Not-Vorstand leitet jetzt Museumsverein in Fritzlar

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In der Krise: Der Museumsverein Fritzlar hat derzeit mit sich zu kämpfen.

Fritzlar. Der Fritzlarer Museumsverein kämpft weiter um seine Existenz. Seit drei Jahren hält das Hickhack um das Regionalmuseum nun an.

Mittlerweile gibt es keinen regulären Vorstand mehr, derzeit arbeitet Elke Rüddenklau als einzig verbliebenes Vorstandsmitglied als eine Art Not-Vorstand für den Verein. Sie sei aber nahezu handlungsunfähig, erklärt Rüddenklau im HNA-Gespräch, denn für viele Entscheidungen seien mindestens zwei Vorstandsmitglieder erforderlich. Deshalb setze sie nun auf die nächste Mitgliederversammlung, bei der ein neuer Vorstand gewählt werden soll. Einen Termin gibt es noch nicht. Elke Rüddenklau will sich dann aber als Vorsitzende den rund 100 Mitgliedern zur Wahl stellen.

Der Not-Vorstand 

Wie es um den Verein steht, hat Rüddenklau dem Fritzlarer Amtsgericht gemeldet, doch offiziell wurde von dem Gericht noch kein Not-Vorstand bestellt. „Es liegt kein Antrag vor“, erklärt Bernhard Riehl, Direktor des Amtsgerichts auf HNA-Anfrage. Rüddenklau betont, dass sie die nötigen Unterlagen schon vorbereitet habe und auf den Weg bringen werde.

Die Gerüchteküche 

Die Gerüchteküche um die Situation des Vereins brodelt in Fritzlar schon lange. Zuletzt war von Büchern aus dem Stiftungsbesitz die Rede, die im Zuge der Neustrukturierung der Ausstellung einfach in der Mülltonne entsorgt worden sein sollen und auch um eine Unterschlagung, um Unterstellungen, um einen unflätigen Umgang mit ehrenamtlichen Helfern und einen Putschversuch soll es gegangen sein. Langjährige Vorstandsmitglieder sind von ihren Ämtern zurückgetreten. Es soll Streit um die künftige Ausrichtung des Museums geben, das nach dem Umbau mehr ein Stadt- und weniger ein Regionalmuseum sein soll. Nach HNA-Informationen wurden mittlerweile Rechtsanwälte eingeschaltet. Es gibt zwei Lager, die beide versichern, das Beste für das Museum zu wollen - aber nicht zusammenkommen.

Die Rücktritte 

Führt den Verein allein, bis ein neuer Vorstand gefunden wird: Elke Rüddenklau

Über die Gründe für den Rücktritt der langjährigen Vorstandskollegen und des zwischendurch kurz amtierenden neuen Vorstands, will Elke Rüddenklau nicht sprechen. Auch nicht über die Gerüchteküche. Und auch nicht über die Neuausrichtung des Museums. Ihr sei es wichtig, nach vorne zu blicken. „Es ist ein sehr emotionales Thema. Ich will keine Gemütslagen deuten, wir möchten, dass es mit dem Verein weitergeht, und wir wollen, dass endlich Ruhe einkehrt“, sagt sie.

Der Verein 

Der Verein sorge mit seinen Veranstaltungen und Führungen dafür, dass dem Museum Leben eingehaucht werde. Mit den erzielten Einnahmen werde etwa die Restaurierung alter Möbel unterstützt. Doch primär gehe es um die Werbung für das Fritzlarer Museum.

„Wir wollen etwas für das Museum erreichen. Wir erheben nicht den Anspruch, Historiker zu sein, sondern wir waren und sind die praktische Truppe des Hochzeitshauses“, sagt sie. Wer genau „wir“ ist, sagt sie nicht.

Die Vorbereitung 

Gerade jetzt sei die Arbeit des Vereins wichtig, erklärt Rüddenklau. Denn nicht erst nach dem Umbau, der im nächsten Jahr beginnen und über zwei Jahre dauern soll, seien die Vereinsmitglieder gefordert. Rüddenklau: „Wir wollen auch in der Zwischenzeit Angebote machen.“ Außerdem müssten die ehrenamtlichen Helfer rechtzeitig geschult werden. Nach der Umgestaltung müsse dem Museum wieder Leben eingehaucht werden, und das gehe nur mit einem funktionierenden Verein: „Es darf nicht um Macht gehen, es muss um den Verein gehen.“

Drei Standbeine 

Das Regionalmuseum Fritzlar steht auf drei Standbeinen:

• Die Stiftung: „Der Stiftung gehörten die Exponate, also alles, was im Museum drin steht“, erklärt Elke Rüddenklau. Vorsitzender der Stiftung ist Bürgermeister Hartmut Spogat. Spogat wollte sich auf HNA-Anfrage nicht zur Situation des Vereins äußern.

• Die Stadt: Die Gebäude, also das Hochzeitshaus- und das Patrizierhaus, eines der größten Fachwerkgebäude Hessens, gehören der Stadt Fritzlar.

• Der Museumsverein: Der Museumsverein füllt das Haus inhaltlich mit Leben. Er organisiert Veranstaltungen, arbeitet mit Historikern zusammen, bietet Führungen an, unterstützt stundenweise die Aufsicht im Museum.

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