Einziges Team aus Hessen fährt nach Berlin

Schüler der Fritzlarer Ursulinenschule fahren zum Finale des Bankenplanspiels

Sie könnten die Bankenchefs von morgen sein: Tim Emsberger (von links), Nils-Hendrik Girth, Virginia Orth, Aaron Kraus, Susanna Wiesa und Max Meister von der Ursulinenschule Fritzlar. Foto: Mona Linke

Fritzlar. Nils Girth aus Fritzlar hat einen Traum: „Ich will mein eigener Boss sein“, sagt er – und hat auch schon einen Plan: Es fehle nur noch die „zündende Idee“, dann wolle er sein eigenes Unternehmen gründen. Was ihm auch noch fehlt, ist ein Schulabschluss.

Nils ist gerade einmal 15 Jahre alt. Was es bedeutet, einen Aktienfonds zusammenzustellen oder eine Unternehmensstrategie zu entwickeln, weiß er trotzdem schon. Nils ist einer von sechs Schülern der Ursulinenschule Fritzlar, die am Bankenplanspiel Schul/Banker teilgenommen haben. Die sechs haben es ins Finale geschafft: Ende April werden sie als einziges hessisches Team gegen 19 andere Finalisten in Berlin antreten.

„Wir nennen uns die Deutsche Privat- und Firmenbank“, verkünden die Neuntklässler. Besonders einfallsreich finden sie den Namen ihrer Bank selbst nicht. „Aber es fasst zusammen, wer unser Kundenstamm ist“, sagt der 14-jährige Max. Zwar existiert die Bank seit sechs Monaten nur auf dem Papier. Trotzdem haben die Schüler ihr Herzblut in das „virtuelle Geldinstitut“ gesteckt – und die Bank erfolgreich durch sechs Geschäftsjahre gebracht. Zum Verständnis: Ein Geschäftsjahr entspricht zwei realen Wochen. „Es geht vor allem darum, die richtigen Prozentsätze bei den Zinsen festzulegen, sodass immer noch genug Kunden kommen und man entsprechend viel einnimmt“, erklärt der 14-jährige Aaron.

Eigenes Unterrichtsfach

Anders als die meisten Erwachsenen besitzen die Jugendlichen inzwischen Expertenwissen in Sachen „ökonomisch handeln“. Denn seit vergangenem Sommer haben sie an der Ursulinenschule ein Unterrichtsfach, das genau so heißt. Franz Spahn ist als Politik- und Wirtschaftslehrer der Ursulinenschule verantwortlich für das Schulfach „Ökonomisches Handeln“ – und musste sich „selbst erst einmal einiges an Wissen aneignen“.

Für umso sinnvoller hält er es, dass Schüler bereits in jungem Alter mit dem Finanzwesen konfrontiert werden: „In den letzten Jahren hat sich gezeigt, dass viele Menschen im alltäglichen wirtschaftlichen Handeln überfordert sind. Zum Beispiel nicht wissen, welche Rechte sie als Verbraucher haben, überschuldet sind oder ihre Ersparnisse mit riskanten Anlagen aufs Spiel setzen“, so Spahn.

Bank vor Bankrott retten

Was es heißt, nicht nur sich, sondern gleich eine ganze Bank vor dem Bankrott zu retten, mussten die Neuntklässler auch lernen: „Über Weihnachten haben wir ohne zu überlegen Wertpapiere gekauft“, sagt Tim. „Dadurch hatten wir kein Grundguthaben mehr bei der Bundesbank und mussten einen Notkredit aufnehmen.“ Anfang Februar sei es wieder bergauf gegangen: „In weiser Voraussicht haben wir zu der Zeit Aktien von ProSieben gekauft. Als dann am 13. Februar die aktuelle Staffel des Formats „Germanys next Topmodel“ auf ProSieben ausgestrahlt wurde, schoss der Kurs natürlich nach oben“, sagt Nils. „Den Notkredit haben wir damit wieder reingeholt.“

Es bis ins Finale zu schaffen, hat sich zu Anfang keiner der Schüler träumen lassen, sagt Max. Doch mittlerweile sind die sechs Schüler zuversichtlich: „Wir werden auf jeden Fall gewinnen.“ Jetzt freuen sie sich erst einmal auf drei Tage Urlaub in Berlin – den sie wie echte Banker im 4-Sterne-Hotel Oderberger verbringen werden.

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