia nach Belgien. In der Gastfamilie gab es Probleme. „Vergewaltigung“ nennt eine Zeugin das dortige Geschehen.

Schnell ist ein neuer Platz in Baunatal gefunden. Dort verkehrt der angeklagte, mit jetzt 51 Jahren doppelt so alte Mann aus dem Schwalm-Eder-Kreis. Er bietet ebenfalls eine Au-pair-Stelle an.

Das Opfer spricht von Liebe in der ersten Zeit. Doch bald wird Sex zu jeder Tages- und Nachtzeit eingefordert. Dazwischen sieht sich der Mann Pornos an. Nach kurzer Zeit schon wird sie schwanger. Im 6. Monat hält er ihre Arme mit einer Hand fest. Mit der anderen reißt er Umstandskleid und Höschen herunter.

Ihr leises Nein geht in der Attacke unter. Sie hat Angst um das Ungeborene. „Du bist mein Besitz! Ich entscheide, ob Du in Deutschland bleiben darfst! Ich bin der Boss!“ Diese Drohungen lassen die Frau erstarren. Sie hat keine Freunde, keine Bekannten. Besuche werden nicht geduldet. Bisher konnte sie mit ihren Eltern in Nairobi telefonieren. Die monatlich 170 Euro Kosten sind dem gut verdienenden Mann zuviel. Telefon und Internet schaltet er ab. Die Falle ist zugeschnappt. Das Baby wird geboren, die Frau schildert weitere Übergriffe.

Dann kommt die Nacht, in der die Situation eskaliert. Die junge Mutter verlangt die Papiere des Kindes. Er hat die Nase voll und ruft die Polizei. „Nehmt sie mit. Sie wollte mit dem Messer auf mich los. Ich habe Angst.“

Erstmals sind neutrale, Schutz versprechende Personen im Haushalt. Die Mutter erzählt von den Vergewaltigungen. Sie wird ins Frauenhaus gebracht. Der massige Angeklagte bestreitet alle Vorwürfe. Er ist sichtlich erregt. Mehrfach muss das Gericht mahnen, den zur Aussage aufgerufenen Personen nicht ins Wort zu fallen.

Acht Zeuginnen werden vernommen. Darunter sind die vorherige, dunkelhäutige Partnerin aus München und die geschiedene, frühere Ehefrau aus Kuba. Es gibt mehrere Kinder, für die der Vater liebevoll sorgt, wie es die Mütter, auch das jetzige Opfer, betonen. Schwer wird es für die Justiz, häusliche Gewalt zu verdeutlichen, um dann die entsprechenden Gesetze anwenden zu können.

Zwei weitere Verhandlungstage sind vorgesehen.

Von Michael Meinicke

Rubriklistenbild: © dpa

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