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Wenn die Blase schwächelt: Fritzlarer Hospital macht bei Kontinenz-Woche mit

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Von: Maja Yüce

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Oh nein, nicht schon wieder: Blasenschwäche kann Betroffene im Alltag i vor große Probleme stellen.
Oh nein, nicht schon wieder: Blasenschwäche kann Betroffene im Alltag i vor große Probleme stellen. © Inga Kjier/dpa

Das Fritzlarer Hospital macht bei der Welt-Kontinenz-Woche mit. Deutschlandweit gibt es zahlreiche Veranstaltungen. Fragen und Antworten rund um das Thema Blasenschwäche.

Fritzlar – Für Betroffene ist es weit mehr als nur unangenehm: Wenn sich die Blase ungewollt entleert, ist das auch mit viel Scham verknüpft. „Los geht es meist mit einigen Tropfen Urin, die abgehen, bis zu hin zu Situationen, in denen sich der gesamte Blaseninhalt komplett und unkontrolliert – zum Beispiel beim Einkaufen – ergießt“, erzählt Frauenärztin Dr. Ana Prietz, sie ist eine auf Uro-Gynäkologie spezialisierte Frauenärztin vom MVZ am Fritzlarer Hospital zum Heiligen Geist. Die Klinik macht mit bei der weltweiten Kontinenz-Woche und bietet zwei kostenlose Informationsveranstaltungen an. Viele Probleme könnten gut behandelt werden, sagt Prietz. Fragen und Antworten rund um das Tabuthema:

Wie viele Menschen leiden denn unter Inkontinenz?

„Schätzungsweise zehn Millionen Menschen leiden in Deutschland unter Harn- oder Stuhlinkontinenz, aber die wenigsten sprechen darüber. Über die Hälfte der Betroffenen wendet sich nicht einmal an einen Arzt. Das ist fatal, denn unbehandelt verstärken sich die Inkontinenzbeschwerden – mit tiefgreifenden Folgen auf Alltag, Partnerschaft, Psyche und das soziale Leben“, so das Hospital zum Heiligen Geist.

Wer ist betroffen?

„Es kann jeden treffen, auch wenn man sich noch so gesund fühlt“, sagt Dr. Ana Prietz. Grundsätzlich seien ältere Menschen und Frauen häufiger betroffen als junge Menschen und Männer. Allerdings sei ihre jüngste Patientin 16 Jahre gewesen und „da litt sie schon ein Jahr unter Blasenschwäche“, erzählt die Ärztin. „Man muss sich bewusst machen, dass es nicht nur ein Problem für ältere Menschen ist, auch junge Leute können natürlich betroffen sein“, betont Prietz.

Welt-Kontinenz-Woche: Fritzlarer Hospital macht mit

Welche Ursachen gibt es für Blasenschwäche?

Die Ursachen sind unterschiedlich: Bei Männern können Probleme nach einer Prostataoperation auftreten, bei Frauen spielen mehrere Faktoren eine Rolle. Dazu zählten die Wechseljahre, Schwäche der Beckenbodenmuskulatur oder des Bindegewebes, Schwangerschaft und Geburt oder Senkung von Gebärmutter und Beckenboden, so die Deutsche Kontinenz-Gesellschaft. Auch die hormonelle Verhütung könne eine Rolle spielen, ergänzt Prietz.

Welche unterschiedlichen Formen der Inkontinenz gibt es?

Man unterscheide zwischen zwei großen Formen: die Harnbelastungsinkontinenz, die durch eine Schwäche des Beckenbodenmuskels hervorgerufen werde und die Dranginkontinenz, die mit einem riesigen Drang verbunden ist, sehr häufig auf Toilette zu gehen. Denn die Blase dieser Patienten könne nur eine geringe Menge Urin fassen.

Wie kann man Inkontinenz vorbeugen?

„Vor allem mit Beckenbodentraining“, sagt Prietz. Denn dadurch werde die Durchblutung gefördert und Muskeln aufgebaut, das Bindegewebe gestärkt.

