„Die haben uns vergessen“

Zirkus Paul Busch in Fritzlar: Mit neuem Konzept zurück in die Manege

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Auf Spenden angewiesen: Henry Frank muss rund 30 Tiere satt bekommen, auch die hungrigen Lamas. 

Die Freude über Kamel-Nachwuchs im Zirkus Paul Busch tröstet den Direktor des in Fritzlar gestrandeten Zirkus Paul Busch nur kurz über seine Sorgen hinweg. 

Die Freude ist groß am Fritzlarer Pferdemarktplatz. Kameldame Suleika hat gerade Nachwuchs zur Welt gebracht, der nun seine ersten vorsichtigen Schritte ins Leben wagt. „Beide sind wohlauf“, freut sich Henry Frank, alles andere wäre für ihn und sein Team derzeit auch kaum zu ertragen.

Die Freude über das Kamelbaby kann nur kurz über den riesigen Sorgenberg hinwegtrösten, gegen den der Direktor des in Fritzlar gestrandeten Zirkus Paul Busch gerade ankämpfen muss. „Wir wissen langsam nicht mehr, wie es weitergehen soll“, sagt er mit trauriger Stimme. Und wenn er von „wir“ spricht, meint er 25 Menschen und rund 30 Tiere, die seit 8. März wegen der Coronakrise in der Domstadt festsitzen. Sie haben seitdem keinerlei Einnahmen und fallen bislang auch durch sämtliche Raster staatlicher Rettungspakete. „Irgendwie haben die uns vergessen“, sagt er frustriert und ist dankbar, dass zumindest einige Fritzlarer Herz zeigen, indem sie den Zirkusbetrieb mit Geld- und Futterspenden unter die Arme greifen. „Ohne das wären wir längst am Ende“, gibt er zu und sucht ganz konkret nach Möglichkeiten, um zumindest ein bisschen Geld zu verdienen.

Kleiner Lichtblick in einer ansonsten schweren Zeit: Kameldame Suleika mit ihrem gerade geborenen Nachwuchs.

Neues Konzept: Unterstützung von der Stadt

„Ich habe mich mit einem Sicherheitskonzept an die Stadt gewandt, um unter strengen Sicherheitsvorkehrungen zumindest eine Tierschau und Probenbesuche anbieten zu können“, sagt Frank und gibt sich optimistisch, dass sich hier schon bald etwas tun wird. Bürgermeister Hartmut Spogat sei schon mehrfach zu Besuch gewesen, um sich selbst ein Bild von der Lage der Zirkusfamilie zu machen. „Das ist nicht selbstverständlich“, sagt Frank. Ausgerechnet in Fritzlar gestrandet zu sein, habe sich im Nachhinein als Glücksfall herausgestellt. „Die Stadt unterstützt uns wirklich hervorragend, nicht nur auf Zahlungen beispielsweise für Wasser und Platzmiete wird verzichtet, sondern der Bürgermeister ist noch dazu auch wirklich für uns da und setzt sich für uns ein, wo er nur kann.“

So gut es Henry Frank und den übrigen Zirkusleuten mittlerweile auch in Fritzlar gefällt, wünschen sie sich doch endlich den Betrieb wieder aufnehmen und weiterreisen zu können. Dauerhaft am gleichen Ort zu sein, das ist gar nichts für sie. „Wir müssen da jetzt durch, eine Alternative haben wir nicht“, sagt der 46-Jährige. Er hofft, dass die Menschen in der Region weiter ein Herz für die Zirkustruppe und die Tiere haben. „Jede einzelne Spende hilft uns, zu überleben“, sagt er und lädt zu Besuchen in die Zelt- und Wagenstadt am Pferdemarktplatz ein, wo es nun vielleicht auch einen Blick auf Kameldame Suleika und ihren Nachwuchs zu erhaschen gibt.

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