Macher des größten Metal-Festivals als Berater und Netzwerker

Wacken-Gründer steigen bei Rock am Stück in Fritzlar ein

Vier der sieben Gesellschafter: (von links) Torsten Schmidt, Michael Döring, Alexander Elgner und Torben Stehl.

Geismar/Wacken. Die Erfolgsgeschichte des Festivals „Rock am Stück" geht weiter. Jetzt ist den Organisatoren auch hinter den Kulissen ein Coup gelungen.

Die ICS Festival Service GmbH ist als Gesellschafter eingestiegen. Die steht für nicht weniger als das Wacken-Open-Air - das größte Metal-Festival der Welt.

Die Wacken-Gründer Thomas Jensen und Holger Hübner fungieren ab sofort als Berater für Rock am Stück (RaS). Sie kennen das nordhessische Festival über die von ihnen vertretenen Künstler Doro Pesch und Saxon, die bereits im kleinen Fritzlarer Stadtteil Geismar auf der Bühne standen.

Thomas Jensen

Die Wacken-Macher setzen sich bundesweit für die Unterstützung kleinerer und mittlerer Festivals mit gleicher Ausrichtung ein, erklärt Michael Döring vom RaS-Team der Lohr-Berg-Werk-Promotion. Auch bei RaS würden sie künftig partnerschaftlich beraten und als Netzwerker zur Seite stehen, erklärt Döring. „Fehler, die wir schon mal gemacht haben, müssen ja nicht nochmal gemacht werden“, so Jensen.

Man kenne sich schon seit zwei Jahren. Jensen habe bei RaS einen ähnlichen Spirit gespürt, wie zu den Wacken-Anfangszeiten. Was zunächst ein tolles Kompliment war, gipfelt jetzt in der Beteiligung. „Wir sind stolz, dass sie dabei sind und sich mit uns beschäftigt haben“, sagt Döring. „Anfangs haben wir nach der versteckten Kamera gesucht“, sagt er und lacht. Doch es war den Wacken-Machern ernst.

Ändern werde sich bei RaS nichts und man plane auch kein Mini-Wacken, betont Döring. „Unser Festival passt in deren Backstagebereich. Wir wollen in gesunden, überschaubaren Schritten wachsen, uns nicht überheben.“ Die ICS sei einer von sieben gleichberechtigten Gesellschaftern. RaS werde RaS bleiben: „Authentisch, für kleine, mittlere und große Bands, aber vor allem auch für den lokalen Nachwuchs. Hauptsache es rockt!“

Wacken 2015: Blick aufs berühmte Metal-Festival

Rock am Stück - Festival von Fans für Fans

Das Festival Rock am Stück hat als Markenzeichen eine brennende Gitarre, ebenso brennen die Organisatoren für die Veranstaltung. Seit der Gründung ist RaS kontinuierlich gewachsen. „Wir sind auch nur Fans und wollen für alle Fans ein tolles Festival präsentieren“, sagt Torsten Schmidt, einer von insgesamt sieben Gesellschaftern. Deshalb sei ihm auch ein Freudenschauer über den Rücken gelaufen, als er erfuhr, dass die Wacken-Gründer bei Rock am Stück einsteigen wollten. „Sie haben uns gefragt, wir haben uns nicht angeboten“, so Michael Döring. Im HNA-Gespräch erklären die RaS-Macher ihr Festival-Erfolgsgeheimnis.

Bei Rock am Stück ist der Name offenbar auch abseits der Bühne tatsächlich Programm, das Festival ist Stück für Stück gewachsen. Was ist das Geheimnis des Erfolges?

„Wir bleiben unserer Linie treu“, sagt Alexander Elgner. Standen in den ersten beiden Jahren ausschließlich regionale Nachwuchsbands auf der Bühne am Lohrberg, erweiterte das Orga-Team ab 2011 sein musikalisches Angebot Jahr für Jahr. Eine rockende Mischung für (fast) jeden härteren Musikgeschmack bildet seitdem den Grundgedanken hinter dem jährlichen Live-Programm. Nach wie vor ist es den Machern wichtig, dem regionalen Nachwuchs eine Chance zu bieten, vor größerem Publikum zu spielen und sich die Bühne mit bekannten Bands zu teilen.

Die Organisation für das Festival ist auch mehr geworden. Ist das alles überhaupt noch zu schaffen?

Die sieben Gesellschafter leisten die Arbeit rund um das Festival natürlich nicht alleine. „Alles steht und fällt mit der Crew. Ohne die über 70 Helfer – die alle jederzeit abrufbar sind – wäre es nicht zu leisten“, sagt Torsten Schmidt. Der jüngste Helfer ist 14 Jahre, die ältesten über 60 Jahre.

