Stimmverluste im Landkreis

Vision nicht transportiert: Kreischef Mark Weinmeister über Verluste der CDU

Zukunft im Landkreis: Anna-Maria Bischof (CDU) und Staatssekretär Mark Weinmeister auf dem CDU-Bundesparteitag 2018 in Hamburg.
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Zukunft im Landkreis: Anna-Maria Bischof (CDU) und Staatssekretär Mark Weinmeister auf dem CDU-Bundesparteitag 2018 in Hamburg.

Die CDU verlor im Landkreis 7,7 Prozentpunkte ihrer Stimmen. Sie landete bei 21,5 Prozent – schlechter als im Bundesschnitt. In keiner der 27 Städte und Gemeinden wurde sie nach Zweitstimmen stärkste Kraft. Die Landkarte ist rot. Wir sprachen mit CDU-Kreischef Mark Weinmeister über mögliche Ursachen.

Schwalm-Eder - Die CDU verlor im Landkreis 7,7 Prozentpunkte ihrer Stimmen. Sie landete bei 21,5 Prozent – schlechter als im Bundesschnitt. In keiner der 27 Städte und Gemeinden wurde sie nach Zweitstimmen stärkste Kraft. Die Landkarte ist rot. Wir sprachen mit CDU-Kreischef Mark Weinmeister über mögliche Ursachen.

Welche Erklärung haben Sie für die Stimmenverluste der CDU im Landkreis?

Die Stimmverluste sind erheblich und tun uns richtig weh. Dieses Ergebnis müssen wir annehmen und dürfen nichts schönreden. Wir haben mit Anna-Maria Bischof eine sehr gute Kandidatin aufgestellt, die fleißig im Wahlkreis unterwegs war und jede Gemeinde, jede Stadt und natürlich dadurch die Menschen im Wahlkreis kennengelernt hat. Sie hat an den Haustüren und über den Gartenzaun für sich und die CDU geworben. Das zeigt auch ihr besseres Erststimmenergebnis im Gegensatz zum Zweitstimmenergebnis. Wir haben es als Union insgesamt versäumt, deutlich zu machen, wofür wir stehen und was unsere Vision von der Zukunft in Deutschland ist. Da haben wir einiges aufzuarbeiten.

Welchen Anteil hat Armin Laschet an dem Ergebnis?

Als Kanzlerkandidat hat er natürlich einen prominenten Anteil am Gesamtergebnis. Seine gute Arbeit in Nordrhein-Westfalen konnte er in diesem Wahlkampf nicht auf die Straße bringen. Das hat uns nicht geholfen.

Hätte die CDU mit Markus Söder ein besseres Ergebnis geholt?

Ich will mich da nicht an Was-wäre-wenn-Spekulationen beteiligen. Markus Söder wäre ein guter Kanzlerkandidat gewesen, aber wir haben ja nicht nur wegen des Kanzlerkandidaten verloren, sondern weil wir auch inhaltlich nicht rüberbringen konnten, für was wir stehen.

Sind die Zeiten der großen Volksparteien vorbei?

Das ist nicht mein Gefühl. Der Erfolg und die Stärke unseres Landes hängt ganz eng mit stabilen Volksparteien zusammen. Die CDU Schwalm-Eder und ich als ihr Kreisvorsitzender werden hart für das Vertrauen der Menschen hier arbeiten, auch um eine Zerfaserung unseres politischen Systems zu verhindern.

Aber ist es realistisch zu glauben, CDU und SPD kämen im Bund noch mal auf über 30 Prozent?

Ja. Die Schwäche der Volksparteien liegt meines Erachtens auch zu einem Teil an einer langen Phase der Großen Koalition. Diese gefühlte ewige Große Koalition wird sich in der neuen Bundesregierung nicht mehr fortsetzen, und die Unterschiede kommen dann wieder mehr zur Geltung. Dies kann dazu führen, dass die Volksparteien auch wieder mehr Wählerinnen und Wähler hinter sich versammeln können.

Schmerzt es, keinen CDU-Abgeordneten mehr aus dem Wahlkreis in Berlin zu haben?

Natürlich schmerzt das. Wir hatten in den vergangenen Jahrzehnten immer einen Vertreter in Bonn oder Berlin und hätten uns gefreut, wenn Anna-Maria Bischof unsere Heimat im Bundestag vertreten hätte. Ich habe die kleine Hoffnung, dass sie vielleicht im Laufe der Wahlperiode nachrücken kann. Aber es ist der demokratische Wille der Wähler, und den akzeptieren wir selbstverständlich.

Wie bekommen Sie jetzt lokale CDU-Themen nach Berlin?

Mit Armin Schwarz aus Waldeck-Frankenberg haben wir einen sehr guten Kenner des Schwalm-Eder-Kreises im Bundestag sitzen, der auch unsere Themen transportieren wird. Da arbeiten wir ganz eng innerhalb der CDU in Nordhessen zusammen.

Auch in ehemaligen CDU-Hochburgen gingen die Prozentpunkte nach unten, wie kann es wieder bergauf gehen?

Wenn die Punkte überall nach unten gehen, dann natürlich auch in unseren Hochburgen. Das Wahlergebnis gilt es jetzt aufzuarbeiten. Nur wenn wir den Menschen glaubhaft vermitteln können, dass wir es verstanden haben und uns neu aufstellen, um Vertrauen in die Union wieder zu erlangen.

Wie kann es die CDU schaffen, mit Personal aus dem Wahlkreis auf der Landesliste einen Spitzenplatz zu bekommen?

Ich denke, wir sind mit Anna-Maria Bischof sehr gut aufgestellt. Eine junge, intelligente Frau, die viel Potenzial hat, wird ihren Weg auch innerhalb der Landespartei gehen. Dafür, dass sie zum ersten Mal kandidierte, hatte sie einen guten Platz erhalten. Bisherige Abgeordnete waren teilweise hinter ihr. Wenn sie in vier Jahren erneut kandidiert, hat sie alle Chancen, auch auf der Landesliste weiter nach vorn zu kommen.

Könnte sich das aktuelle Stimmungsbild auf die Landtagswahl auswirken?

Da geht noch viel Wasser die Fulle runter. Bis zum Herbst 2023 wird die neue Bundesregierung viele Entscheidungen getroffen haben, die dann natürlich die Stimmung beherrschen werden. In der Politik ändern sich die Stimmungen so schnell, dass man jetzt nicht ernsthaft eine Aussage für die Landtagswahl machen kann.

Mit welchem Personal geht es in den Landtagswahlkampf?

Das entscheidet die CDU Schwalm-Eder im Herbst nächsten Jahres. Da werden wir ganz genau zuhören, was unsere Parteimitglieder wollen. Wir sind in allen Altersgruppen und Berufen, egal ob Mann oder Frau, gut vertreten. Darum ist mir darum auch nicht bange. (Damai Dewert)

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