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Yoga ist auch Männersache: Ein Selbstversuch beim HNA-Yogasommer in Fritzlar

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Von: Sascha Hoffmann

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Aus dem Gedankenkarussell ins Hier und Jetzt: HNA-Mitarbeiter Sascha Hoffmann ist begeistert von seiner ersten Yogastunde.
Aus dem Gedankenkarussell ins Hier und Jetzt: HNA-Mitarbeiter Sascha Hoffmann ist begeistert von seiner ersten Yogastunde. © Sascha Hoffmann

Der HNA-Yogasommer in Fritzlar ist gestartet. Unser Reporter Sascha Hoffmann hat den Selbstversuch gewagt.

Fritzlar – Der HNA-Yogasommer, der noch bis Ende August jeden Mittwoch in Fritzlar läuft, ist – das kann man so sagen – Frauensache. Klar, es sind auch Männer dabei, aber sie sind in der Minderheit. Und das deutlich. Dabei gibt es durchaus eine Menge Gründe, warum auch Männer Yoga machen sollten, diese Erfahrung hat zumindest HNA-Mitarbeiter Sascha Hoffman gemacht, denn er war dabei, beim HNA-Yogasommer. Ein Selbstversuch:

Zum Start des HNA-Yogasommers in Fritzlar habe ich mich am Mittwoch extra in meine alte Yogi-Hose geworfen. Seit Jahren habe ich sie im Schrank, zugegebenermaßen aber nur, weil ich die mit allerlei kitschigen Bildchen versehene Fakirhose irgendwann wirklich mal fesch fand.

Zum Yoga habe ich sie noch nie getragen, ganz einfach, weil ich ehrlich gesagt noch nie Yoga gemacht habe. Zigmal angemeldet, aber nie hingegangen, insgeheim dachte ich immer, dass das ohnehin nur was für Frauen sei. Doch nun ist der große Tag gekommen.

Meine grüne Matte und eine Extraflasche Wasser fahre ich schon den ganzen Tag von Termin zu Termin, stets mit dem großen Ziel vor Augen, am Abend eine Extraportion Entspannung zu tanken. Völlig gehetzt schaffe ich es pünktlich zum Bolzplatz am Grauen Turm, um mich als erstes meiner Yogahose zu entledigen und sie gegen eine simple kurze Sporthose zu tauschen. Erstens ist es viel zu heiß, zweitens falle ich mit dem alten Stück vielleicht doch zu sehr auf.

HNA-Yogasommer: Auch der Bürgermeister ist in Fritzlar dabei

Im Schatten des alten Turms treffe ich als erstes auf Bürgermeister Hartmut Spogat, seines Zeichens begeisterter Yogi, seit er vor 20 Jahren mal einen Kurs bei den Landfrauen in Wehren mitgemacht hat. „Am wichtigsten ist, möglichst entspannt zum Training zu kommen“, erzählt er mir freudestrahlend. Okay, fürs nächste Mal weiß ich es. Aber ob auch er wirklich das Rathaus für den Yogasommer früher verlässt? „Auf jeden Fall, eine halbe Stunde zum Runterfahren muss drin sein.“

Ich schreibe es mir hinter die Ohren und mache es mir gleich hinter ihm auf der Wiese gemütlich, um notfalls ein bisschen bei ihm abzugucken. Zwar habe ich auch eine gute Sicht zu Yogalehrerin Kati Mund, doch die steht ja andersrum, und das könnte mich irritieren. Immer mehr Yogis pilgern zum Bolzplatz, an die 100 dürften es sein. Überwiegend Frauen, aber gar nicht mal so wenig Männer wie befürchtet. Da fällt mir ein Stein vom Herzen, und so starte ich erleichtert ins einstündige Training.

Die Hände vors Herz, begeben wir uns kollektiv in Yogaposition und starten mit einer Entspannung in den Abend. Herrlich, denke ich mir, viel mehr brauche ich gar nicht. Doch ich merke schnell, dass ich längst nicht im Hier und Jetzt angekommen bin, stattdessen im Kopf meine To-Do-Liste für den nächsten Tag durchgehe und die nächsten Termine plane.

Und doch nehme ich wahr, dass ich alles Visuelle ausschalten, meine Zahnreihen voneinander lösen und die Zunge ganz locker in den Mundboden legen soll, damit die Kiefergelenke entspannen können.

Yogasommer in Fritzlar

Der HNA-Yogasommer findet jeden Mittwoch auf dem Bolzplatz am Grauen Turm in Fritzlar statt. Die Teilnahme ist, entgegen anderslautender Mitteilungen, kostenlos. Da viele Yoga-Schulen in den vergangenen Monaten durch die Pandemie allerdings gar nicht oder nur eingeschränkt öffnen konnten, freuen sich die Lehrer nach der Einheit über eine freiwillige Spende.

Okay, kein Problem, bis zum tiefen Einatmen, das mein T-Shirt über meinen natürlich nur von der Luft aufgeblähten Bauch zieht und ich fortan damit beschäftigt bin, eben das zu vermeiden. Ob ich wohl der Einzige bin, der von Entspannung so gar nichts spürt?

Kati Mund scheint Probleme wie diese zu kennen. Sie thematisiert sie zwischen ihren Ansagen, und mit der Zeit gelingt es selbst mir, mich auf sie und ihre Übungen einzulassen. Ja, ich fühle ihn, den Wind auf meiner Haut, ja, ich nehme die Vögel gern wahr, die munter vor sich hin zwitschern.

Selbstversuch beim HNA-Yogasommer in Fritzlar: Zufriedenheit und Entspannung

War ich gerade noch mit meinem nervenden Gedankenkarussell beschäftigt, fühle ich mich nun auf fast magische Weise ganz bei mir. Kann das wirklich so schnell gehen? Nicht hinterfragen, genießen, denke ich mir, lasse mich immer tiefer fallen und merke, wie sich ein zufriedenes Lächeln in mein Gesicht schleicht.

Konzentriert und gut gelaunt: Yoga-Lehrerin Kati Mund.
Konzentriert und gut gelaunt: Yoga-Lehrerin Kati Mund. © Hoffmann, Sascha

„Lass die Atmung tiefer werden, atme ganz bewusst in den Bauch hinein“, höre ich Katin Mund sagen, die nun langsam ans Eingemachte geht. Wir ziehen unsere Wirbelsäulen „gaaanz lang“ und öffnen unsere Schultern wie ein Schmetterling seine Flügel.

Hach, das tut wirklich gut. Natürlich gibt es auch Übungen, die so gar nicht für mich gemacht sind. Doch das ist nicht schlimm. „Jeder so, wie er kann“, sagt Mund und lächelt. Nach einer Stunde hat sie auch mich überzeugt. Ich komme wieder, dann ohne die alte Yogihose und weniger gehetzt, das verspreche ich mir selbst. (Sascha Hoffmann)

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