Was war bislang das schönste Erlebnis rund um Rock am Stück?

„Das hatten wir erst vor Kurzem“, erklärt Michael Döring: Nigel Glockler von der Band Saxon, einer der besten Schlagzeuger, habe RaS weiterempfohlen. Daraufhin hat sich eine Band aus New York beworben. „Das ist Hammer, weil es zeigt, dass sich die Bands bei uns wohlfühlen. Es zeigt auch, dass wir nicht die Jungs vom Dorf sind, die eine Wald- und Wiesenkirmes organisieren, unser Festival hat sich etabliert.“

Soll aus Rock am Stück jetzt ein zweites Wacken werden?

„Nein! Weder ICS noch wir wollen das. Es war nie unser Masterplan, ein zweites Wacken auf die Beine zu stellen. Das haben uns höchstens mal unsere Kritiker in der Anfangszeit vorgeworfen“, sagt Michael Döring. Wacken könne man nicht kopieren, Wacken sei einzigartig. „Wir haben gar nicht den Platz dafür, Wacken-Dimensionen zu erreichen. Unser Festival passt in deren Backstagebereich.“

Wie sieht denn Ihre Zukunftsvision von Rock am Stück  aus?

Georg Kessler

"Wir wollen in gesunden, überschaubaren Schritten wachsen, uns dabei nicht überheben. Dafür lieben wir unsere Sache zu sehr und wollen diese auch in ein paar Jahren noch gemeinsam mit unserer Crew machen“, sagt Alexander Elgner. Es gebe aber tatsächlich einige Parallelen zwischen Wacken und RaS: „1990 hat man das Wacken-Open-Air gegründet, um eine Auftrittsmöglichkeit für die eigene Band Skyline zu bekommen. Wir haben in 2009 RaS gegründet, da unsere Playback-Band Ex&Hopp sonst nie einen größeren Auftritt bekommen hätte“, sagt Elgner. „In Wacken unterstützt Landwirt Uwe Trede das Festival, bei uns war es anfangs der Landwirt Charly Kleinschmitt, inzwischen Georg und Heinrich Kessler. Aber das ist reiner Zufall“, so Michael Döring.

In Kürze: Zwei Tage feiern

Zum ersten Mal wird in diesem Jahr Rock am Stück an zwei Tagen gefeiert: Freitag, 22. bis Samstag, 23. Juli. Am Start sind „Gloomball“ mit Heavy Rock vom Feinsten, „My’tallica“ als die meistgebuchte „Metallica“-Tribute-Band Deutschlands, „Hämatom“ mit ihrem neuen Album „Wir sind Gott“, die deutschen Power Metal-Durchstarter „Orden Ogan“ und acht weitere Live-Bands, dazu ein DJ-Team.

Die Karten

Das Kombiticket als Rundum-Sorglos-Paket für Freitag und Samstag kostet 32 Euro; zudem gibt es Tagestickets: Freitag (12 Euro) und Samstag (24 Euro). Karten gibt es bei der HNA, in der Touristinfo Fritzlar sowie im lokalen Vorverkauf, z.B. in Uschi’s Wollstube oder im Autohaus Sauer in Fritzlar, bei ACS Computer+IT in Homberg, in der Buchhandlung Bücherwurm in Borken, bei Hieb & Stichfest in Bad Zwesten und im Internet: www.rock-am-stueck.de

Riesengroß

In Wacken wird jährlich das größte Metal-Fetival der Welt gefeiert. Ursprünglich hat das Festival mal ganz klein, mit 800 Besuchern, begonnen – fast so wie Rock am Stück in Geismar. Doch soll RaS gar nicht so riesig werden, könnte es allein aus Platzgründen auch nicht. Während nach Wacken stets um die 75.000 Fans pilgern, kamen 2015 etwa 2000 Fans nach Geismar. Maximal könnte das Gelände dort 15.000 Besucher fassen, doch ist das nicht das Ziel der Veranstalter.

Knapp 2000 Besucher kamen 2015 nach Geismar

Das Open-Air-Festival im Fritzlarer Ortsteil Geismar gibt es seit 2009, zwei Jahre später wurde die LohrBergWerk Rock-Promotion ins Leben gerufen, um eine solide Basis für die Planung und Durchführung der Veranstaltung zu haben. Um ein Wochenende zu rocken, wird das ganze Jahr über gearbeitet.

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