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Warum das Heinrichskreuz weg ist

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Von: Maja Yüce

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Der Stolz der katholischen Gemeinde St. Peter in Fritzlar: das Heinrichskreuz.
Der Stolz der katholischen Gemeinde St. Peter in Fritzlar: das Heinrichskreuz. © Bistum Hildesheim/Domgemeinde St. Peter

Es ist das Herzstück der Ausstellung im Fritzlarer Domschatz: Das Heinrichskreuz. Doch wer es in dem Museum besichtigen will, hat derzeit schlechte Karten. Denn das Heinrichskreuz ist weg – bis März wird es in Fritzlar nicht zu sehen sein. Was ist denn da los?

Fritzlar/Hildesheim – „Da kann ich Licht ins Dunkel bringen“, sagt Pfarrer Patrick Prähler von der katholischen Gemeinde St. Peter in Fritzlar. „Das Heinrichskreuz ist derzeit in einer Sonderausstellung in Hildesheim“, erklärt er. Wer es also sehen möchte, muss dorthin fahren. „Die Besucher dürfen sich über unseren Schatz freuen – und wir werden unser Kreuz vermissen“, steht auf der Internetseite der Domgemeinde St. Peter.

Pfarrer Patrick
 Prähler
Pfarrer Patrick Prähler © Bistum Hildesheim/Domgemeinde St. Peter

Das Heinrichskreuz ist eine Leihgabe für die Ausstellung „Islam in Europa. 1000-1250“, die in Hildesheim noch bis zum 12. Februar zu sehen ist. Ab März soll es dann wieder in Fritzlar ausgestellt werden. Fest steht, die Sonderausstellung bietet alles andere als ein schlechtes Umfeld für das Kaiser-Heinrich-Kreuz: Schließlich gilt der Hildesheimer Domschatz als eine der weltweit bedeutendsten Sammlungen sakraler Kunst. In den Kirchenschätzen Europas und im Hildesheimer Domschatz (Unesco-Welterbe) sind zahlreiche Kunstwerke aus vom Islam geprägten Regionen überliefert.

„Ausgehend von diesen Objekten werden in einer großen Sonderausstellung im Dommuseum Hildesheim die Gemeinsamkeiten und Verflechtungen der Kulturen aufgezeigt“, sagt der Kurator der Dommuseums Hildesheim, Dr. Felix Prinz. „Damit soll auch eine neue Perspektive auf gesellschaftliche und kulturelle Phänomene der Gegenwart ermöglicht werden.“ Schon im Mittelalter seien die Kulturen der Welt in vielen gesellschaftlichen Sphären miteinander verwoben gewesen. Globalisierung sei also kein reines Phänomen der Neuzeit.

Die hochkarätigen internationalen Leihgaben unter anderen aus Florenz, London, Paris, Wien – und eben aus Fritzlar, böten eine einzigartige Möglichkeit, dieses auch für die Gegenwart relevante Thema zu betrachten. Das Heinrichskreuz habe man unbedingt in der Ausstellung zeigen wollen, denn in ihm sei ein kleiner arabisch beschrifteter Stein eingefügt. Man wisse derzeit weltweit nur von sehr wenigen Objekten, bei denen arabische Steine verwendet wurden. Prinz spricht von maximal 12 Stück, vier seien in der Hildesheimer Sonderausstellung zu sehen. „Es handelte sich ursprünglich vermutlich um Ring-Steine, die als Siegel verwendet wurden“, sagt der Kurator. Dann habe ein Funktionswandel stattgefunden und sie wurden zu Schmucksteinen.

Das Heinrichskreuz werde in einem Raum mit Leihgaben aus dem Museo di San Marco in Florenz, dem Louvre in Paris und aus dem Victoria and Albert Museum in London gezeigt. „Es ist eine extrem hochwertige und bedeutende Reihung, die es so wohl nie wieder geben wird“, sagt Prinz. Und: Das Heinrichskreuz gehöre zu diesen Besonderheiten. Dass das Heinrichkreuz Fritzlar verlässt, kommt immer mal wieder vor. Es gebe keine Regelmäßigkeit und hänge von den Sonderausstellungen ab. Es sei auch schon in Basel und New York gezeigt worden.

Ein Besuch im Fritzlarer Domschatz lohnt sich natürlich dennoch. Vor allem auch, weil es für die Gäste einen glänzenden Trost gibt: Statt des Heinrichskreuzes ist dort jetzt eine besondere Leihgabe aus Hildesheim zu sehen – ein prächtiges großes Scheibenkreuz.