Blasenschwäche: Viele Betroffene trinken wenig, um seltner auf die Toilette zu müssen

Welchen Rat kann man Betroffenen geben?

„Viele Betroffene trinken weniger, weil sie dann seltener zur Toilette müssen. Das hat aber zur Folge, dass der Stuhl fester wird und sie dann pressen müssen – das ist auch ganz schlecht, weil dies zu einer massiven Senkung der Organe führen und die Situation noch verschlechtern kann“, sagt Prietz. Betroffene sollten sich nicht schämen und zurückhalten, sondern gezielt ärztliche Hilfe annehmen und auch darüber sprechen, um das Thema Blasenschwäche aus der Tabuzone zu holen.

Gibt es wirksame Hilfen?

„Jede Inkontinenz ist behandelbar und kann spürbar gelindert werden, in den meisten Fällen ist Heilung möglich. Das ist für Betroffene wichtig zu erfahren – eine ideale Gelegenheit dafür bietet die Welt-Kontinenz-Woche“, sagt Prof. Dr. Andreas Wiedemann, Vorsitzender der Deutschen Kontinenz Gesellschaft. Auch medikamentöse Hilfen gebe es, sagt Prietz und nennt lokale Hormonbehandlungen als Beispiel. „Sie können bei einer geringen Senkung Gold wert sein. Wer sich rechtzeitig Hilfe holt, kann vor allem bei der Belastungsinkontinenz große Erfolge erzielen, die für eine Verbesserung sorgen“, so Prietz im HNA-Gespräch.

Was tun, wenn Medikamente und Training nicht mehr helfen?

„Dann gibt es die Möglichkeit der Operation“, sagt Prietz. Bei den meisten Patientinnen werde mittlerweile die sogenannte TVT-Operation angewandt. „Dabei wird ein Kunststoffband vor die Harnröhre gelegt, um sie zu stützen und zu verhindern, dass diese unter Belastung absinkt“, so Dr. Ana Prietz. Allerdings sei jede Behandlung ganz individuell. „Weil jede Frau eben auch ganz anders und somit individuell ist“, sagt Prietz. Wichtig sei aber in jedem Fall auch die Nachbetreuung nach einem Eingriff – denn auch dazu gehöre eine lokale, sehr niedrig dosierte Östrogentherapie. „Es ist insgesamt ein sehr komplexes Thema“, so Prietz. Doch: Es gebe sehr gute Heilungschancen.

Termine: Informationsveranstaltungen zum Thema Inkontinenz

Betroffene können sich während der Welt-Kontinenz-Woche über die verschiedenen Formen von Inkontinenz und die Therapiemöglichkeiten informieren. Auch die Gynäkologin Dr. Ana Prietz, die seit Anfang 2022 im MVZ am Hospital zum Heiligen Geist in Fritzlar ihre Sprechstunde anbietet, lädt zu kostenfreien Informationsveranstaltungen ein. Initiiert wird die Aktionswoche von der Deutschen Kontinenz Gesellschaft.

Mittwoch, 22. Juni, 8.30 bis 12.30 Uhr: Telefonsprechstunde. Unter der Rufnummer 0 56 22/99 73 13 können Fragen zum Thema „Blasenprobleme aus gynäkologischer Sicht“ an Dr. Ana Prietz gestellt werden.

Samstag, 25. Juni: Come-together-Veranstaltung „Power für die Mitte – Neue Lebensenergie aus der Kraft des Beckenbodens schöpfen“. Ort: Physiotherapiepraxis Bettina Meißner-Kuhnert, Simmenhäuserweg 9, Balhorn. Dort kann man in entspannter Atmosphäre (bei schönem Wetter im Garten) miteinander ins Gespräch kommen. Themen: Aufbau und Funktionen des Beckenbodens, Risiken für Beckenbodenschwäche und Inkontinenz, Prävention und Übungen. Anmeldung: gyn@hospital-fritzlar.de und telefonisch unter der Rufnummer: 0 56 22/99 73 42. (Maja Yüce)

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