Kuratorin erklärt ihre Arbeit

Vor Eröffnung des Fritzlarer Dommuseums: So wurde es gestaltet

Kuratorin und Kunsthistorikerin Stefanie Cossalter-Dallmann steht mit verschränkten Armen vor einem bunt bemalten  historischen Vitrine.
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Mit viel Geduld und Akribie: Kuratorin und Kunsthistoriker Stefanie Cossalter-Dallmann hat das Konzept fürs Fritzlarer Dommuseum entwickelt.

Es funkelt beim Betreten des Domschatzes in Fritzlar. Einige Ausstellungsstücke sind bereits perfekt in Szene gesetzt, an anderen Stellen im Raum sieht es noch ziemlich nach Baustelle aus.

Fritzar - Am 7. September soll die neue Dauerausstellung des Dommuseums eröffnet werden. Bis zu diesem Zeitpunkt sind mehrere Jahre Arbeit, Fingerspitzengefühl, Wissen und Geduld in das Vorhaben geflossen. Eine tragende Rolle dabei spielt Kuratorin und Kunsthistorikerin Stefanie Cossalter-Dallmann aus Offenbach. Sie hat das Konzept für das Museum entwickelt – und sich bei jedem Detail etwas gedacht.

Die Expertin erklärt, wie sie bei der Konzeption eines Museums vorgeht, worauf es ankommt und vor allem in der Fritzlarer Zeitgeschichte das Besondere ist. „Dies ist zwar kein großes Museum, dafür gibt es hier aber eine herausragende Sammlung“, betont Cossalter-Dallmann. Wichtig sei ihr, die Kunst nicht nur als Werk zu präsentieren, sondern sie auch in den Funktionskontext zu setzen. Wofür stand eine bestimmte Reliquie beispielsweise vor vielen Jahrhunderten, wie hat sie sich im Laufe der Zeit verändert und welche Bedeutung hat sie noch heute?

Der Besucher soll mitgerissen werden, einfach nur staunen, die Werke auf sich wirken lassen oder tiefer in einen Sachverhalt eintauchen – so wie er eben gerade möchte. Das Museum lädt ein zu einem Tauchgang in eine mehr als 1000 Jahre alte Geschichte. Das Interessante daran ist: „Viele Objekte befinden sich noch immer an dem Ort, für den sie einst geschaffen wurden“, erklärt die Kuratorin. Das Heinrichskreuz zum Beispiel, das bekannteste Stück, sei schließlich noch immer in Gebrauch.

Die Herausforderung bei der Konzeption eines Museums sei es, die Kunst richtig in Szene zu setzen. „Schon allein die richtige Beleuchtung kann dafür sorgen, dass das Ausstellungsstück zum Leben erweckt wird.“ Die schwierigste Frage sei übrigens nicht: „Was zeige ich?“, sondern vielmehr „Was zeige ich nicht?“

Zunächst habe Cossalter-Dallmann die Sammlung kennenlernen müssen. „Ich muss mich mit jedem Stück vertraut machen und mich auch über den Forschungsstand sorgfältig informieren.“ Vor allem in Fritzlar sei es dann ihre Aufgabe gewesen, aus der vorhandenen Sammlung eine Ausstellung herauszuarbeiten. „Andere Konzepte erlauben es auch, Exponate hinzuzukaufen. Das sollte hier aber nicht so sein“, erklärt sie.

Zuletzt sei es wichtig, zu ermitteln, welche Themen sich aus dem Objektbestand ergeben. „Ich wollte ein schlüssiges Gesamtkonzept – einen roten Faden.“

Domschatz und Dommuseum sind nicht die einzigen neu gestalteten Teile des Gebäudes. Bereits fertiggestellt sind die neuen Räume des Pfarrbüros im Haus. In neuem Glanz erstrahlen sollen auch die Dombibliothek und der Domladen. Und damit nicht genug: In einem zweiten Bauabschnitt wird in der nächsten Zeit auch der Kreuzgang im Dom saniert.

Wie die Eröffnung im September stattfindet, ist derzeit aufgrund der Coronalage aber noch unklar. (Daria Neu)

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