Ausstellung in Hildesheim: Öffnungszeiten des Dommuseums: Dienstag bis Sonntag, 11 bis 17 Uhr. Eintritt: Erwachsene zahlen 6 Euro, freier Eintritt bis 25 Jahre.

Ausstellung in Fritzlar: Der Domschatz kann dienstags bis freitags von 10 bis 12 Uhr und von 14 bis 16 Uhr besichtigt werden. Außerdem: samstags von 11 bis 16 Uhr, sonntags von 14 bis 16 Uhr. Eintritt: 5 Euro, unter 14 Jahren frei.
(Maja Yüce)

Hintergrund: Die Sonderausstellung im Dommuseum in Hildesheim

Córdoba, Palermo, Kairo und Konstantinopel waren im Mittelalter glänzende Metropolen mit florierender Wirtschaft, Wissenschaft und Kunst. Kostbare Bergkristallgefäße, Seidenstoffe, Elfenbeinschnitzereien und Übersetzungen von wissenschaftlicher Literatur fanden aus den vom Islam geprägten Regionen ihren Weg bis nach Mitteleuropa. Diese Migration der Objekte sowie die Vermittlung von Wissen und Technik führten zu einer engen Verflechtung der Kulturen.

Über die Grenzen von Religionen und Sprachen und über geographische Entfernungen hinweg verbanden diese Objekte so die Gebiete des heutigen Irak und Iran über Nordafrika und Spanien bis nach Mitteleuropa. In den Kirchenschätzen erhalten, zeugen sie von den Gemeinsamkeiten der Kulturen in der Zeit zwischen 1000 und 1250. Die Ausstellung beleuchtet dieses Thema in Kapiteln, darunter etwa zur Integration von arabisch beschrifteten Edelsteinen, von Schachfiguren oder Textilien in Werke der europäischen Schatzkunst.  dommuseum-hildesheim.de

2015: War eine stilisierte Darstellung des großen Scheibenkreuzes zum Jubiläum des Bistums Hildesheim auf einer Briefmarke, einem sogenannten Sonderpostwertzeichen, abgebildet.
2015: War eine stilisierte Darstellung des großen Scheibenkreuzes zum Jubiläum des Bistums Hildesheim auf einer Briefmarke, einem sogenannten Sonderpostwertzeichen, abgebildet. © Bistum Hildesheim/Domgemeinde St. Peter

Das Heinrichskreuz

Im Jahr 1020 machte Kaiser Heinrich II. das mit vielen Edelsteinen geschmückte Kreuz Fritzlar zum Geschenk. In der Mitte des Kreuzes befindet sich ein einfacher Bergkristall – und unter ihm sind Splitter des Kreuzes Jesu eingearbeitet worden. Auf der Rückseite des Kaiser-Heinrich-Kreuzes ist das Lamm Gottes eingraviert, eine Darstellung des Petrus und die Symbole für die vier Evangelisten.

Der Stolz der katholischen Gemeinde St. Peter in Fritzlar: Das Heinrichskreuz. Eigentlich ist es in Fritzlar ausgestellt, doch wurde es kürzlich nach Hildesheim gebracht. Zu Gast in Fritzlar (rechts): Das große Scheibenkreuz aus dem Dommuseum in Hildesheim.
Der Stolz der katholischen Gemeinde St. Peter in Fritzlar: Das Heinrichskreuz. Eigentlich ist es in Fritzlar ausgestellt, doch wurde es kürzlich nach Hildesheim gebracht. Zu Gast in Fritzlar (rechts): Das große Scheibenkreuz aus dem Dommuseum in Hildesheim. © Bistum Hildesheim/Domgemeinde St. Peter

Das Scheibenkreuz

Das große Scheibenkreuz stammt aus dem 12. Jahrhundert und ist normalerweise im Hildesheimer Dommuseum zu sehen. „Es ist sehr, sehr prächtig“, sagt Kurator Dr. Felix Prinz vom Dommuseum in Hildesheim. Er betont, dass das Scheibenkreuz sehr selten verliehen werde. So war es 2012 im Metropolitan Museum of Art in New York und 2011 im Bode Museum in Berlin zu sehen – und jetzt bis März im Domschatz in Fritzlar.

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